Dienstag, 27. Juni 2017

Pfleger gegen Hausärzte: Kein Ende der Krise in Sicht

Um die Krise in der Bozner Notaufnahme zu entschärfen, hatte der Sanitätsbetrieb ein Maßnahmenpaket vorgestellt. Nachdem sich die Hausärzte gegen ihren Einsatz unter bestehenden Voraussetzungen querstellten, wettern nun die Pfleger gegen die Angriffe.

Die Einstufung in der Notaufnahme.
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Die Einstufung in der Notaufnahme. - Foto: © STOL

Die 7 Notaufnahmen im Land verzeichnen über 200.000 Zugänge pro Jahr, den Großteil jene von Bozen und Meran. In der Bozner Notaufnahme kommt es daher immer wieder zu Engpässen. Vor allem der Ärztemangel scheint das Problem zu sein. 

Hausärzte schießen gegen Pfleger

Um diesem Missstand abzuhelfen, hat der Sanitätsbetrieb jüngst ein Maßnahmenpaket präsentiert. Ab Juli sollen nun samstags und sonntags von 8 bis 20 Uhr - parallel zur Notaufnahme - Ärzte des Wachdienstes die Patienten mit leichteren Beschwerden versorgen. 

„Mir der räumlichen Ansiedelung in der Notaufnahme haben wir kein Problem. Wohl aber mit dem Umstand, dass ein Krankenpfleger die Triage vornimmt. Denn das ist Aufgabe des Hausarztes", sagte dazu Dr. Domenico Bossio von der Hausärztegewerkschaft FIMMG. Es sei der Hausarzt, der entscheide, ob ein Patient ein Fall für die Notaufnahme, für einen Hausbesuch usw. ist, nicht ein Pfleger, so Bossio. Die Hausärzte würden sich ein anderes System nicht gefallen lassen. 

Ersteinstufung der Patienten durch Pfleger

Zur Erklärung: Der Sanitätsbetrieb Südtirol hat vor Jahren entschieden, das Manchester-Triage-System einzuführen, ein standardisiertes Verfahren zur Ersteinschätzung von Patienten in der Notaufnahme. Dabei arbeitet ein Pfleger aufgrund von Beschwerdebildern und Leitsymptomen eine Behandlungspriorität aus, welche von lebensgefährlich mit sofortiger Behandlung bis hin zu nicht dringend reicht. Zum besseren Verständnis wird diese Behandlungspriorität in Farben dargestellt, welche von rot bis blau/weiß reichen.

So werden wirkliche Notfälle sehr rasch behandelt. Das heißt aber auch, dass Leute mit grünem oder weißem Kodex länger warten müssen.

Krankenpfleger schießen zurück

Die Antwort der Pfleger auf die Forderung der Hausärzte ließ nicht lange auf sich warten: "Wenn die Hausärzte nicht in der Notaufnahme mitarbeiten wollen, sollen sie dies den Verantwortlichen mitteilen und nicht die gesetzlich geregelte und über Jahre gewachsen Triage in den sieben Krankenhäusern als Vorwand vorschieben", so der Verwaltungsrat des Berufsverbandes der Krankenpfleger. 

Die Krankenpfleger sein nämlich nicht nur speziell geschult und würden eine extrem schwierige Arbeit leisten. "Sie sind auch tagtäglich dem Unmut der wartenden Patienten ausgeliefert. Dieser reicht längst über Beschimpfungen, Beleidigungen und angedrohter Gewalt hinaus", so die Krankenpfleger.

Auch Pfleger verlassen die Notaufnahme

Dies erkläre auch die Abwanderung in der Belegschaft der Bozner Notaufnahme nicht nur von Seiten der Ärzteschaft, sondern auch der Pfleger. "Der psychische Druck für Pfleger steigt immer weiter an, da sie aufgrund des Ärztemangels zum ,Buffer' geworden sind, denn letztendlich warten die Patienten auf eine ärztliche Visite und nicht auf eine des Krankenpflegers", heißt es.
Und weiter: "Gerne sprechen wir gemeinsam über alternative Behandlungspfade, jedoch lassen wir nicht Kritik üben an einem professionellen gesetzlich geregelten Dienst, welcher sehr schwierig ist und im gesamten Gesundheitssystem auch von Seiten vieler Ärzte als sehr beachtlich angesehen wird.“

stol/d/ker

stol