Freitag, 08. April 2016

Papst geht auf Wiederverheiratete zu

Der Papst ist in seinem Lehrschreiben zu Familie und Ehe auf Wiederverheiratete zugegangen – ohne jedoch an den Grundfesten der bisherigen Kirchenregeln zu rütteln.

Papst Franziskus
Papst Franziskus - Foto: © LaPresse

Papst Franziskus ändert in seinem Schreiben „Amoris Laetitia – über die Liebe in der Familie“ zwar die bestehenden Gesetze für wiederverheiratete Geschiedene nicht, lässt aber mehr Spielraum für Einzelfallentscheidungen.

Wegen der zahllosen Unterschiede konkreter Situationen sei es klar, „dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte“, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Dokument.

Im Hinblick auf die Teilnahme an der Kommunion appelliert der Papst in dem rund 190 Seiten umfassenden Dokument an das Gewissen Wiederverheirateter und setzt auf die pastorale Kompetenz der Priester.

Franziskus fordert eine „verantwortungsvolle persönliche und pastorale Unterscheidung der je spezifischen Fälle“, Barmherzigkeit und Integration. „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums“, erklärt das Kirchenoberhaupt.

Verheiratete Priester?

Kann sich Papst Franziskus verheiratete Priester vorstellen? Eine kleine Nebenbemerkung in seinem neuen Schreiben „Amoris Laetitia“ lässt zumindest aufhorchen.

Franziskus beschreibt darin das Problem, dass die katholischen Priester wenig Erfahrung im Umgang mit Problemen von Familien haben. „In diesem Sinn kann auch die Erfahrung der langen östlichen Tradition der verheirateten Priester nützlich sein.“

In den orthodoxen Kirchen können auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden. Viele Katholiken hoffen, dass der Zölibat abgeschafft und so der Priestermangel bekämpft wird.

Franziskus geht darauf nicht konkret ein. An einer anderen Stelle seines Schreibens warnt er aber vor den Gefahren, die mit der Ehelosigkeit von Priestern verbunden sind: „Der Zölibat läuft Gefahr, eine bequeme Einsamkeit zu sein, welche die Freiheit gewährt, sich selbstbestimmt zu bewegen, Orte, Aufgaben und Entscheidungen zu ändern, über das eigene Geld zu verfügen, je nach der Attraktion des Momentes Kontakte mit verschiedenen Menschen zu pflegen. Hier glänzt das Zeugnis der Verheirateten.“

apa/dpa

stol