„Die Brandverletzten müssten auf mehrere spezialisierte Zentren verteilt werden. Solche Zentren für Schwerstbrandverletzte, auf die Südtirol üblicherweise zurückgreifen kann, gibt es in Verona, Padua, Parma, Cesena und Mailand – weiters in Murnau und München.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1256949_image" /></div> <BR /><BR /><b>Herr Primar, wäre Südtirol gerüstet für so eine Tragödie wie in der Bar „Le Constelllation“ in Crans-Montana?</b><BR />Dr. Marc Kaufmann: So ein Notfall ist der Super-Gau aus Sicht der Notfallmedizin und in weiterer Folge auch der Krankenhäuser, weil es so viele Schwerstverletzte in kurzer Zeit gab. Zudem hatten viele Patienten schwerste Brandverletzungen. Glücklicherweise hat die Zahl der schwerst Brandverletzten in Europa in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen. Dadurch haben allerdings die Zentren, die solche Patienten versorgen, inzwischen geringere Bettenkapazitäten. Eine solche Zahl an Brandverletzten zu versorgen bleibt eine wahnsinnige Herausforderung, auch wenn man sie auf mehrere Zentren verteilt.<BR /><BR /><b>Was geschieht bei der Rettung von Brandverletzten zuallererst?</b><BR />Dr. Kaufmann: In der ersten notfallmedizinischen Phase erfolgen eine adäquate Schmerztherapie, eine Volumentherapie und eine Kreislaufstabilisierung. Häufig sind auch die Atemwege der Patienten betroffen – durch Rauchgasvergiftungen und Verbrennungen der Atemwege und der Lunge. Die Patienten müssen dann in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt und beatmet werden. Das sind die Maßnahmen der ersten Stunden. Im Laufe der nächsten Tage und Wochen müssen dann die Sekundärfolgen behandelt werden – von Wundinfekten bis hin zu Hauttransplantationen, die nur an spezialisierten Verbrennungszentren durchgeführt werden. Teilweise wird gesunde Haut von anderen Stellen des Körpers verwendet, um die verbrannten Stellen abzudecken, teilweise kommen Kunsthaut oder Hautersatzpräparate zum Einsatz.<BR /><BR /><b>In welchen großen Zentren werden Kinder bei schweren Verbrennungen behandelt?</b><BR />Dr. Kaufmann: Unser erster Ansprechpartner für schwerstverbrannte Kinder ist im deutschen Sprachraum München – in Italien hingegen Verona, Padua oder Mailand. <BR /><BR /><b>Warum sind Verbrennungen bei der Notfallmedizin selten geworden?</b><BR />Dr. Kaufmann: Wegen der gut informierten und aufgeklärten Bevölkerung und weil viele unserer Geräte und Praktiken sicherer geworden sind. Da sich auch die Arbeitssicherheit und die Brandschutzbestimmungen stark verbessert haben, kommt es zu weniger Unfällen mit Verbrennungen im Vergleich zu früher. Anders sieht es leider in Ländern mit Kriegen aus oder wo es bewaffnete Unruhen gibt.<BR /><BR /><b>Wie beurteilen Sie den Rettungseinsatz in der Schweiz?</b><BR />Dr. Kaufmann: Hut ab und allergrößten Respekt vor dem, was die Schweiz in den Stunden nach dem Brand an notfallmedizinischer Versorgung auf die Beine gestellt hat. Das war eine unglaubliche Leistung, die wahrscheinlich wenige Länder in Europa schaffen würden. Wir haben ein sehr enges Verhältnis zur Schweizer Rettungsflugwacht REGA. Ich kenne den Chefarzt sehr gut – wir pflegen einen regen Austausch und eine intensive Zusammenarbeit seit vielen Jahren. Die Schweiz hat eine sehr stark ausgebaute Flugrettung Tag und Nacht. Die Schweizer Rettungsflugwacht REGA ist eine fixe Instanz in der Schweizer notfallmedizinischen Versorgung mit sehr großen Transportkapazitäten was Hubschrauber betrifft – aber auch mit Ambulanzflugzeugen für weitere Strecken.