Donnerstag, 14. Januar 2016

Pilot wehrt sich: "Die am Flughafen Triest sind blind"

"Rogne in Ronchi" - gütlich übersetzt "Ärger in Ronchi" - könnte der Titel eines schlechten Films lauten, in dem sich Heißluftballon-Pilot Günther Binder unfreiwillig als Hauptdarsteller wiederfindet. Denn dass der Verkehr am Flughafen Triest wegen einiger Ballons aus Toblach lahmgelegt wurde, liegt seiner Meinung nach "an der völlig veralteten Technik" an italienischen Flughäfen und Panik-schiebenden Fluglotsen.

Von Toblach aus waren die Heißluftballons am Mittwoch Richtung Slowenien gestartet (hier im Bild). - Foto. Balloonfestival
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Von Toblach aus waren die Heißluftballons am Mittwoch Richtung Slowenien gestartet (hier im Bild). - Foto. Balloonfestival

"Heißluftballons legen Flugverkehr lahm" lautete die STOL-Nachricht am Donnerstagmorgen. Aufgrund von Heißluftballons aus Toblach wurde am Mittwoch der Verkehr am Flughafen von Triest unterbrochen. Südtirol Online hat nach dem angeblichen Verursacher gesucht - und einen verärgerten Piloten gefunden, der sich keinerlei Schuld bewusst ist. Im Gegenteil. 

Südtirol Online: Ein paar fliegende Objekte – und schon liegt ein ganzer Flughafen lahm: Was war da los am Mittwoch auf der Heißluftballon-Fahrt nach Slowenien?
Günther Binder, Chef des Luftfahrtunternehmens Ballonteam Sonnenbühl und langjähriger Heißluftballon-Pilot: Ich sag es Ihnen gerade heraus. Das Problem liegt am Flugplatz in Ronchi – und das seit 10 Jahren. Dort haben sie kein funktionsfähiges Radarsystem.

STOL: Sie sagen, ein internationaler Flughafen hat ein Problem mit Heißluftballons?
Ich sage, die Flugplätze in Ronchi (Triest) und Venedig sind nach oben hin blind. Vom Meer her zieht Feuchte und daher liegt dort oft eine Nebelschicht. Und dazu verfügen Sie nicht über ein funktionsfähiges Radargerät. Denn normalerweise würden Heißluftballons auf dem Radar angezeigt. Wenn sie dann aber etwas sehen und nicht erkennen, was es ist, bekommen sie Panik.

STOL: Und genau das ist am Flughafen in Triest am Mittwoch passiert: Es sind also nicht die Heißluftballon-Piloten zu nah an den Flugkorridor gekommen?
Wenn ein Ballon in 3000 Metern Höhe unterwegs ist und ein Flugzeug am Boden startet oder landet, dann liegen 3000 Meter dazwischen. In Deutschland bin ich gefahren, da waren oft nur 500-1000 Meter dazwischen und es gab kein Problem. Doch das in Ronchi haben sie seit Jahren und das ist bekannt. Weder mit Villafranca (Verona) noch Udine und Aviano haben wir diese Probleme.

STOL: Wie erfolgt die Erfassung, wenn alles glatt läuft?
Ein gutes Radarsystem kann uns sehen, der Fluglotse kann die Registriernummer ablesen, was so zu sagen unser Fahrzeugkennzeichen ist. Man kann Höhe und exakte Position ablesen. Heißt: Man weiß genau, wo wir sind.

STOL: Kann es nicht auch sein, dass die Fluglotsen oder dergleichen mit Heißluftballons nichts anzufangen wissen?
Es stimmt, in Italien ist man bezüglich Ballonfahrten noch nicht so erfahren. In Deutschland haben wir es seit Jahrzehnten mit Ballons zu tun. Doch wenn man nicht die richtigen Instrumente hat und sie dann auch nicht lesen kann …

STOL: Heißluftballons selbst verfügen über beste Technik…
Vor einigen Jahren mussten wir nachrüsten, weil es gesetzlich vorgegeben ist. Auch der Luftraum wird modernisiert und die Sender müssen leistungsfähiger werden. Die Piloten haben für einen so genannten Transponder 6000 bis 10.000 Euro investiert.  Der ist auch dazu ausgerichtet, um Zusammenstöße zu vermeiden. Jedes Flugzeug erhält dadurch ein Warnsignal, wenn wir zu nahe kommen.
Zusätzlich stehen wir per Funk in Verbindung. In dem Fall mit der Flugsicherungsstelle in Padova. Zugegeben, das ist weit weg, aber die könnten sich auch untereinander kurzschließen.

STOL: Die Heißluftballon-Flüge sind auch im Vorfeld meldepflichtig?
Ja. Die Flüge sind angemeldet, die Behörden wissen Bescheid. Egal wo wir hinfahren, Kroatien oder Slowenien, da heißt es von der Überwachung immer: „Ja, ich habe Sie gesehen, setzen Sie Ihre Fahrt fort.“ Wenn ich mit ihnen funke, höre ich sie klar und deutlich, wie am Telefon. Bei Ronchi knackt und rauscht es. Die haben einfach veraltetete Technik. Wenn Deutschland seine alten Geräte hierher brächte, wäre das ein Quantensprung.

STOL: Die Flugroute über Ronchi aber befahren Sie ja nicht zum ersten Mal und haben auch nicht zum ersten Mal Ärger…
Stimmt. Schon vor einigen Jahren hieß es, wir hätten den Korridor durchfahren. Aber das haben wir nicht. Ich habe Flugaufzeichnungen, die das belegen. Ich musste mir einen Anwalt nehmen – und bekam am Ende Recht.
Auch heuer haben wir nichts falsch gemacht. Ich weiß nicht, in wie weit, das jetzt Konsequenzen hat. Ich habe schon Angst. Aber diesmal gehe ich bis vor den Europäischen Gerichtshof. 

Interview: Petra Kerschbaumer

stol