Mittwoch, 06. April 2016

Papstbesuch in der Synagoge 1986 war „ein Meilenstein“

Als Papst Franziskus Anfang des Jahres die römische Synagoge besuchte, machte diese Geste keine großen Schlagzeilen mehr. Das war bis vor wenigen Jahrzehnten anders: 1986 war es eine historische Sensation.

Der heilige Johanns Paul II. umarmt Elio Toaff, den damaligen Chefrabbiner Roms, am 13. April 1986. - Foto: L'Osservatore Romano
Der heilige Johanns Paul II. umarmt Elio Toaff, den damaligen Chefrabbiner Roms, am 13. April 1986. - Foto: L'Osservatore Romano

Es war ein langer und schwieriger Weg, der vor 30 Jahren erstmals einen Papst in die römische Synagoge auf der anderen Tiberseite führte. „Zwei Kilometer, die 2000 Jahre gedauert haben“, kommentierte damals ein Fernsehsprecher mit Blick auf die Entfernung zwischen dem Vatikan und dem jüdischen Gotteshaus.

Eigentlich ein Katzensprung, aber die Hindernisse, die dem Besuch eines katholischen Kirchenoberhaupts im Weg standen, schienen lange unüberbrückbar. Dann geschah es doch: Am 13. April 1986 betrat Johannes Paul II. den viereckigen Kuppelbau und wurde von Oberrabbiner Elio Toaff mit Küssen auf die Wangen begrüßt.

Zu den Klängen des Halleluja schritten die beiden Kirchenmänner durch die Synagoge und nahmen unter minutenlangem Applaus auf der Empore vor dem verschlossenen Schrein mit den Schriftrollen, der Thora, Platz. 

Ein nachdenklicher Moment in dem Tempelrund, denn schließlich war es im Jahr 1555 Papst Paul IV. gewesen, der die Errichtung des Ghettos angeordnet hatte, auf dessen Boden sich der polnische Pontifex nun befand. Bis zur Einigung Italiens 1870 lebten die Juden der Stadt hier eingepfercht auf wenigen Hektar Land. „Es war sicher seine längste Reise“, würdigte die französische Zeitung „Liberation“ diesen „wirklich außergewöhnlichen Papst“.

Auch seine Nachfolger Benedikt XVI. und Franziskus besuchten nicht nur Israel, sondern auch die Synagoge: Joseph Ratzinger ging am 17. Januar 2010 über die Schwelle, Jorge Mario Bergoglio genau sechs Jahre später. 

apa

stol