Montag, 14. Januar 2019

Patronate bitten nun zur Kasse

Zehntausende Bürger nehmen jedes Jahr die Dienste der Südtiroler Patronate in Anspruch: Für vieles, was bisher gratis war, muss nun aber Geld hingeblättert werden. Die Patronate brauchen diese Einnahmen, weil der Staat ihnen die Beiträge stark gekürzt hat. Doch nicht alle Patronate ziehen da mit. „Bei uns sind alle Dienste und Gesuche nach wie vor gratis, egal, ob jemand Mitglied ist oder nicht“, sagt ASGB-Chef Tony Tschenett.

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Foto: © shutterstock

Kassiert wird nun beispielsweise bei Ansuchen um Elternzeit (fakultative und obligatorische Mutterschaft), Ansuchen um Arbeitslosengeld oder bei Anträgen um den Nachkauf von Studienzeiten (Universitätsjahre).

Ein Beispiel: Für ein Ansuchen um Vaterschafts-Urlaub am Arbeitsplatz musste man bis vor Kurzem nichts bezahlen. Das Patronat ACLI des Katholischen Verbandes der Werktätigen (KVW) verlangt von Nicht-Mitgliedern nun einen Höchstbeitrag von 24 Euro für die in Anspruch genommene Leistung: das Erstellen des Online-Ansuchens.

Für 24 Euro kann man 4 solche Urlaube beantragen, wenn man dies auf einmal macht, teilt Elisabeth Scherlin, Landesdirektorin des Patronats ACLI/KVW auf Anfrage mit. Als Mitglied zahle man etwas weniger – 20 Euro – für dieses Ansuchen. Wer weniger als die Mindestrente im Jahr verdiene (weniger als 6000 Euro), von dem werden nur 12 Euro verlangt.

Diese neuen Einnahmen schlagen beim ACLI ordentlich zu Buche – mit sechsstelligen Zahlen im Jahr. „Wir stellen im Jahr durchschnittlich 6000 Anträge um Arbeitslosengeld“, sagt Scherlin. „Wir sind das größte Patronat im Lande – mit 8 Büros.“ Aufgrund dieser neuen Einnahmen habe man wieder Personal aufnehmen können, berichtet Scherlin. Vorher habe man hingegen Personal kürzen müssen, weil die öffentliche Finanzierung stark reduziert worden sei.

SBB: Für einige Dienste künftig Geld verlangen, um sie steuern zu können

Beim Patronat des Bauernbundes (ENAPA), das für alle Bürger offen ist und nicht nur für Bauern-Familien, wird derzeit hingegen noch nichts verlangt. Und das wird für 2019 auch so bleiben – davon geht Josef Haller, Mitglied der Bauerbund-Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates des gesamtstaatlichen Patronates aus. Aber: Voraussichtlich heuer wird das gesamtstaatliche Patronat, dem auch die ENAPA in Südtirol angeschlossen ist, eine Konvention auf gesamtstaatlicher Ebene mit dem Arbeitsministerium abschließen. Damit wird die Basis gelegt, um für bestimmte Leistungen kassieren zu dürfen. Danach ist der Bauernbund aber immer noch frei, zu entscheiden, ob er es tut oder nicht. SBB-Direktor Siegfried Rinner meint, dass künftig wohl zumindest für einige Leistungen dann Geld verlangt werde, die bisher gratis angeboten werden – „um die Dienste steuern zu können“. Denn: „Unsere Kapazitäten sind nicht grenzenlos. In einigen Patronaten haben wir bereits Personal aufgestockt und irgendwann muss man sich die Rechnung machen, ob sich dies rentiert“, so Rinner.

Solche Konventionen, die es ermöglichen, Geld für bestimmte Dienste zu verlangen, haben neben dem ACLI/KVW bisher auch Patronate wie INCA/CGIL und INAS/CISL mit dem Arbeitsministerium abgeschlossen, ebenso ANMIL, ITAL und INAPA. Keine solche Konvention hat bisher der Soziale Beratungsring (SBR) des ASGB unterschrieben. „Wir haben nicht mitgemacht, weil das Ganze sehr aufwändig ist – und ob es viel bringt, ist eine andere Frage“, sagt Tony Tschenett. „Als Patronat muss man eine Gesellschaft gründen und Rechnungen ausstellen. So lange es nicht ein Muss ist, tun wir da nichts“, verspricht Tschenett.

D/hof

stol