„Das ist nicht in Ordnung“, findet Schullandesrätin Sabina Kasslatter Mur und kündigt eine neue Debatte über die Finanzierung an.Gleichgestellte Privatschulen werden durch den Träger, durch Elternbeiträge und großteils vom Land finanziert. Die Beiträge für die Personalkosten belaufen sich auf bis zu 60 Prozent für Mittel- und bis zu 90 Prozent für Oberschulen (eigener Bericht) – wobei 90 Prozent der Personalkosten 70 Prozent der Gesamtkosten seien, wie Christoph Stragenegg, Direktor des Vinzentinums, erklärt. Er gibt zwar zu, dass die Landesförderung in den vergangenen Jahren angestiegen ist. Aber auch die Personalkosten seien gestiegen. „Das kirchliche Personal ist weggefallen. Früher hat eine Ordensschwester zwölf Stunden ehrenamtlich gearbeitet. Jetzt brauchen wir bezahlte Kräfte.“„Sind keine Eliteschulen“Dazu kommt, dass heuer im Bildungswesen neun Prozent eingespart werden müssen. „Das trifft uns bei den Personalkosten, die öffentliche Schule nur bei der Ausstattung, weil das Personalwesen nicht gekürzt wurde“, sagt Wolfgang Malsiner, Direktor des Franziskanergymnasiums in Bozen. Besonders hart trifft dies die Mittelschulen, die ohnehin knappere Beiträge erhalten. So kommt die Mittelschule Mariengarten in St. Pauls nur über die Runden, wenn die Renten der Mitschwestern hergenommen werden, wie Direktorin Schwester Ancilla Wieser erklärt. Den Beitrag der Eltern – 3500 Euro pro Jahr für Internatsschüler und 2400 für Tagesschüler – weiter anzuheben, hält sie nicht für angemessen.„Gleiches Recht und Pflicht“ Auch für Schwester Maria Regina Rainer vom Herz-Jesu-Institut in Mühlbach kommt das nicht in Frage – 3110 Euro zahlen dort Internatsschüler. „Auch die Eltern haben das Geld oft nicht.“ Und wenn ein Kind in ihre Schule wolle, dann solle es nicht am Geld scheitern. So muss auch das Herz-Jesu-Institut auf die Renten zurückgreifen. Den Schulbetrieb aufzugeben, daran habe sie nie gedacht: „Unsere Mutter Anfängerin hat damit begonnen. Diese Uraufgabe wollen wir erhalten.“Mehr Schulgeld zu verlangen, findet auch Stragenegg nicht richtig. „Seine“ Mittel- und Oberschüler zahlen zwischen 2800 und 2900 Euro für Schule und Heim. „Das ist nicht wenig. Die kirchlichen Schulen sind nicht gegründet worden, Eliteschulen für Reiche zu sein, sondern für alle Schichten.“Dass sich die kirchlichen Privatschulen mit den Mindestrenten der Schwestern über Wasser halten, „entsetzt“ Schullandesrätin Sabina Kasslatter Mur. Sie wollte die Kürzungen gerecht verteilen, die Privatschulen verschonen, sei ihr nicht gerecht erschienen. Sie verweist auf einen möglichen Nachtragshaushalt, denkt aber bereits an eine neue Debatte über die Finanzierung. „Dann schauen wir uns an, wie wichtig diese Schulen für die Gesellschaft und das Bildungswesen sind, welchen sozialen Auftrag sie oft auch erfüllen“, so Kasslatter Mur. Damit ist auch Schulamtsleiter Peter Höllrigl einverstanden. „Wir schätzen diese oft ältesten Schulen im Land und ihren Beitrag zum Bildungssystem. Aber gleiche Rechte bedeuten auch gleiche Pflichten.“ Im Klartext: Wenn die Privatschulen wollen, dass die Personalkosten nur von der öffentlichen Hand bestritten werden, dann geht es nicht, dass sie sich ihre Lehrer aussuchen können. Und auch die Schülerpopulation würde sich verändern.wib/D