Für Priesteranwärter Oskar Peter Fredrick etwa ist es ungewöhnlich, dass in Südtirol Menschen mit Hunden spazieren gehen. Warum er das eigenartig findet, berichtet er in einem Gespräch.<BR /><BR /><BR /><b>Welchen Eindruck konnten Sie bisher von Südtirol gewinnen?</b><BR />Oskar Peter Fredrick: Es gefällt mir sehr gut hier. Anfangs war das Wetter etwas gewöhnungsbedürftig, bei uns ist es viel wärmer. Wir haben schon verschiedene Orte besucht, die mir sehr gefallen haben: Terenten, Kastelruth, Villnöß. Wir hatten dort die Gelegenheit, mit vielen Menschen in Kontakt zu treten, mit ihnen zu sprechen. 2 Wochen habe ich auf einem Hof in Toblach bei der Feld- und Hausarbeit mitgeholfen. Beeindruckt hat mich auch der Austausch mit Bischof Ivo Muser und Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder. Derzeit helfe ich in der Krankenhausseelsorge mit. Neben der Arbeit lernen wir so die Kultur und die Menschen kennen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Menschen über ihr Leben und ihren Glauben offen sprechen. <BR /><BR /><BR /><b>Gibt es große Unterschiede zwischen den Menschen in Südtirol und Tansania?</b><BR />Fredrick: Es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten, aber einige Punkte waren für mich anfangs ungewohnt. So ist es bei uns nicht üblich, dass Menschen mit Hunden spazieren gehen. Hunde sind für die Sicherheit verantwortlich und werden höchstens abends ins Freie gelassen. In der Kirche ist die Stimmung in Südtirol sehr ruhig, die Bevölkerung zieht das Meditieren vor. Bei uns ist der Gottesdienst sehr viel lebendiger. Auch besuchen bei uns eigentlich alle Bevölkerungsgruppen – Kinder, Jugendliche, Alte – die Messe. In Südtirol ist es doch so, dass großteils ältere Menschen den Gottesdienst besuchen. Aber auch in Tansania gibt es wenige Priester. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="666014_image" /></div> <b>Herr Fredrick, warum möchten Sie Priester werden?</b><BR />Fredrick: Der Wunsch war schon als Kind da. Wir haben in der Gemeinde für geistliche Berufungen gebetet. In der Schule haben mich dann auch die Fächer Physik, Chemie, Mathematik interessiert, und ich wollte Arzt werden. Aber nach dem Abitur habe ich den Entschluss gefasst, ein spirituelles Jahr zu absolvieren und dann bekam ich die Chance, zum Studium nach Brixen zu kommen. <BR /><BR /><b>Sie werden dann auch Erfahrungen in den einzelnen Pfarreien sammeln. Worauf freuen Sie sich am meisten?</b><BR />Fredrick: Ich freue mich darauf mit den Menschen zu leben, zu beten und mit ihnen in Kontakt zu treten. Ich möchte die Kultur kennenlernen und mit der Bevölkerung den Glauben teilen. <BR /><BR /><BR /><b>Herr Talluri, warum möchten Sie Priester werden?</b><BR />Thambi Teja Talluri: Den Wunsch hatte ich immer schon. In der Schule habe ich immer darüber gesprochen, Priester zu werden. Ich sage immer: Der Heilige Geist hat mir den Wunsch ins Herz gegeben. Im Seminar bin ich seit nun 8 Jahren. Nach 2 Jahren, der sogenannten „Orientierungsphase“, habe ich für ein Jahr das geistliche Studium gepflegt und 3 Jahre Philosophie studiert. Nach einem Jahr in der Praxis bin ich nun hier in Brixen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="666017_image" /></div> <BR /><b>Welche Sprachen sprechen Sie, und wie haben Sie Deutsch gelernt?</b><BR />Talluri: Meine Muttersprache ist Jelugu. Ich spreche noch Englisch, Hindi, einige indische Sprachen und nun etwas Deutsch. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Deutschunterricht online durchgeführt. Seit wir in Südtirol sind, haben wir mehrmals die Woche Unterricht. Am Anfang verstand ich nur Bahnhof, nun wird es immer besser von Tag zu Tag. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="666020_image" /></div> <BR /><b>Wie erleben Sie die Südtiroler Bevölkerung und die Kirche?</b><BR />Talluri: Ich treffe täglich viele Personen und sie sind sehr freundlich und einladend. Gerade der Glauben zeigt uns, dass die Menschen überall auf der Welt zusammenhängen und durch die Kirche verbunden sind. Ich empfinde es als sehr angenehm, dass die kirchlichen Rituale und Zeremonien überall den gleichen Ablauf haben und dadurch wiederum diese Verbundenheit zum Ausdruck bringen. Als ich hier mit jungen Menschen gesprochen habe, habe ich bemerkt, dass sie sich als Christen bezeichnen, es aber oft nicht praktizieren. Vielleicht fehlt hier der Bezug zum Glauben. Ich möchte ihnen die Schönheit des Glaubens zeigen: Je mehr man davon erfährt und weiß, desto offensichtlicher wird diese Schönheit. <BR /><BR /><b>Was können wir voneinander lernen?</b><BR />Talluri: Ich denke, dass Empathie füreinander sehr wichtig ist. Respekt und Akzeptanz für die Anliegen der anderen sind zentral, aber es geht auch darum, sich gegenseitig zu begleiten und mitzuempfinden, wie es den Menschen geht und wo sie im Leben stehen. Es geht darum, den Menschen mit seiner jeweiligen Erfahrung zu akzeptieren. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="666023_image" /></div> <BR /><b>Was hat Ihnen bisher in Südtirol besonders gefallen?</b><BR />Talluri: Ich gehe unheimlich gerne auf den Berg und in die Natur. Das Wandern hier ist etwas Besonderes, aber auch die verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Die Natur kann uns vieles lehren, etwa die Langsamkeit, Ruhe und Gelassenheit. Die Natur gibt uns die Kraft, um wieder in den Alltag zurückzukehren. <BR />