<BR />In allen anderen Regionen stellt die Post Briefe und Zeitungen nur noch an drei Tagen in der Woche zu. Weil in Südtirol aber die Anzahl an Briefen, Zeitungen und Zeitschriften dem deutschen Sprachraum gleich und somit weit über dem italienischen Durchschnitt liegt, hat das Land eine Vereinbarung mit der Post geschlossen, um den Postdienst an sechs Wochentagen zu garantieren. Einzig der Sonntag ist ausgenommen. Das Abkommen sieht zudem auch den Fortbestand kleiner Postämter in allen Landesteilen vor. Damit sollte Südtirol – so das ambitionierte Ziel – zum Vorzeigemodell werden.<BR /><BR />Bis dato ist das aber nicht der Fall. Alle Warnungen in den Wind schlagend, führte die italienische Post in den letzten Jahren auch in Südtirol ein neues Organisationsmodell ein. Während bis dorthin Briefträger ihren Dienst am frühen Morgen antraten und um die Mittagszeit beendeten, wurde der Dienstbeginn teils in den Vormittag verlegt und das Dienstende in den Nachmittag. Viele Südtiroler, die als Briefträger in ihren Dörfern tätig waren – vor allem auch Frauen –, kamen mit diesen Arbeitsbedingungen nicht zurecht.<h3> Gut 40 Mitarbeitende binnen weniger Monate gekündigt</h3>Es gab Proteste der Gewerkschaften, doch sie blieben ungehört, Die Post stülpte das neue Modell über Südtirol. Binnen weniger Monate kündigten gut 40 Südtiroler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die meisten davon waren halbtags bei der Post beschäftigt, trugen bis Mittag verlässlich die Post aus und widmeten sich am Nachmittag der Familie oder den Arbeiten am Hof. Der Aderlass war also selbst verschuldet. Davon erholt hat sich die Italienische Post bis heute nicht.<BR /><BR />Im Herbst 2024 wurden Südtirols Gemeinden über die Qualität des Postdienstes befragt, also über die Zustellung von Briefen und Einschreiben. Acht Prozent der Gemeinden signalisierten „sehr große Probleme“, 19 Prozent „beträchtliche Probleme“ und 30 Prozent „geringe Probleme“. <BR /><BR />Seither hat sich die Lage abermals verschlechtert. Beschwerden über die nicht funktionierende Post haben stark zugenommen. Das Abkommen zwischen Land und Post läuft zum Jahresende aus. In der Zwischenzeit gibt es Gespräche, um eine Lösung aus der Misere zu finden. Die Rückkehr zu den alten Dienstzeiten könnte der Schlüssel sein und eine Trendumkehr bewirken, heißt es vor allem aus Gewerkschaftskreisen.