In regelmäßigen Abständen kocht das Thema der Pflanzenschutzmittel in Südtirol hoch. Nun sorgt neuerdings die Auswertung von Grasproben für Diskussionen, denn darin wurden verschiedene Rückstände von Pestiziden gefunden. Für die einen ein großes Problem, für andere hingegen weniger...<BR /><BR /> Die Umweltschutzorganisation PAN Europe verweist in einer Aussendung auf erneute Auswertungen von Grasproben im Oberen Vinschgau. Diese hätten wieder Rückstände von Pflanzenschutzmitteln bzw. Pestiziden ergeben. Bereits in der Vergangenheit waren Proben gezogen und Rückstände gefunden worden. <BR /><BR />„Im Juni 2024 wurden im Obervinschgau in Privatgärten und in der Nähe von Ackerflächen Grasproben gezogen und auf Pestizidrückstände untersucht“, wird in der Aussendung erklärt, die auch im Namen der Initiative des Malser Weges erfolgte. „Bereits seit mehr als 10 Jahren werden in regelmäßigen Abständen Untersuchungen zur Pestizidbelastung im Vinschgau durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht“, wird weiters erklärt. „In der letzten Publikation konnten Pestizidrückstände bis in eine Höhe von über 2300 Metern nachgewiesen werden“.<h3> Zusammenarbeit mit Universität</h3>Die diesjährige Untersuchung sei in Zusammenarbeit mit Prof. Carsten Brühl von der Rheinland-pfälzischen Technischen Universität (RPTU) durchgeführt worden. In den 5 Proben, diese seien in der Nähe von landwirtschaftlichen Anbauflächen entnommen worden bzw. stammten aus Privatgärten, seien 14 verschiedene synthetisch-chemische Pestizid-Wirkstoffe in geringen Konzentrationen nachgewiesen worden. „Im Durchschnitt wurden 8 verschiedene Wirkstoffe pro Probe gefunden. Obwohl die gefundenen Konzentrationen teilweise sehr gering waren, stehen die Wirkstoffe im Verdacht, die Fortpflanzung zu gefährden. Bei 3 der gefundenen Wirkstoffe besteht der Verdacht, dass sie krebserregend sein könnten“.<h3> <h3> „Chronische Mischungsbelastung“ </h3> </h3>Carsten Brühl sieht in den Ergebnissen eine Bestätigung der vorliegenden Erkenntnisse: „Wie schon in unserer Untersuchung von 2022 sehen wir eine Verteilung von Fungiziden aus dem Apfelanbau bis ins obere Vinschgau. 4 Fungizide fanden sich an allen Probestellen, diesmal aber auch das Insektizid Pirimicarb. Obwohl in einem anderen Jahr und zu einem späteren Zeitpunkt beprobt wurde, sind die Ergebnisse vergleichbar, mit einer Hintergrundbelastung von 5-10 Wirkstoffen. Daraus wird eine chronische Mischungsbelastung deutlich, die sich auch in den letzten beiden Jahren nicht verändert hat“.<h3> Bevölkerung nicht ausreichend geschützt</h3>PAN Europe-Vertreter Koen Hertoge sagt, dass die Bevölkerung nach wie vor nicht ausreichend vor Pestiziden geschützt sei. „Wir fordern die Landesregierung auf, das Thema endlich ernst zu nehmen. Die Gesundheit der Bevölkerung muss Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben“, fordert Hertoge.<h3> Kein Grund zur Sorge und „kein Kommentar“</h3>Aus dem Hause von Gesundheitslandesrat Hubert Messner heißt es, dass das Ressort mit dem Sanitätsbetrieb für den Gesundheitsschutz im Zusammenhang mit der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln zuständig sei. Man nehme das sehr ernst und führe auch Studien und periodische Überprüfungen durch. <BR />Damit soll sichergestellt werden, „dass die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte von Rückständen von Pflanzenschutzmitteln, die eine Gesundheitsgefährdung mit sich bringen würden, nicht annähernd erreicht oder gar überschritten werden“. Das reine Finden von Rückständen allein bedeute aber keineswegs automatisch eine Gesundheitsgefährdung, sondern es gehe dabei immer um die Konzentration bzw. Dosis, weiters um die Methoden der Entnahme und Messung. Da die gefundenen Rückstände gering seien, gebe es keinen Anlass für zusätzliche Sorge oder Aktivitäten. Was weitere wissenschaftliche Diskussionen inhaltlicher Natur betreffe, sei im übrigen das Ressort Umweltschutz zuständig. <BR />Kurz angebunden zeigt sich ein Landesregierungskollege von Messner. Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher will zu der Aussendung von PAN Europe/Malser Weg überhaupt keine Stellungnahme abgeben, wie sein Büro mitteilte.