Mit einer Höhe von 172,5 Metern ist der Christusturm der Sagrada Família der höchste Kirchturm der Welt: Papst Leo XIV. hat ihn kürzlich im Rahmen seiner Spanien-Reise eingeweiht (wir haben berichtet). Und mittendrin: sechs Sängerinnen des Kirchenchors St. Leonhard in Passeier. „Es war ein unvergessliches Erlebnis“, sagt Obfrau Ulrike Moosmair. „Eine Gelegenheit, die wohl nie wieder kommen wird.“ <BR />„Eingefädelt“ hatte das ganze der katalanische Dirigent Daniel Mestre, der mit der Sopranistin Ulrike Haller aus St. Leonhard i. P. verheiratet ist. Mestre hat bereits mehrere Projekte gemeinsam mit dem Kirchenchor umgesetzt, so auch am Neujahrstag 2026. „Da erzählte er uns, dass er mit seinem Chor beim Festakt in der Sagrada Família am 10. Juni dabei sein wird, und machte uns das Angebot mitzusingen“, blickt Moosmair zurück. <h3> Werke auf Katalanisch</h3>Zweimal trafen sich dann die sechs Sängerinnen, um sich auf den Festakt in der weltbekannten Basilika vorzubereiten. Um die 18 Werke mussten geprobt werden, gesungen wurde vorwiegend auf Katalanisch, einiges auch auf Latein. „Es war nicht einfach, aber Daniel Mestre hat uns Audionachrichten geschickt, wie wir die Worte richtig auf Katalanisch aussprechen“, berichtet Chorleiterin Friederike Ladurner. Manche Lieder waren den Sängerinnen bereits vertraut – wenn auch nicht in der Sprache, so in der Melodie. Große Sorgen machten sie sich nicht. „Bei 600 Sängern hört man die einzelnen Stimmen kaum heraus“, schmunzelt Ladurner.<BR /><BR />Am 8. Juni war es soweit: Mit einer langen Liste im Gepäck reiste die Gruppe nach Spanien. Gar einiges sollte sie bei ihrem Auftritt in der Sagrada Família beachten: Registrierung des Personalausweises, schwarze Kleidung – ohne abgebildete Muster und Logos, kleine schwarze Tasche, dezente Schminke, kaum Schmuck. <h3> Die Spannung war groß</h3>Noch am Anreisetag fand die Generalprobe statt: Wie Stunden davor am Flughafen mussten die sechs Frauen zunächst durch eine umfangreiche Sicherheitskontrolle. Dann ging es eine rund 30 Meter hohe Wendeltreppe hoch – in den Chorraum. Er bietet Platz für etwa 1.000 Sänger. Diesen besonderen Gottesdienst begleiteten 600 – junge und ältere, vom Kind bis zum Pensionisten. „Die Generalprobe dauerte von 16.30 Uhr <BR />bis 23 Uhr“, erzählt Moosmair. Über Bildschirme konnten sie den Anordnungen des Dirigenten folgen. „Wir haben auch viel gewartet, sangen zunächst drinnen, dann vor der Basilika. Es musste wirklich perfekt sein“, so Moosmair. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1328712_image" /></div> <BR />Am nächsten Tag standen Erholung und Besichtigung der Stadt auf dem Programm. Am Mittwoch war es soweit: Gegen 16.30 Uhr machten sich die Passeirerinnen erneut auf dem Weg zur Sagrada Familia. „Alles war abgesperrt – selbst die Fahrzeuge, die am Vortag noch dort gestanden hatten, waren entfernt worden“, erinnert sich Ladurner. Sie mussten sich förmlich einen Weg zur Kathedrale bahnen – so viele Sicherheitssperren gab es. <BR /><BR />Endlich zurück am Platz im Chorraum wurde wieder geprobt, gewartet, fotografiert und auch gegessen. Denn in der Basilika war den Sängerinnen erlaubt worden, ein Brot mitzunehmen. Dann kamen Männer in Schwarz und sahen die Mappen einiger Sänger durch, um nach katalanischen Fahnen zu suchen. „Man sagte uns, das wäre die Geheimpolizei, aber so auffällig wie sie kontrollierten, waren sie alles andere als geheim“, berichtet Ladurner. Um 20 Uhr begann der Gottesdienst. Den Papst sahen die Passeirerinnen nur kurz den Gang entlangschreiten – und dann auf dem Bildschirm. Der Gottesdienst dauerte 1,5 Stunden – doch die Zeit verging wie im Flug. Denn es war ein unvergessliches Erlebnis, die Messe zusammen mit 600 Sängern mitzugestalten und den Worten des Papstes zu lauschen.<h3> Eklat beim Abschluss</h3>Beim Abschluss des Festaktes vor der Basilika sollten die 600 Sänger dem Papst ganz nahe kommen. Jeder hatte eine eigene Laterne erhalten, die während des Abschlusses des Festaktes vor der Kirche automatisch entzündet werden sollte. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1328715_image" /></div> Geplant war, dass sich alle 600 Sänger vor der Kirche auf den Treppen aufstellen und das speziell für diesen Anlass komponierte Werk „ Torre de Jesús“ singen. Doch manchmal kommt alles anders. Denn spanische Polizisten hatten einige katalanische Fahnen in den Mappen gefunden und beorderten den Chor nach draußen. „Zunächst haben wir gar nicht richtig verstanden, was geschah. Nach dem letzten Lied wurden wir nach unten begleitet und auf die Straße geführt“, sagt Ladurner. <BR /><BR />Einige Zeit stand man dort, manche katalanische Sängerinnen begannen zu auch weinen; man merkte, dass sie sehr gekränkt und verletzt waren. Irgendwann konnten die Passeirerinnen das Gelände verlassen. „Als Sänger erlebt man viel“, sind sich Moosmair und Ladurner einig. Manches ist gar unvergesslich.