„Ich bin ein Bergmensch – im Tal könnte ich nicht mehr arbeiten“, sagt der 61-Jährige. Obwohl viele aufgrund der abgelegenen Lage kaum Potenzial im „Pawigler Wirt“ sehen, ließ er sich davon nicht abschrecken und übernahm die Pacht für sechs Jahre. „Außerdem will ich mein eigener Chef sein. Ich bin es leid, immer für andere zu arbeiten“, sagt Bagamoro, der viele Jahre im Gastgewerbe angestellt war, aber auch bereits Erfahrung als Selbstständiger gesammelt hat.<BR /><BR />In der Küche ist er ein Quereinsteiger. „Ich bin kein gelernter Koch. 2005 habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht“, erzählt er. Kulinarisch setzt er auf Tiroler Küche mit mediterranem Einfluss. „Und im sonntäglichen Grillen liegt großes Potenzial – der Grill steht schon bereit“, sagt der 61-Jährige. Chancen sieht Bagamoro nicht nur in der Gastronomie selbst, sondern auch in der Kegelbahn und in der Zimmervermietung des Gasthauses. „Vom 21. Dezember bis 6. Jänner bin ich schon ausgebucht“, freut er sich. Eng möchte er mit dem Tourismusverein zusammenarbeiten, um Pawigl als Ziel für E-Biker zu positionieren. „Wir haben hier eine Ladestation – und die frische Luft ist sowieso unbezahlbar“, meint er. <BR /><BR />Großen Wert legt der neue Pächter auf Regionalität. „Wenn es finanziell möglich ist, werde ich Produkte direkt vor Ort einkaufen – etwa Fleisch von den Bauern. Das habe ich schon früher bei meiner Arbeit am Ritten so gemacht“, ergänzt Bagamoro. „Null-Kilometer-Produkte wären ideal.“ Pizza wird es im „Pawigler Wirt“ hingegen nicht geben – obwohl er auch das Pizzabacken beherrscht. „Pizzerien gibt es eh schon genug“, betont der Wirt. <BR /><BR />Unterstützung erhält der neue Pächter vom Land: Um die Förderung für Dorfgasthäuser – 13.000 Euro jährlich, im ersten Jahr sogar 30.000 Euro – hat er bereits angesucht. „Das ist eine wichtige Hilfe, weil es auch ruhigere Zeiten geben wird“, erklärt der 61-Jährige. Bagamoro möchte aber über „sein“ Gasthaus hinausdenken, das Dorfleben stärken und nach Möglichkeit Veranstaltungen organisieren. „Ein Beispiel: Wenn es irgendwie möglich ist, werden im Advent der Nikolaus und die Krampusse nach Pawigl kommen“, kündigt er an. <BR /><BR />Besonders am Herzen liegt ihm die traditionelle Wirtshauskultur – und damit auch das Kartenspielen. „Im Tal kann man fast nirgends mehr gemütlich Karten spielen, vieles ist nur mehr auf die Urlauber ausgerichtet“, sagt er. „Und das ist nicht in meinem Sinn, denn bei mir stehen die Einheimischen an erster Stelle.“<BR /><BR />Der „Pawigler Wirt“ solle eben mehr sein als nur ein Gasthaus. „Das Dorfleben ist mir wichtig“, sagt er. Die vergleichsweise niedrige Pacht von rund 760 Euro, die die Gemeinde kassiere, werde ihm „das Dorf zahlen“, wenn es gelinge, die Pawigler ins Wirtshaus zu bringen. „Und daran zweifle ich nicht“, sagt er.<BR /><BR />Einen Dank richtet Bagamoro an seinen Mitstreiter Peter Kršjak, der mit ihm das Kernteam bildet. Unterstützung erhält der 61-Jährige auch von seiner Schwester Ingrid. „Und Aushilfen finde ich hier in Pawigl“, sagt der Wirt voller Zuversicht.