Der V.I.T.A.-Fragebogen ist ein zeitbasiertes Einstufungsverfahren, bei dem sozusagen Minute für Minute erhoben wird, welchen Unterstützungsbedarf pflegebedürftige Personen für die grundlegenden Verrichtungen des alltäglichen Lebens benötigen – vom Toilettengang bis zum Ankleiden. Er wird in Südtirol über alle Altersklassen hinweg für die Einstufung von Menschen mit Behinderung ebenso verwendet wie für schwerkranke und ältere Menschen. Nur für Personen mit Demenzerkrankung gibt es seit heuer eine „automatische Einstufung“ über die Memorykliniken.<BR /><BR />Bereits zwischen 2010 und 2012 hatte das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Bielefeld im Auftrag des Landes die Pflegeeinstufung von Kindern in Südtirol über den Fragebogen untersucht. Ergebnis: Optimierungsbedürftig. Die Stimmen, die eine zeitbasierte Einstufung auch in anderen Fällen für unangebracht halten, mehren sich. <BR /><BR />„In vielen Fällen erfordert die Behinderung, das Krankheitsbild oder generell die Verfassung des Pflegebedürftigen die Anwesenheit einer Person über den reinen Pflege- und Unterstützungsbedarf hinaus. Ein System, das hier Minuten zählt, kann der Komplexität vieler Pflegefälle gar nicht gerecht werden“, kritisiert Team K-Landtagsabgeordnete Maria Elisabeth Rieder. Zudem zeige eine Studie der Tiroler Privatuniversität UMIT, dass unterschiedliche Einstufungsteams zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. „Von 122 doppelt begutachteten Personen erhielten nur zwei von drei in beiden Begutachtungen dieselbe Pflegestufe. In einem Drittel der Fälle wich der Pflegebedarf bis zu 115 Stunden im Monat ab“, so Rieder.<BR /><BR />Eigentlich hat auch die Landesregierung bereits Handlungsbedarf erkannt – und einen Reformplan formuliert. Demnach hätte bereits im vergangenen Jahr mit der Einführung eines neuen Instruments begonnen werden sollen, die flächendeckende Umstellung war für den Zeitraum 2026 bis 2028 geplant. <BR /><BR />Rieder will nun von der Landesregierung in einer entsprechenden Anfrage unter anderem wissen, ob man bereits ein neues Bewertungsmodell ausgewählt hat und warum ein solch neues, im Integrierten Tätigkeits- und Organisationsplan (PIAO 2023–2025) bereits vorgesehenes neues Modell noch nicht eingeführt wurde. In der Aktuellen Fragestunde im Landtag im vergangenen Mai hatte Landesrätin Pamer geantwortet, die Einführung eines neuen Bewertungsinstrumentes werde schon seit Längerem diskutiert, „allerdings müssen aktuell die rechtlichen Bestimmungen auf staatlicher Ebene abgewartet werden.“ Für Rieder unverständlich: „Wo bleibt da unsere Autonomie?“<BR /><BR />Peter und Rebecca* bitten die Landesregierung jedenfalls heute schon in ihrem Brief um eine Beurteilung, die der medizinischen Realität sowie dem tatsächlichen Pflege- und Unterstützungsbedarf gerecht werde.