„In Südtirol stehen immer mehr Jugendliche in unzumutbaren Arbeitsverhältnissen, wie befristete Arbeitsverträge, Arbeit auf Abruf, Leiharbeit und Projektarbeit. Wir wollen auf solche Arbeitsverhältnisse aufmerksam machen und die Öffentlichkeit sensibilisieren“, erklärte die Vorsitzende der ASGB-Jugend, Yvonne Gabbia. Ein solches Arbeitsverhältnis wirke sich für den Jugendlichen negativ auf die finanzielle Lage, die familiäre Situation, die soziale Sicherheit, die Gesundheit und längerfristig auch auf die Familiengründung und Alterssicherung aus. Besonders in den letzten Jahren habe sich der Arbeitsmarkt in Südtirol einem Wandel unterzogen. „Atypische Beschäftigungsformen haben massiv zugenommen“, betonte Gabbia. Bedenkliche Zahlen„Reguläre Jobs sind für Jugendliche mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eher die Ausnahme als die Regel“, sagte Alexandra Egger von der ASGB-Jugend. Die Tendenz befristeter Beschäftigter steige massiv an, so seien 2009 bereits 45.000 Personen davon betroffen gewesen. Auch die Projektarbeit nehme bedenklich zu. „Im Zeitraum von Jänner 2007 bis Dezember 2009 wurden rund 18.000 Projekt-Arbeitsverträge mit einer Durchschnittsdauer von 16 Monaten abgeschlossen“, so Egger. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sei unter 30 Jahre alt. Projektarbeit komme hauptsächlich im Bildungssektor und in der öffentlichen Verwaltung vor. Arbeit auf Abruf besonders im Gastgewerbe beliebtAlexander Wurzer von der ASGB-Jugend warnte vor Arbeit auf Abruf: „Arbeit auf Abruf ist kein normales Arbeitsverhältnis. Durch verschiedene Arbeitszeiten sind die Betroffenen hohen Einkommensschwenkungen ausgesetzt.“Arbeit auf Abruf komme vor allem im Gastgewerbe vor und betreffe hauptsächlich Frauen unter 25 Jahren. „Armutszeugnis für Gesellschaft“„Arbeitgeber nützen zu oft ihre Vorteile auf Kosten der Arbeitnehmer aus. Wir wollen von den Arbeitgebern und Arbeitgeberverbänden in Südtirol faire Arbeitsverhältnisse“, forderte Gabbia. Die ASGB-Jugend setze sich für die Grundsätze einer „fairen Beschäftigung“ ein. „Unter einer fairen Beschäftigung verstehen wir ein ausreichendes Einkommen, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit sowie Gleichbehandlung und Respekt“, erklärte die ASGB-Jugend Obfrau. „Prekäre Arbeitsverhältnisse sind ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft und widersprechen demokratischen Werten“, so Gabbia. Plakataktion in SchulenDie Kampagne „Prekär ist nicht fair“ werde mit einer Plakataktion fortgesetzt und habe das Ziel die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren. „Die Plakate werden in Betrieben und Berufsschulen ausgehängt“, sagte der Vorsitzende des ASGB, Tony Tschenett. „Aufgabe der Gewerkschaften ist es bei der Politik und bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern Überzeugungsarbeiten zu leisten“, betonte Tschenett. am