Sonntag, 09. Mai 2021

Piemont: Protest gegen Corona-Regeln, 165 Strafen

165 Strafen wegen Verletzung der Corona-Regeln sind am Samstagnachmittag gegen die Teilnehmer einer Solidaritätsdemonstration mit der Inhaberin einer Konditorei in Chivasso in der norditalienischen Region Piemont verhängt worden. Die Frau, Rosanna Spatari, hatte in den vergangenen Wochen wiederholt den Anti-Covid-Vorschriften zum Trotz ihr Geschäft offen gehalten.

Hunderte Menschen versammelten sich vor der Konditorei.
Hunderte Menschen versammelten sich vor der Konditorei. - Foto: © ANSA / Jessica Pasqualon
Obwohl sie wiederholt bestraft wurde, hatte Spatari, seit 10 Jahren Inhaberin der Konditorei „La Torteria“, ihr Lokal offen gehalten und Kunden bedient. Als die Polizei die zwangsmäßige Schließung des Lokals beschloss, ließ sie die Siegel brechen und öffnete trotzdem das Geschäft. Ihre Konditorei ist inzwischen zu einem Treffpunkt von Menschen geworden, die gegen die Anti-Covid-Restriktionen der Regierung protestieren. Zu ihnen zählen mehrere Geschäftsinhaber und Gastronomen, sowie Impfgegner.



„Ich bin wie eine indische Freiheitskämpferin. Ich kämpfe mit nicht gewalttätigen Mitteln für mein Recht, arbeiten und leben zu können“, sagte die Frau, die inzwischen über 150 Strafzettel wegen Verletzung der Anti-Covid-Vorschriften gesammelt hat. Wegen Widerstands gegen die Polizei, die ihr Geschäft versiegeln wollte, wurde sie auch angezeigt.

Nachdem am Donnerstag Dutzende Polizisten in der Kleinstadt eintrafen, um ihr Lokal zu sperren, versammelten sich am Samstagnachmittag hunderte Menschen vor der Konditorei, um damit ihre Solidarität mit der Frau auszudrücken. Spatari lud zu einem „Widerstands-Aperitif“ vor ihrer geschlossenen Konditorei ein. Auf diesen Appell reagierten Hunderte, die ohne Masken und ohne Rücksicht auf die Abstandsregeln Wein tranken und Süßspeisen aßen. Daraufhin griff die Polizei ein und verhängte 165 Strafen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsverbot. Viele Personen wurden bestraft, weil sie keine Masken trugen.



Solidaritätserklärungen erhielt die Frau von einigen Politikern aus dem rechten Lager, die die Maßnahmen der Regierung für die Gastronomie und den Handel als ungerechtfertigt betrachten. Anders sieht die Lage die Turiner Bürgermeisterin Chiara Appendino. „Ich stehe an der Seite derjenigen, die die Regeln respektieren“, sagte sie.

apa/stol