Damals wurde im Landtag über ein eigenständiges Finanzierungsmodell diskutiert. Dieses Modell hätte die Pflegeversicherung sein sollen. Der Vorschlag stammte vom langjährigen Gesundheitslandesrat und Landeshauptmannstellvertreter Otto Saurer. Sein Modell sah vor, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer gemeinsam in einen Pflegefonds einzahlen: Zwei Drittel der Beitragssumme wären verpflichtend von den Arbeitgebern getragen worden, ein Drittel von den Arbeitnehmern ab 14 Jahren. Vorgesehen war jährlich im Schnitt ein Betrag von etwa 500.000 Lire (also rund 260 Euro).<BR /><BR />Ziel war es, über diesen Fonds insbesondere pflegebedürftige Menschen innerhalb von Familien finanziell zu unterstützen. Doch der Vorschlag scheiterte – unter anderem auch am Widerstand der Wirtschaftsverbände, die sich entschieden gegen das Modell aussprachen. Der damalige Präsident des Südtiroler Wirtschaftsrings, Rudi Cristof, teilt immer noch dieselbe Meinung: „Damals wie heute müsste die notwendige Finanzierung über den Landeshaushalt erfolgen – das darf nicht auf den Schultern der Menschen lasten.“ <h3> „Man hätte präventiv handeln müssen“</h3>Er zeigt sich nach wie vor erleichtert, dass sich der Gesetzesvorschlag nicht durchgesetzt hat. „Man hätte schon damals den Landeshaushalt durchforsten müssen, um rechtzeitig Rücklagen zu bilden. Es war absehbar, dass immer mehr Menschen älter und pflegebedürftig werden. Man hätte präventiv handeln müssen“, sagt Cristof. Er ist immer noch überzeugt, dass eine zusätzliche Belastung für die Bevölkerung der falsche Weg sei.<BR /><BR />Diese Haltung teilt auch Hanspeter Munter, der damalige Direktor des Landesverbandes der Handwerker (LVH). „Eine Zusatzabgabe, die den Steuerdruck erhöht, sollte wirklich in jeder Hinsicht vermieden werden“, sagt Munter. Das Leben sei bereits sehr teuer und mit etlichen Zusatzbelastungen wie beispielsweise den hohen Kosten für das Wohnen seien solche Ausgaben nicht stemmbar. „Die insgesamte Abgabelast hat bereits eine Höhe erreicht, die nicht mehr überschritten werden darf“, erklärt Munter weiter. <h3> „Auseinandersetzung war keinesfalls vergeblich“</h3>Rückblickend stellt sich möglicherweise dennoch die Frage, was gewesen wäre, wenn sich der Vorschlag durchgesetzt hätte. Hätten alle Arbeitnehmenden und ihre Arbeitgeber seit 1997 den vorgesehenen Beitrag bezahlt, hätte sich bis heute, grob geschätzt, ein Fonds von etwa zwei Milliarden Euro angesammelt.<BR /><BR />Die Initiative zur finanziellen Neuregelung der Pflege geht derzeit von Soziallandesrätin Rosmarie Pamer aus. Sie betont die Bedeutung der damaligen Diskussion rund um die Sozialversicherung, auch wenn diese nicht die erhofften Veränderungen brachte. „Vielleicht war die Zeit damals noch nicht reif für einen solchen Schritt, aber die Auseinandersetzung war keinesfalls vergeblich“, so Pamer. <BR /><BR />Immerhin sei aus dieser Debatte heraus unter anderem der Rentenfonds Pensplan entstanden – eine bedeutende Errungenschaft. Heute herrsche jedoch ein breiter Konsens in der Bevölkerung, dass es einer verlässlichen Absicherung bedarf. „Ohne Unterstützung ist Pflege kaum zu bewältigen. Umso wichtiger ist es, dass wir diesen Weg jetzt entschlossen weitergehen“, erklärt die Landesrätin.