„Wir haben einen Punkt erreicht, an dem es zu handeln gilt“, fordert Robert Tschöll, Bürgermeister von St. Leonhard. <BR /><BR />Tschöll untermauert den leidigen Alltag an der Jaufen- und Timmelsjoch-Straße mit Zahlen. „Samstags oder sonntags zählen unsere Kameras allein am Dorfeingang Richtung Jaufen 5000 Pkw und Motorräder in beiden Richtungen“, sagt er. Richtung Timmelsjoch ab Moos seien die Zahlen etwa gleich hoch. <BR /><BR />Ulrich Königsrainer platzt der Kragen. „Es ist zum Gag geworden, sich einen Sportwagen zu leihen und durch unsere Dörfer und über unsere Passstraßen zu schießen – oft im Konvoi. 10 Leute alleine in 10 Ferraris, Lamborghinis, R8 oder Porsches. Das hat nach den Pandemie-Jahren hier massiv zugenommen“, schildert er die Situation. Es sei früher auch schlimm gewesen, aber dann sei dieser untragbare Zustand eher aufs Wochenende konzentriert gewesen. Los gehe es am Samstag ab 10 Uhr bis abends 17, 18 Uhr und am Sonntag dasselbe. „Und unter der Woche mittlerweile auch und dann eher nachmittags“, sagt Königsrainer.<BR /><BR />Dann gäbe es auch noch die Motorradfahrer, die die Timmelsjoch-Saisonskarte haben, und abends nach der Arbeit nach 17 Uhr, – meist Österreicher – noch schnell über beide Pässe brettern, „um die Nerven zu beruhigen und die Zeit messen, die sie dafür brauchen“, erzählt der Tourismusvereinspräsident. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="912910_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Er habe nichts gegen Sportwagen-Fahrer sagt <b>Ulrich Königsrainer</b> (im Bild), aber „wenn ganz Südtirol unter Overtourism stöhnt, dann sollten wir uns alle fragen, welche Art von Tourismus wir wollen. Wenn Südtirol und mit ihr die Landesregierung nicht aufpasst, fliegt uns das noch um die Ohren. Gäste haben jetzt schon Angst bei der An- und Abreise. Auch die Einheimischen wollen nicht mehr“, warnt Königsrainer. Der Lärm von Motorrädern und Sportwagen gehe „durch Mark und Bein“ und nehme die Lebensqualität.<BR /><BR />Man müsse sich fragen, ob man diese Gäste überhaupt wolle, die die Pässe nur für eine Spaßfahrt nutzen und ökonomisch kaum bis gar nichts bringen. Die Landesregierung müsse endlich aktiv werden und nicht nur Studien machen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="912913_image" /></div> <BR />Ein Ansatz in Königsrainers Augen wäre beispielsweise ein Südtirol-Pickerle für rund 100 Euro, damit man die Passstraßen befahren dürfe. „Denn dasselbe Problem gibt es auch längs der anderen Passstraßen. Der Tourismus soll Richtung Nachhaltigkeit gehen, aber wir werden vom Lärm terrorisiert. Das Thema muss Chefsache in der Landesregierung werden“, fordert Königsrainer.<BR /><BR /><embed id="dtext86-60204362_quote" /><BR /><BR />Seit 3 Wochen hat St. Leonhard Kameras, die den Verkehr genau überwachen. Bürgermeister Tschöll geht davon aus, dass in den 3 Monaten Hauptverkehrszeit allein über den Jaufen 320.000 Fahrzeuge fahren. Tschöll wäre für eine Bemautung des Jaufenpasses plus Kontingentierung. „Einheimische, die zur Arbeit müssen ausgenommen. Die Maut sozusagen als Ausgleichszahlung für die Lärmbelästigung. Geld das in die Straßensicherheit, öffentlichen Nahverkehr oder Renaturierung investiert werden könnte“, sagt Tschöll. Er dankt dem Landesstraßendienst, der in den letzten 10, 15 Jahren auf der Jaufenstraße sehr gute Arbeit geleistet habe. Die Kehrseite der Medaille: Eine gute Straße lockt umso mehr Supersportwagen an, fügt er hinzu.