Dass Martina Florian heute am Leben ist, grenzt an ein Wunder. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/bozner-paragleiter-markus-florian-57-stirbt-nach-absturz-mit-tochter" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Die 30-Jährige überlebte im November 2024 auf Sizilien einen schweren Unfall bei einem Tandemflug, den sie gemeinsam mit ihrem Vater Markus Florian unternommen hatte.</a> Der 57-jährige aus Kaltern stammende Florian starb wenig später im Krankenhaus. Knapp 2 Monate nach dem fatalen Absturz schildert Martina Florian das Erlebte und wie es ihr heute geht.<BR /><BR />Am 20. November 2024 ereignete sich an den Küsten Siziliens ein tragischer Gleitschirmunfall, bei dem der 57-jährige Südtiroler Markus Florian ums Leben kam. Florian war ein erfahrener und vorsichtiger Pilot. Begleitet wurde er während seines letzten Gleitflugs von seiner 30-jährigen Tochter Martina. Vater und Tochter unternahmen des Öfteren gemeinsame Ausflüge in der Luft. Die beiden starteten an diesem Tag im Tandemflug, als sich nach wenigen Flugminuten aus bislang ungeklärter Ursache ein Gurt löste. Der Schirm klappte in sich zusammen, Martina und Markus Florian stürzten mit voller Wucht zu Boden. <BR /><BR /><BR />Während Martina Florian den Unfall schwer verletzt überlebte, starb ihr Vater. Aber auch für Martina Florian hing das Leben an einem seidenen Faden, doch sie kämpfte sich am Krankenhaus von Messina zurück. Dort wurde mehrfach operiert. Seit dem 22. Dezember ist Florian wieder in Südtirol. Nach einer erfolgreichen OP an der Wirbelsäule am Krankenhaus Bozen befindet sie sich mittlerweile zur Reha im Krankenhaus Brixen. Martina Florian lebt seit 3 Jahren in Gossensaß. Im Interview berichtet die junge Frau, wie sie selbst den Unfall erlebte und wofür sie trotz allem dankbar ist. <BR /><BR /><BR /><BR /><b><div class="img-embed"><embed id="1119132_image" /></div> Frau Florian, welche Erinnerungen haben Sie an den 20. November, als Sie mit Ihrem Vater Markus in Milazzo, einer Gemeinde auf Sizilien, einen Gleitschirmflug antraten?</b><BR />Martina Florian: Nachdem es an unserem anfänglichen Startplatz zu windig geworden war, hat sich unsere Gruppe an den Strand begeben, um sich wieder mit denen zu treffen, denen der Start noch vergönnt gewesen war. Dort machten sich dann einige ans Aufziehen, um einen bodennahen Flug zu versuchen, darunter auch mein Papa. Es war ziemlich viel Bewegung in der Luft, aber ich vertraute ihm und nach einem aufmunternden Blick waren wir eingehakt – und auch schon in der Luft. <BR /><BR /><b>Wie lange sollte der Flug dauern und wo war die Ladung geplant?</b><BR />Florian: Solche bodennahe Flüge erfordern ständiges Lenken und Korrigieren des Kurses – sie sind also etwas anspruchsvoller, als hohe Flüge in den Bergen und da kommt es schon mal vor, dass man inzwischen wieder mal 3, 4 Schritte laufen muss, bis man wieder etwas an Aufwind bekommt. Aber mein Papa war konzentriert bei der Sache und flog sauber und gelassen. Präziser Landeplatz war keiner definiert. Entweder wir wären auf den Strand abgesunken oder im Idealfall wären wir zum Startpunkt zurückgekehrt um nicht laufen zu müssen.<BR /><BR /><b>Während des Flugs kam es schließlich zu dem fatalen Unfall. Woran können Sie sich noch erinnern?</b><BR />Florian: Wir waren noch gar nicht lange in der Luft und hatten gerade nach einem guten Aufwind einen ruhigen Moment, als sich plötzlich mit einem Ruck die Aufhängung des Gurtes auf einer Seite löste. Als Folge sackte der Schirm natürlich in sich zusammen und der Boden raste uns aus gut 20 Metern entgegen. Nach dem harten Aufprall bekam ich erst keine Luft, und als ich nach unten schaute, sah ich wie im Traum mein linkes Bein – am Oberschenkel geknickt – komplett auf meinem Schoß heroben liegen. Da erreichten uns auch schon die restlichen aus unserer Gruppe und bald darauf die Rettungskräfte. <BR /><BR /><b>Sie wurde schwer verletzt in das Poli-Klinikum von Messina gebracht, Ihr Vater hingegen in das Krankenhaus von Milazzo, wo er schließlich verstarb. Wann haben Sie vom Tod Ihres Vaters verfahren?</b><BR />Florian: Ich wurde nach einer eiligen Notoperation ins künstliche Koma versetzt, um das Ausmaß meiner inneren Verletzungen möglichst gering zu halten und habe erst am Sonntag, einen Tag nachdem ich wieder aufwacht war, erfahren, dass mein Vater seinen Verletzungen erlegen war. <BR /><BR /><b>Sie selbst erlitten durch den Absturz schwere Knochenbrüche, Verletzungen an den Wirbeln und lagen für mehrere Tage auf der Intensivstation. Wie erlebten Sie die erste Zeit im Krankenhaus – fernab von Zuhause und in der Gewissheit, Ihren Vater verloren zu haben?</b><BR />Florian: In den ersten Tagen war ich hauptsächlich verwirrt, zwar wusste ich wo ich war und was passiert war, aber ich hatte kein Zeitgefühl und stellte wiederholt die selben Fragen, weil ich mich nicht mehr an die Antworten erinnern konnte. Die Pfleger und Ärzte erlebte ich als extrem freundlich, ich hatte das Gefühl, dass sie alle mit mir mitfiebern. Den Verlust meines Papis habe ich in diesem ersten Moment erst einmal total verdrängt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1119339_image" /></div> <BR /><b>Mittlerweile befinden Sie sind im Krankenhaus von Brixen. Wie gestaltete sich Ihre Heimreise nach Südtirol?</b><BR />Florian: Anfänglich gab es einige Verwirrung darüber, wie sich der Transport unter diesen Umständen gestalten sollte, was das Ganze ziemlich verzögert hat. Schließlich konnte ich jedoch mit Hilfe der Ambulanz des Weißen Kreuzes nach Hause kommen – zu meiner immensen Erleichterung. <BR /><BR /><b>Sie wurden bei dem Unfall schwer verletzt. Wird Ihr Köper wieder vollständig gesund?</b><BR />Florian: Zu meinem riesen Glück sind alle Operationen – sei es in Messina, als auch in Bozen – gut verlaufen. Jetzt heißt es für mich erst einmal in der Reha mein Bestes zu geben, wieder laufen zu lernen und abzuwarten, wie sich alles entwickelt. Mit Sicherheit kann ich das erst in einigen Monaten sagen. <BR /><BR /><b>Die genaue Unfallursache scheint unklar. Inwieweit stehen Sie mit den ermittelnden Behörden in Kontakt?</b><BR />Florian: Da ich nicht mit eigenen Augen gesehen habe, was genau sich da gelöst hat oder gebrochen sein könnte, kann ich keine nähere Auskunft geben. Die Carabinieri von Milazzo haben das gesamte Equipment beschlagnahmt. Abgesehen von meiner Zeugenaufnahme im Krankenhaus habe ich momentan keine Kontakte oder Informationen bezüglich der Ermittlungen. <BR /><BR /><b>Ihr Vater war in passionierte und erfahrener Paragleiter. Sie waren als seine Tochter bei dem tragischen Unfall an seiner Seite. Gibt es für Sie - in all der Trauer - etwas, dass Sie tröstet</b><b>?</b><BR />Florian: Er liebte das Fliegen und die Natur und es tut gut zu wissen, dass er keine Gelegenheit ausgelassen hat, das zu tun, was ihn glücklich machte. Ich bin froh, dass ich seine letzten Tage so nahe mit ihm verbringen durfte und er wird mir unendlich fehlen.