Donnerstag, 22. April 2021

Paukenschlag im Fall Ladurner: Höchstgericht kippt Freispruch

Interpol ist es gelungen, die „Kronzeugin“ Olga Barisheva aufzuspüren. Ob persönlich oder mittels Rechtshilfeersuchen, wird sie nun wohl doch noch angehört werden. Das Kassationsgericht hat nämlich den Freispruch von Thomas Ladurner gekippt, das Verfahren muss am Oberlandesgericht Trient neu aufgerollt werden.

Nach seinem bestätigten Freispruch  hatte Rechtsanwalt Thomas Ladurner  allen Grund zum Strahlen. Doch das Kassationsgericht hat  die Weichen neu gestellt, das  letzte Wort in dem Fall ist noch nicht gesprochen.
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Nach seinem bestätigten Freispruch hatte Rechtsanwalt Thomas Ladurner allen Grund zum Strahlen. Doch das Kassationsgericht hat die Weichen neu gestellt, das letzte Wort in dem Fall ist noch nicht gesprochen. - Foto: © Archiv
Im Oktober 2020 schien es noch, als sei das Strafverfahren für Rechtsanwalt Thomas Ladurner ausgestanden. Das Oberlandesgericht hatte seinen Freispruch aus erster Instanz bestätigt. Wie berichtet, hatte Olga Barisheva die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Die „Kronzeugin“ der Anklage hatte Ladurner beschuldigt, eine 92-Jährige in seiner Eigenschaft als ihr Sachwalter übervorteilt zu haben. Die Rentnerin war von Barisheva gepflegt worden und hatte ihr 400.000 Euro vermacht.

Barisheva behauptete, Ladurner habe über sie an das Geld kommen wollen. Im Zeugenstand verstrickte sich die Pflegerin aber gleich mehrfach in Widersprüche. Ladurner wurde voll freigesprochen, gegen die „Kronzeugin“ behängt am Landesgericht ein Verfahren wegen mutmaßlich falscher Anschuldigungen.

Die Staatsanwaltschaft blieb aber überzeugt, dass die Frau glaubwürdig sei und zitierte sie auch in zweiter Instanz in den Zeugenstand. Allerdings: Barisheva hatte unterdessen das Land verlassen und schien unauffindbar. Mehrfach hatte das Oberlandesgericht das Verfahren vertagt, um Interpol Zeit zu geben, Barisheva aufzuspüren. Doch schließlich befand das Gericht, dass die Frau unauffindbar sei, Ladurners Freispruch blieb aufrecht. Dagegen hatte die stellvertretende Generalanwältin am Oberlandesgericht in Bozen, Donatella Marchesini, Kassationsbeschwerde eingelegt.

Sie beharrte darauf, dass man weiter nach Barisheva hätte suchen sollen. Aufgrund des sogenannten Orlando-Gesetzes vom Mai 2017 muss nämlich die Beweisaufnahme mit Zeugenanhörung im Berufungsverfahren wieder aufgenommen werden, wenn der Rekurs gegen einen Freispruch – wie in diesem Fall – von der Staatsanwaltschaft ausgegangen ist.

Wie es der Zufall wollte, war außerdem knapp eine Woche nach Ladurners Freispruch von Interpol die Nachricht eingetrudelt, dass Olga Barisheva doch noch aufgespürt werden konnte – in ihrem Heimatland, der Ukraine, wo sie inzwischen unter einem anderen Namen leben soll. Damit ist den Ermittlern auch ihre aktuelle Adresse bekannt, und sie könnte als Zeugin vorgeladen werden.

Das Kassationsgericht gab der Beschwerde der Generalanwaltschaft statt, kippte Ladurners Freispruch und verfügte, dass das Verfahren vor dem Oberlandesgericht in Trient neu aufgerollt werden muss. Die meisten Vorhaltungen gegen Ladurner sind allerdings bereits verjährt bzw. stehen kurz davor.

Olga Barisheva kann übrigens nicht gezwungen werden, persönlich vor Gericht auszusagen, ihre Anhörung durch ukrainische Behörden mittels Rechtshilfeersuchen wäre aber eine Option. Nach Italien zurückzukehren, könnte für die Pflegerin möglicherweise sogar problematisch werden: Wie berichtet, hatte sie sich während ihrer Zeit in Südtirol gleich 3 Haftstrafen eingehandelt, die inzwischen alle rechtskräftig sind. Dies könnte zur Folge haben, dass Barisheva – sollte sie italienischen Boden betreten – durchaus mit einem Vollstreckungs- bzw. Haftbefehl rechnen müsste.

rc

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