Bereits vor mehreren Jahren hat die Gemeindeverwaltung von Rasen-Antholz eine Initiative zur Aufwertung wichtiger archäologischer und historischer Stätten in Angriff genommen. Der Ausgangspunkt für ein Themenwegenetz mit dem Namen „thema!“ war die archäologische Zone „Windschnur“ mit ihren wertvollen Funden sowie der dortige Bunker, der zugänglich gemacht werden soll. Ein erster Teil des Gesamtkonzeptes war die Sanierung und museale Aufwertung der historischen Rasner Brücke auf der alten Pustertaler Straße. Hier treffen nämlich drei Zeitzeugnisse des Straßen- und Brückenbaues im Pustertal aufeinander. Es sind Brücken und Straßen aus drei Epochen, bestehend aus drei unterschiedlichen Baustrukturen: Zum einen die Holzbrücke, über die die alte bis 1847 befahrene Pustertaler Poststraße führte.Dann die Steinbogenbrücke, erbaut 1847 im Zuge des Ausbaues der Pustertaler Straße unter Kaiser Ferdinand I. Sie trug bis 2008 den gesamten Verkehr durch das Pustertal.Und schließlich die Stahl- und Betonbrücke, welche 2008 in Betrieb gesetzt wurde. Zudem verlief hier am Rande auch der Römerweg.Ein zeitgeschichtliches DokumentDurch den Bau der neuen Brücke wurde das 180 Meter lange verbliebene Straßenstück nicht mehr benötigt. Dieser Abschnitt mit der bauhistorisch wertvollen Steinbrücke aus dem Jahre 1847 wurde als zeitgeschichtliches Dokument erhalten und restauriert.Dabei sollte die Geschichte der Brücke und die Geschichte des Pustertaler Straßenbaues samt dem Ingenieur Alois Negrelli in musealer Form dargestellt werden. Drei Epochen der jüngeren Straßengeschichte wurden durch die Musealisierung sichtbar gemacht: Der östliche Teil der Straße verblieb im heutigen Bauzustand, mit Asphaltbelag und Stahlleitplanken. Anschließend wurde ein Teil der Brücke in dem Zustand belassen bzw. hergerichtet, wie er um 1938 erstellt wurde: mit erstem Asphaltbelag und Brüstungselementen aus Betonfertigteilen. Der restliche Teil wurde in den historischen Zustand von 1847 zurückgeführt, mit festem Kalkschotterbelag, einer Steinmauerbrüstung samt Steinabdeckung, der Errichtung eines Geländers mit den besonders geformten Granitwehrsteinen und Holzbalken als Brüstung. Weiters wurden die früher im Pustertal verwendeten runden Betonwehrsteine und ein Kilometerstein von 1930 eingesetzt, ebenso einige Granitwehrsteine von der Staller-Sattel-Straße, sowie charakteristische Pyramidenpappeln, welche früher die Pustertaler Straße geprägt haben. Außerdem wurden die bestehenden Böschungsmauern aus Natursteinen von 1938 und die Steinkörbe (Gabbioni) von 1985 belassen, weil sie zur Straßengeschichte gehören.13 Meter lange Stahlskulptur„Durch das Pustertal. Von der Lienzer bis zur Mühlbacher Klause.“ Das ist der Titel der 13 Meter langen Stahlskulptur in der Form des Pustertales mit allen Ortschaften und Seitentälern. Auf dieser sind zwölf bedruckte Paneele zu verschiedenen verkehrsrelevanten Themen angebracht (Römer, Alpenwall, Zug, Post,…).Das Projekt stammt von Caroline und Albert Willeit (willeitarchitektur) und der Baukanzlei Sulzenbacher & Partner. Das museale Konzept haben willeitarchitektur, Gruppe Gut und Josef March erstellt, gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Brücke um Herbert Berger, Maria Messner, Marco Pinzan, Klaus Ausserhofer, Rudolf Tasser und Florian Kronbichler.Preis für die Sanierung und MusealisierungDen Spezialpreis der Jury hat die Autonome Provinz Bozen-Südtirol als Bauherr für die anhaltende gute Qualität ihrer eigenen Projekte und Bauten erhalten.In der Begründung der Jury heißt es: „Mitten im Pustertal macht es die Errichtung der neuen Brücke möglich, den Straßenbau in seiner gesamten Entwicklung an einem Beispiel gleichzeitig zu dokumentieren und zu veranschaulichen. Es wird dabei Bedacht genommen auf den Wert der verschiedenen Bauphasen und zugleich werden Abbruch oder Verwahrlosung vermieden."Der Preis wird am 24. November in Oderzo verliehen. Gleichzeitig findet eine Ausstellung der prämierten Projekte statt.