Montag, 07. März 2016

Patienten-Limit: Wo Hausarzt gewechselt werden muss

In Südtirol gibt es 282 aktive Hausärzte. 60 davon betreuen mehr als 2000 Patienten. Doch laut staatlichem Limit dürfen es nicht mehr als 1575 sein. Das Land hat nun eine Lösung präsentiert, die jedoch nicht zu Gunsten aller ausfällt. Patienten in fünf Zonen müssen Arzt wechseln. Landesrätin Stocker und ihre Mitstreiter stellten die Marschroute in Sachen Territoriumsbetreuung am Montag der Öffentlichkeit vor.

Gesundheitslandesrätin Martha Stocker erklärte die neue Hausarztregelung
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Gesundheitslandesrätin Martha Stocker erklärte die neue Hausarztregelung - Foto: © STOL

Zur Vorgeschichte: Die FIMMG (Federazione dei Medici di Medicina Generale) hatte den Landeskollektivvertrag der Hausärzte angefochten und dadurch die Anwendung des gesamtstaatlichen Kollektivvertrages durchgesetzt.

Patientenlimit von 1575 gilt auch für Südtirol (STOL hat berichtet)

Dieser sieht unter anderem eine Reduzierung der Patientenanzahl von 2000 auf 1500 Patienten (plus 5 Prozent Familienangehörige) pro Hausarzt vor. „In Bezug auf die Patientenzahl haben wir die maximalen Spielräume genutzt: Diese Beschränkung gilt daher nur dort, wo es genügend Allgemeinärzte gibt“, sagte Stocker bereits im August 2015 bei einem Treffen mit Vertretern der Hausärzte (STOL hat berichtet).

Wo zu wenig Ärzte sind, dürfen sie mehr Patienten haben 

Dabei ist es auch geblieben. Und das heißt im Klartext: "In jenen Einzugsgebieten, wo zu wenige Hausärzte eine Praxis haben, kann jeder Arzt alle seine Patienten auch in nächster Zukunft betreuen und bekommt dafür bezahlt", unterstrich Stocker am Montag auf der Medienkonferenz.

Das trifft derzeit auf insgesamt 26 von 31 Einzugsgebiete im Land zu.

In welchen Gebieten Wechsel anstehen

Anders sieht es dort aus, wo genügend Ärzte wären, die Patienten aber unverhältnismäßig verteilt sind: Es sind dies Welschnofen/Deutschofen, Auer/Aldein/Altrei/Truden, Sarntal, Tramin/Kurtatsch/Magreid/Kurtinig und Mölten/Jensien.

In diesen fünf Gebieten kommt die neue maximale Patientenhöchstgrenze zum Tragen, sodass die Ärzte zwar ihre Patienten theoretisch weiterbehandeln dürfen, jedoch für jene Patienten über der Grenze von 1575 nicht mehr vergütet werden dürfen. 

Wechseln Freiwillige oder ein ganzer Ortsteil?

Dort wird nun aktuell nach einer Lösung gesucht, damit Patienten von ihrem bisherigen Hausarzt mit zu vielen Patienten zu einem neuen, jungen Arzt wechseln. Es sind mehrere Vorgehensweisen möglich, die gemeinsam mit den betroffenen Hausärzten und den Gemeindeverwaltungen vereinbart werden - dazu gehören Freiwilligkeit ebenso wie der mögliche Wechsel eines ganzen Ortsteils (siehe Video mit Landesrätin Stocker). "…was letztendlich auch dahin führen soll, dass junge Ärzte mit einer genügenden Anzahl an Patienten eine Chance für den Aufbau der eigenen beruflichen Zukunft haben", betonte Landesrätin Stocker. 

"Jungen Ärzten eine Chance geben"

"Wir wollen einerseits nicht, dass Ärzte für ihre Tätigkeit nicht bezahlt werden, andererseits gilt es gerade in der Peripherie Jungärzte zu stärken", appellierte CISL-Medici-Gewerkschafter und Hausarzt Eugen Sleiter für einen Wechsel im Sinne der Jungärzte.  

Abteilungsdirektor für Leistungen und Territorium des Sanitätsbetriebes Martin Matscher schlägt in dieselbe Kerbe: "Geben wir mit unserer Wahl den jungen Ärzten, die gut ausgebildet und sehr motiviert sind, eine Chance für ihren Start."

Zum Ärztemangel: Alte Ärzte gehen - Jungärzte kommen nach

In Zusammenhang mit den Allgemeinmedizinern fällt auch der Begriff des Ärztemangels immer wieder: Derzeit sind in Südtirol 282 Hausarztstellen besetzt. 56 Ärzte können in den nächsten Jahren in Pension gehen. Rechnet man die im staatlichen Kollektivvertrag vorgeschriebene Zahl von 1300 Patienten pro Arzt, können in Südtirol aktuell 64 Stellen besetzt werden, bei 1500 Patienten sind es etwa 50 Stellen. Aktuell sind bis 2018 insgesamt 45 junge Ärzte in Ausbildung. 
"Wir sind auf einem guten Weg", erklärte Landesrätin Stocker dazu. 

stol/lpa/ker

stol