Donnerstag, 25. Januar 2018

Pendlerzug in Mailand entgleist: 3 Tote, viele Verletzte

Dutzende Pendler sind im Regionalzug Trenord 10452 von Cremona nach Mailand unterwegs, als mehrere Waggons entgleisen. Bei dem Unglück am frühen Morgen sterben mehrere Menschen.

Zahlreiche Rettungskräfte sind vor Ort.
Zahlreiche Rettungskräfte sind vor Ort. - Foto: © APA/AFP

Bei einem Bahnunglück in der Nähe der italienischen Großstadt Mailand sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Eine Sprecherin des regionalen Gesundheitsministers Giulio Gallera bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Zahl von drei Toten. Zudem seien etwa 100 Menschen verletzt worden. Die Nachrichtenagentur Ansa hatte unter Berufung auf Rettungskräfte zuvor vier Tote gemeldet, dies wurde bislang nicht offiziell bestätigt.

Ein Zug der Bahngesellschaft Trenord war bei der Ortschaft Seggiano di Pioltello östlich von Mailand entgleist, wie das Unternehmen bestätigte. Der Pendlerzug mit der Nummer 10452 war um 05.30 Uhr in Cremona abgefahren und in Richtung Mailand unterwegs. Das Unglück ereignete sich kurz vor 07.00 Uhr morgens. 

„Es war Pendlerzeit, der Zug war voll“, sagte Chiara Abrosio von der Polizei in Mailand dem Sender SkyTG24. Die Unglücksstelle sei schwer zugänglich, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. 

3 Waggons entgleisen 

Nach ersten Erkenntnissen entgleisten drei Waggons. Bei einem der Waggons waren einige Räder etwa zwei Kilometer lang nicht auf den Schienen, schrieb Ansa unter Berufung auf die für die Gleisanlagen zuständige Bahngesellschaft Rete Ferroviaria Italiana (RFI). Einer der drei Waggons kollidierte dann dem Bericht zufolge mit einem Strommasten, woraufhin der Zug entgleist sei. RFI-Sprecher Vincenzo Macello sprach von einem „Strukturversagen des Bahngleises“. Es sei noch zu früh, um genau zu sagen, was passiert sei, betonte er.

Auf in italienischen Medien veröffentlichten Fotos waren Fahrgäste zu sehen, die vor Ort von Helfern versorgt wurden. Zwei Waggons waren in einem 90-Grad-Winkel verkeilt. Dutzende Feuerwehrleute waren im Einsatz, Verletzte wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.

Bilder der Polizei zeigen das tragische Unglück. - Foto: LaPresse

„Plötzlich hat der Zug zu zittern begonnen. Wir haben einen Lärm gehört und die Waggons sind entgleist“, berichtete ein Passagier. Feuerwehrmannschaften arbeiteten stundenlang, um Fahrgäste aus den Trümmern zu befreien. Der Pendlerzug war voll besetzt. Das Unglück ereignete sich auf einer der meistbefahrenen Strecken des lombardischen Bahnnetzes, auf der 500 Züge am Tag rollen.

Auch der Hubschrauber musste verletzte in Krankenhaus bringen. - Foto: LaPresse

Die Rettungskräfte benötigten drei Stunden, um Tote und Verletzte aus den Trümmern der zerstörten Waggons zu bergen, so Ansa. Die Toten waren allesamt Frauen, sagte der Präsident des Regionalparlaments, Raffaele Lombardo, nach einem Besuch des Unglücksorts.

Zu der Zahl der Verletzten gab es zunächst unterschiedliche Angaben. Etwa 80 Menschen wurden leicht verletzt, so das regionale Gesundheitsministerium. Der Zustand von sieben weiteren sei kritisch, zehn seien schwer verletzt. Ein Sprecher der Feuerwehr sprach in italienischen Medien von 100 Leicht- und 13 Schwerverletzten.

350 Fahrgäste an Bord 

Der Zug bestand RFI zufolge aus vier Waggons, nicht sechs wie zunächst berichtet. An Bord waren etwa 350 Fahrgäste. „Es war Pendlerzeit, der Zug war voll“, sagte Chiara Abrosio von der Polizei in Mailand dem Sender SkyTG24. Die Unglücksstelle sei schwer zugänglich, berichtete Ansa.

Der Zugverkehr auf der Lokalstrecke wurde unterbrochen, wie RFI mitteilte. Alle in der Region verfügbaren Rettungskräfte sowie Polizisten und Rettungshubschrauber wurden zum Unglücksort gerufen. Ermittler befragten den Lokführer und leiteten eine Untersuchung des Vorfalls ein.

In einer ersten politischen Reaktion forderte der Bürgermeister von Mailand, Giuseppe Sala, zusätzliches Geld für die Bahnsicherheit. Die Regierung in Rom müsse mehr in Infrastruktur investieren, sagte Sala. Es gebe zu große Unterschiede zwischen der Infrastruktur für Hochgeschwindigkeitszüge und dem Regionalverkehr. Erst im Juli 2016 waren bei einer Kollision zweier Züge in der Nähe der Stadt Bari 23 Menschen gestorben.

apa/stol

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