Zu Gast war auch der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für Minderheitenfragen, Fernand de Varennes. Ihm zufolge gilt die Südtirol-Autonomie weiterhin als internationales Paradebeispiel. „Angesichts der globalen Entwicklungen steht sie jedoch vor großen Herausforderungen“, so de Varennes.<BR /><BR />Der Pariser Vertrag und seine Geschichte wurden in den vergangenen Tagen kräftig gefeiert. Bei der gestrigen Tagung der Uni Innsbruck, die den Abschluss der Feierlichkeiten zum Jubiläum bildete, richteten Experten den Blick hingegen nach vorne. <BR /><BR />„Wir können heutzutage behaupten, dass sich die Maßnahmen aus dem Jahr 1946 in den letzten 80 Jahren als Erfolg erwiesen haben – jedoch hat sich die geopolitische und gesellschaftliche Lage in der Welt stark verändert“, fasste Walter Obwexer, Professor an der Uni Innsbruck und Mitorganisator der Tagung, zusammen. Themen wie der Klimawandel, Digitalisierung oder Migration wurden 1946 selbstverständlich nicht beachtet.<BR /><BR />Trotzdem zeigte sich Prof. Obwexer überzeugt: Die im Pariser Vertrag festgehaltenen Punkte – vom Unterricht in der Muttersprache bis hin zum ethnischen Proporz – bilden weiterhin eine wichtige Grundlage für den Schutz der Südtiroler. „Allerdings müssen einige Anpassungen durchgeführt werden, die der modernen Zeit gerecht werden“, so Obwexer.<BR /><BR /> Wie dies am besten gelingt, war gestern in Bozen Gegenstand der Diskussionen. Die Experten widmeten sich etwa der Frage, ob aufgrund des Fachkräftemangels vom Proporz abgewichen werden soll. Oder: Wie man Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund erfolgreich in den Schulalltag integriert, ohne dass dadurch die Qualität des Unterrichts leidet. <h3> Globale Herausforderungen betreffen auch Südtirol</h3>Laut dem Ex-Sonderberichterstatter für die Rechte von Minderheiten bei den Vereinten Nationen (UN), Fernand de Varennes, könne Südtirol und seine Autonomie weit über die Grenzen des Landes hinaus als Orientierung dienen. Vor allem angesichts der Zahl an globalen Konflikten, die derzeit so hoch ist wie seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr – nicht selten hängen diese mit der Diskriminierung von Minderheiten zusammen. <BR /><BR />„Aus der Geschichte Südtirols und dem Pariser Vertrag können wir deshalb wichtige Lehren ziehen“, so de Varennes. „Die Autonomie hat Minderheitenschutz erfolgreich umgesetzt und zur Beilegung eines langwierigen Konflikts beigetragen.“ Aber nicht nur: Heute zähle Südtirol zu den wohlhabendsten Regionen Europas.<BR /><BR />Gleichzeitig gab der ehemalige UN-Sonderberichterstatter zu bedenken, dass die globalen Entwicklungen auch Südtirol unter Druck setzen werden. Etwa der Klimawandel oder die Migration, die ebenso auf einem Allzeithoch ist. Auch der Radikalisierung in den sozialen Medien, wo Hass und Hetze mittlerweile Alltag sind , blickt de Varennes besorgt entgegen. „Doch egal, wie groß die Herausforderungen auch sind – wir müssen unseren Fokus gemeinsam auf Lösungen legen“, appellierte de Varennes abschließend.