Sonntag, 21. Januar 2018

Prinzenhochzeit und Obdachlose: In Windsor gibt's Ärger

Ein Lokalpolitiker fordert, Obdachlose vor Prinz Harrys Hochzeit aus Windsor zu verbannen und löst Ärger aus. Doch das Thema betrifft nicht nur Windsor. Das Parlament spricht von einer nationalen Krise.

Prinz Harry wird im Mai die US-Schauspielerin Meghan Markle heiraten.
Prinz Harry wird im Mai die US-Schauspielerin Meghan Markle heiraten. - Foto: © LaPresse

Vor dem blauen Himmel weht die Fahne Großbritanniens, in den Schaufenstern der Souvenir-Läden winken Queen-Figürchen, und goldene Zaunspitzen strahlen in der Sonne: Windsor ist ein idyllischer Ort und bei Touristen beliebt. Die meisten kommen, um das Schloss im Ortskern zu besichtigen.

Viele Besucher wegen Prinzenhochzeit in Windsor erwartet

In der Residenz westlich von London verbringt die 91-jährige Königin Elizabeth II. viel Zeit. Und dort wird Prinz Harry (33) am 19. Mai die US-Schauspielerin Meghan Markle (36) heiraten.

Zu diesem Anlass werden besonders viele Besucher aus aller Welt erwartet. Doch die hübsche Stadt an der Themse mit rund 32 000 Einwohnern ist nicht nur Touristenmagnet, sie hat auch eine ganz andere Seite.

Obdachlose sollen vor royaler Hochzeit aus der Stadt verbannt werden

Entlang der Einkaufsstraße, die hinter den Mauern um das imposante Schloss Windsor entlangführt, haben rund zehn Obdachlose ihre Lager aufgeschlagen. Einige suchen in Bushaltestellen Schutz vor dem eisigen Januar-Wind. Andere haben sich auf dem Bürgersteig vor den Schaufenstern der Läden und Restaurants niedergelassen.

Genau diese Seite von Windsor hat jüngst für Schlagzeilen gesorgt. Der konservative Kommunalpolitiker Simon Dudley hatte gefordert, dass Obdachlose vor der royalen Hochzeit aus der Stadt verbannt werden sollten.

In einem Brief an den lokalen Polizeichef hatte er unter anderem beklagt, sie würden die „schöne Stadt“ in einem „unvorteilhaften Licht“ darstellen. Dafür gab es heftigen Widerspruch von mehreren Seiten, auch von Premierministerin Theresa May.

Dudley könnte sogar seinen Posten als Vorsitzender des Kommunalparlaments von Windsor und Maidenhead verlieren. Am 29. Januar soll in Windsor über seine Zukunft entschieden werden.

Obdachlosigkeit ist nationales Problem

In London, wo der Prinz und Meghan Markle Medienberichten zufolge nach ihrer Trauung leben werden, ist Obdachlosigkeit ein wachsendes Problem.

Nach einem Bericht der Zeitung „The Guardian“ gibt es hier die meisten Obdachlosen Großbritanniens. Einer von 59 Menschen in der britischen Hauptstadt hat demnach kein Zuhause. Statistiken der Hilfsorganisation Shelter zeigen: Es werden immer mehr.

Dieser Trend gilt aber nicht nur für London. Im Dezember sprach das Parlament mit Blick auf Obdachlosigkeit von einer „nationalen Krise“.

Verkauf von Zeitungen soll Obdachlosen ein Einkommen garantieren

Eine Krise, die sich schon vor Jahrzehnten anbahnte: Als Reaktion auf die wachsende Zahl an Obdachlosen in London wurde bereits 1991 die wöchentlich erscheinende Obdachlosen-Zeitung „The Big Issue“ gegründet. Die Macher wollen den Menschen durch den Verkauf die Chance auf ein Einkommen geben und ihnen so zu einem festen Wohnsitz verhelfen.

In einer der jüngsten Ausgaben wendet sich der Chefredakteur der Obdachlosen-Zeitung, Paul McNamee, direkt an Prinz Harry und Markle. Mit Blick auf die Diskussion über Obdachlose in Windsor schreibt er: „Es gibt einen einfachen Weg, wie Harry und seine zukünftige Frau sich wirklich engagieren können. (.) Veröffentlicht eure Hochzeitsbilder in “The Big Issue„. (.) Wie wäre es, Harry?“

dpa

stol