Wie keine andere Gemeinde im Pustertal kämpft Prettau mit der Abwanderung seiner Einwohnerinnen und Einwohner. Seit Jahren schrumpft die Bevölkerung. Um dem entgegenzuwirken, will die Gemeinde Wohnraum für Einheimische schaffen. „Wir haben in Prettau nicht viele Möglichkeiten, Wohnbauzonen auszuweisen oder bestehende Zonen zu erweitern“, sagt Bürgermeister Robert Alexander Steger. „Wenn wir nichts tun, verlieren wir weiter Menschen – und irgendwann auch das Dorfleben.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-72179016_quote" /><BR /><BR />Deshalb will die Gemeinde im Dorfzentrum nahezu 1.800 Quadratmeter Landwirtschaftsgebiet, historischen Ortskern A2 und Gebiet für öffentliche Einrichtung A in die Mischzone M1 Kirchbühel umwidmen. Auf der freien Fläche soll dann ein Gebäude mit vier Wohnungen entstehen – in „gebührendem Abstand“ zum denkmalgeschützten Alten Widum, wie der Bürgermeister betont. Alle erforderlichen Gutachten fielen positiv aus – mit einer Ausnahme: Das Amt für Bau- und Kunstdenkmäler lehnte die in die Wege geleitete Bauleitplanänderung ab. In seinem Gutachten verweist das Amt auf den historischen Ortskern rund um Pfarrkirche, Widum und Schmalzhaus. Eine weitere bauliche Verdichtung sei aus denkmalpflegerischer Sicht nicht vertretbar, das Ortsbild müsse Vorrang haben.<BR /><BR />Die Gemeinde sieht das anders. Das Gutachten sei „einseitig unter dem Aspekt des Denkmalschutzes erstellt“ worden, ohne andere öffentliche Interessen zu berücksichtigen, wie etwa die sozialen, wirtschaftlichen und baulichen Bedürfnisse Prettaus. Zudem betreffe die geplante Bauzone keine denkmalgeschützten Parzellen. „Und es hat nie ein direktes Gespräch zwischen Gemeinde und Denkmalamt gegeben“, klagt Steger.<h3> Beschwerde bei der Landesregierung</h3>Der Gemeindeausschuss hat deshalb einstimmig beschlossen, Beschwerde bei der Landesregierung einzulegen. Mit der rechtlichen Vertretung wurde die Kanzlei von Senator und SVP-Bezirksobmann Meinhard Durnwalder beauftragt.<BR /><BR />Sollte das Land der Bauleitplanänderung zustimmen und Fördermittel bereitstellen, will die Gemeinde das Gebäude selbst bauen und die Wohnungen vermieten. Alle vier Einheiten wären konventioniert, also ausschließlich Einheimischen vorbehalten. Der Eigentümer des Grundstücks sei bereit, den Baugrund zum halben Marktpreis abzugeben – „ein Glücksfall“, wie Steger sagt.<BR /><BR />Mit dem Projekt will Prettau nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch ein Zeichen setzen: für die Zukunft der Gemeinde, die sich gegen die Abwanderung stemmt.