Bis vor Kurzem galten noch mehrere italienische Kardinäle als aussichtsreiche Anwärter auf den Stuhl Petri, doch je mehr sich der Beginn des Konklaves nähert, desto mehr verlieren sie gegenüber ausländischen Kandidaten an Boden, heißt es im Vatikan.In den aktuellsten Listen der aussichtsreichsten Papst-Wähler, die Vatikan-Insider in diesen Tagen eifrig entwerfen, tauchen immer häufiger ausländische Namen auf. Lediglich der Mailänder Erzbischof Angelo Scola gilt noch als Kandidat mit Erfolgschancen. Der 72-jährige Moraltheologe und Philosoph, der seit 1995 die Lateran-Universität und das Päpstliche Institut für Ehe-und Familienstudien leitet, gilt zwar als aufgeschlossen und dialogoffen, von seinen Kritikern wird er jedoch als zu wenig charismatisch eingeschätzt. Außerdem gilt er als Vertrauter Benedikts XVI., was von jenen Kardinälen als Nachteil betrachtet wird, die nach den Skandalen der vergangenen Jahren auf einen tiefgreifenden Wandel in der Kurie drängen.Immer weniger Aussichten werden auch dem vatikanischen „Kulturminister“ Gianfranco Ravasi eingeräumt. Als fast chancenlos gilt hinzu die Kandidatur des Erzbischofs von Genua und Präsidenten der italienischen Bischofskonferenz, Angelo Bagnasco.„Die Rückkehr eines italienischen Papstes ist ein Traum mit wenig Hoffnungen. Skandale, Intrigen, Korruption und Karriere-Denken in der römischen Kurie beeinträchtigen die Aussicht, dass ein Pontifex aus der Halbinsel gewählt wird“, analysierte die Tageszeitung „La Repubblica“. Obwohl die 28 italienischen Kardinäle die größte nationale Gruppe unter den 115 Papst-Wählern ausmachen, gewinnen ausländische „Papabili“ immer mehr an Boden, verlautet es aus gut informierten Kreisen im Vatikan.Amerikanische KardinäleAls besonders stark gilt die Lobby amerikanischer Kardinäle, zu denen prestigereiche Anwärter auf den Stuhl Petri wie der Erzbischof von New York, Timothy Michael Dolan, und der Bostoner Bischof Sean Patrick O'Malley zählen. Kanada setzt auf seinen Spitzenkandidaten Kardinal Marc Oullet. Auch unter den Lateinamerikanern gibt es starke Namen, wie der Brasilianer Joao Braz de Aviz. Gute Chancen werden auch dem Brasilianer deutscher Abstammung Odilo Pedro Scherer, Erzbischof von Sao Paolo, eingeräumt. „Mehrere italienische Kardinäle sind bereit, schon bei den ersten Wahlgängen für Scherer zu stimmen“, berichtete „La Repubblica“. Zu den aussichtsreichsten europäischen Kandidaten gehören Indiskretionen zufolge der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn sowie der ungarische Primas Peter Erdö, Chef der europäischen Bischöfe.Eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen vor dem Beginn des Konklave spielen „Schwergewichte“ wie der ehemalige vatikanische Staatssekretär Angelo Sodano und der Ex-Präsident der italienischen Bischofskonferenz Camillo Ruini. Obwohl sie wegen ihres hohen Alters aus dem Konklave ausgeschlossen sind, könnten sie wegen ihrer Erfahrung und ihres Prestiges die Papstwahl beeinflussen. Als weitere Persönlichkeiten, die „Drahtzieher“ bei der Papstwahl sein könnten, gelten Benedikts Sekretär, Georg Gänswein, der vatikanische „Innenminister“ Angelo Becciu und der Patriarch von Venedig, Francesco Moraglia.apa