Donnerstag, 19. März 2020

Primar Marc Kaufmann: „Wir werden an unsere Grenzen stoßen“

Auf der täglichen Pressekonferenz informierten am Donnerstag Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landesrat Thomas Widmann und der Primar der Notfallmedizin Marc Kaufmann über die aktuelle Lage. Letzterer erklärte, dass der Sanitätsbetrieb in dieser Covid-19-Krise trotz aller Anstrengungen an die Grenzen stoßen wird und was jetzt jeder Einzelne von uns tun muss.

Marc Kaufmann, Primar der Notfallmedizin.
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Marc Kaufmann, Primar der Notfallmedizin.
Kaufmann erklärte zunächst die Vorgangsweise in dieser äußerst komplizierten Situation. Wir haben es geschafft, eine zentrale Koordination zu Covid-19 aufzubauen, wo die strategischen Entscheidungen angesiedelt sind. Es gibt einen dynamischen Stufenplan bezüglich der Bettenkapazitäten. Alle 7 Krankenhäuser des Landes sind mit eingebunden, um die Aufgaben zu bewältigen.

Zentraler Punkt: Sensible Strukturen schützen

Die Pre-Triage-Zelte, die vor allen Südtiroler Krankenhäuser eingeführt wurden, dienen dazu, die sensiblen Strukturen, sprich die Krankenhäuser und das Personal zu schützen.Das ist ein zentraler Punkt in diesem Konzept. Der Preis, den wir dafür zahlen ist hoch: Die Krankenhäuser laufen auf Notbetrieb. Covid 19 steht an erster Stelle, alles richtet sich derzeit darauf aus, das Virus zu bekämpfen.“

„Trotz aller Anstrengungen des Sanitätsbetriebs werden wir an die Grenzen stoßen und an die Kapazitätsgrenzen gelangen. Deshalb brauchen wir die Hilfe der Bevölkerung, damit wir helfen können. Es ist ganz wichtig, jetzt diese Infektionskette zu unterbrechen und die Ausbreitungsgeschwindigkeit verringern, dass es uns gelingt, die medizinische Notfallversorgung aufrecht zu erhalten.“

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Appell an die Bewohner der Ballungsräume


„Bitte halten Sie sich an die Regeln. Der Schwerpunkt liegt in den Ballungsräumen, im urbanen Bereich. Bitte halten Sie sich auch dort strikt an die Regeln. Wir spazieren auf einem Grad. Es liegt an uns, in welche Richtung es geht“, so der Primar.

„Covid 19 wird hauptsächlich über Tröpfcheninfektion übertragen, man muss die Atemwege schützen. Textile Barrieren, wie etwa diese Halstücher, reichen oft schon aus. Mit denen kann man verhindern, dass Tröpfchen weitergegeben werden.“

STOL hat über die Halsschlaufen bereits berichtet.

Kompatscher: Nichtbeachtung der Regeln ist kein Kavaliersdelikt

Landeshauptmann Kompatscher appelliert erneut an die Bevölkerung: „Es wird und muss jetzt hart durchgegriffen werden. In allen Gemeinden Südtirols wird jetzt massiv kontrolliert und es wird auch gestraft. Die Nichtbeachtung der Maßnahmen ist kein Kavaliersdelikt. Halten Sie sich diszipliniert an die Regeln und bleiben Sie zu Hause.“

Anstiegsphase bleibt steil

Widmann liefert anschließend wieder die Corona-Zahlen für Südtirol. Die Zahl der infizierten Personen in Südtirol steigt, wie berichtet, weiter an. Seit Mittwoch und bis Donnerstagmorgen wurden im Südtiroler Sanitätsbetrieb über 1000 Abstriche angeliefert, davon konnten bisher 750 ausgewertet werden. 58 ergaben ein positives Resultat. Die Gesamtzahl der Sars-CoV-2-Infizierten in Südtirol ist damit auf 441 gestiegen.




Seit Beginn der Pandemie wurden im Südtiroler Sanitätsbetrieb 3.568 Abstriche von 2504 Personen untersucht. Auf den Normalstationen des Sanitätsbetriebes sind 134 positiv auf Sars-CoV-2 getestete Personen untergebracht. Dazu kommen noch 59 (statt 102) Personen, die unter Verdacht einer Corona-Infektion stehen.

25 Personen werden in den Einrichtungen des Sanitätsbetriebes intensiv betreut. Die Zahl der mit Covid-19 gestorbenen Patientinnen und Patienten ist nun auf 16 gestiegen. Die Anzahl der Personen, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, ist ebenfalls nach oben geklettert. Insgesamt sind es mit Stand von Mittwochabend nun 1619 Personen.
Widmann erinnerte erneut daran: „Keine sozialen Kontakte, bleiben Sie zu Hause, desinfizieren Sie zu Hause die Flächen und bleiben Sie diszipliniert. Wir werden das Virus besiegen, wenn wir uns an die Maßnahmen halten.“
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