Zunächst wusste niemand, ob sich Tommaso Cortellessa (Alleanza per Merano) nur aus seiner Partei vertschüsst oder aber aus dem Gemeinderat. „Nein, ich behalte mein Ratsmandat und werde mich keiner anderen Partei anschließen. Ich bin kein Wendehals“, sagte Tommaso Cortellessa gestern auf Nachfrage.<BR /><BR />Cortellessa, Jahrgang 1981 und gebürtig aus der kampanischen Provinz Caserta, hatte bereits zu Beginn der Amtsperiode für Schlagzeilen gesorgt. Denn der Heeresangehörige hatte sich bei der Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung deutsch erklärt und so der deutschen Sprachgruppe, sprich der SVP, einen vierten Stadtrat beschert. Zur Erinnerung: Von den 36 gewählten Meraner Gemeinderäten hatten sich 19 deutsch erklärt und 17 italienisch. Dies hatte zur Folge, dass ein siebenköpfiger Stadtrat mit vier deutschen Stadträten gebildet werden musste.<BR /><BR />Nun trennen sich die Wege. „Es ist eine Entscheidung, die langsam gereift ist. Der derzeitige politische Kurs entspricht nicht meinen Vorstellungen. Ich teile Ausrichtung und Arbeitsweise nicht“, sagte gestern Cortellessa zu seinem Ausscheiden aus der Mehrheit. Es gebe keine besonderen Vorkommnisse, die ihn zu dieser Entscheidung geführt hätten. „Es sind die programmatischen Leitlinien, die ich nicht teile. Ich möchte, dass Geld in die kaputten Straßen investiert wird“, so Cortellessa. Detail am Rande: Mit einer neuen Rockarena konnte er sich nicht anfreunden. „Nun bin ich frei, nach meinem Kopf abzustimmen. Wenn mir etwas der Mehrheit passt, stimme ich dafür und sonst dagegen“, sagt er. Es habe kein Zerwürfnis mit Parteichef und Vizebürgermeister Nerio Zaccaria gegeben. Aber Cortellessa hätte wohl lieber mehr zu sagen gehabt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1378557_image" /></div> <BR /><BR />Für Vizebürgermeister und Alleanza-per-Merano-Chef <b>Nerio Zaccaria</b> (Bild) kommt Cortellessas Abgang „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“. „Es tut mir leid, dass Cortellessa Alleanza verlässt. Es ist der erste Austritt eines Gemeinderates in den 16 Jahren des Bestehens der Partei. Wir verlieren eine Person, die sehr kritisch ist, aber auch tüchtig. Ich wünsche ihm alles Gute. Vielleicht führen die Wege auch wieder zueinander, wenn sich diese Unzufriedenheit wieder legt. Ich sehe es als meine politische Aufgabe, die italienische Gemeinschaft zusammenzuhalten. Denn es besteht die Notwendigkeit, zusammenzuhalten“, so Zaccaria. Und dass nun die Mehrheit von 20 auf 19 Mandatare schrumpft – bei 17 Oppositionsräten? „Natürlich müssen wir bei den Ratssitzungen sehr gewissenhaft anwesend sein, aber es war auch in den letzten Monaten so, dass Leute der Opposition mit der Mehrheit gestimmt haben“, so Zaccaria.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1378560_image" /></div> <BR /><BR />„Mir tut es logisch leid, denn wenn man ein gemeinsames Projekt startet, sollte man es auch zu Ende führen. Auf der anderen Seite ist es in diesem Fall aber schwierig gewesen, weil immer wieder Forderungen im Interesse Einzelner gestellt wurden und wir uns aber um die ganze Stadt kümmern müssen. Unsere Linie ist klar: Wir müssen auf die gesamte Stadt schauen“, sagt Bürgermeisterin <b>Katharina Zeller</b> (Bild). Und die knapper werdende Mehrheit? „Natürlich ist sie knapp, aber wir bleiben im Dialog mit allen anderen politischen Kräften wie bereits bisher praktiziert“, so Zeller.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1378563_image" /></div> <BR />„Dieser Abgang hat sich abgezeichnet. Das wurde bei Abstimmungen in den Kommissionen immer wieder sichtbar. Er stand der Mehrheit immer wieder kritisch gegenüber. Das ist aufgefallen. Insofern ist das für mich keine Überraschung“, sagt indessen SVP-Sprecher <b>Reinhard Bauer</b>.<BR /><BR />Gemunkelt wird zudem, dass dieser Austritt aus der Mehrheit nicht der letzte sein könnte. Aber keiner will den Teufel an die Wand malen.