Freitag, 28. August 2015

Polen im Goldrausch: Enthält ein am Radar entdeckter Zug Nazi-Gold?

Die Existenz eines legendenumwobenen „Nazi-Zugs“ in Niederschlesien, der seit Tagen Polens Medien beschäftigt, ist offiziell bestätigt worden. „Der Ort bleibt geheim“, sagte Zygmunt Nowaczyk, Vizebürgermeister von Walbrzych (Waldenburg) aus Furcht vor Möchtegern-Schatzsuchern. Fachleute halten es für möglich, dass der gepanzerte Zug Nazi-Gold oder andere Wertsachen enthält.

Enthält der in einem unterirdischen Stollen in Niederschlesien entdeckte Panzerzug tatsächlich Nazi-Gold?
Enthält der in einem unterirdischen Stollen in Niederschlesien entdeckte Panzerzug tatsächlich Nazi-Gold? - Foto: © APA/EPA

Ein Deutscher und ein Pole hatten vor einer Woche über einen Anwalt mitteilen lassen, sie hätten Hinweise auf einen 120 bis 150 Meter langen gepanzerten Zug. In der Nähe von Walbrzych gibt es eine ganze Reihe unterirdischer Stollen, die die Nazis unter dem Codenamen „Riese“ hatten bauen lassen. Geschützt vor Luftangriffen der Alliierten sollten dort ursprünglich Waffen produziert werden. Ein Teil der Stollen ist heute für Touristen offen. Das Tunnelsystem zieht aber auch viele Schatzsucher an.

Die Berichte über den Fund heizten in Polen die Gerüchte um einen Nazi-Zug voller Gold und Schmuck an, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in der Region verschwunden sein soll.

Der "Fund" gehört dem polnischen Staat

Vizebürgermeister Nowaczyk stellte klar, dass der „Fund“ unabhängig von seinem Wert dem polnischen Staat gehöre. Der Anwalt der beiden Finder, Jaroslaw Chmielewski, sagte, die „staatlichen Instanzen“ müssten entscheiden, was aus dem Fund werde.

Der polnische Denkmalkonservator Piotr Zuchowski ist sich „zu 99 Prozent“ sicher, dass in Polen tatsächlich ein gepanzerter Nazi-Zug gefunden wurde. Er habe auf Radarfotos einen gepanzerten Zug von über hundert Metern Länge gesehen, der unter Erde begraben sei, sagte Zuchowski am Freitag vor der Presse in Warschau.

Panzerzug könnte wertvolle oder gefährliche Gegenstände enthalten

„Die Tatsache, dass es ein gepanzerter Zug ist, legt nahe, dass es in seinem Inneren Objekte von Wert geben kann.“ In Polen hält sich seit Jahren hartnäckig das Gerücht über einen verschwundenen Zug der Nazis voller Gold und Schmuck.

Zuchowski sagte nun, in dem Zug könnten „Kostbarkeiten, Kunstwerke, sogar Archive sein, von deren Existenz wir wussten, ohne dass sie gefunden wurden“. In dem Zug könnten aber auch „gefährliche Gegenstände“ sein. Dessen Ausgrabung müsse daher von Spezialisten vorgenommen werden, darunter auch Sprengmeister, falls der Zug vermint sei. 

Zuchowski hatte bereits am Donnerstag Schatzsucher vor möglichen Minen in dem Zug gewarnt. Nach seinen Worten ist derzeit in der Gegend um Walbrzych eine „verstärkte Aktivität von Schatzsuchern“ zu beobachten.

apa/afp

stol