Gregor Kompatscher ist stinksauer. Seit den 1960er-Jahren vermietet seine Familie in Völs Ferienzimmer, 1995 übernahm seine Frau den Betrieb. Dass sie jetzt – wie viele andere – einen 2.500 Euro teuren Kurs von 80 Stunden absolvieren muss, weil im Vorjahr einige Betten dazukamen, kann er nicht verstehen. <BR /><BR />„Hier wird der Eindruck vermittelt, als sei jahrzehntelange Erfahrung nichts mehr wert“, so Kompatscher in einem Schreiben, das seither viele Privatvermieter übernommen und an Landesrat Walcher weitergeleitet haben. <BR /><BR />Niemand habe etwas gegen eine Ausbildungspflicht für Neueinsteiger. Eine rückwirkende Ausbildungspflicht für jene, die nach dem Bettenstopp 2022 zusätzliche Betten erhalten oder die Betriebsstruktur verändert hätten, sei weder sachlich noch rechtlich in Ordnung. Da der Verband der Privatvermieter dieses Vorgehen verteidige und begrüße, würden sich zahlreiche langjährige Vermieter durch den Verband „nicht mehr vertreten“.<BR /><BR />„Als Verband stehen wir zu 100 Prozent zu den Kursen, um sicherzustellen, dass es Privatvermietung künftig noch gibt“, so Obmann Hannes Gasser. Er finde es zwar nicht gut, dass langjährige Vermieter wegen einiger Betten mehr einen Kurs absolvieren müssen. Rückwirkende Maßnahmen seien rechtlich zudem immer problematisch. „Aber dass bei Betriebsübergaben die Kinder eine Ausbildung vorweisen müssen, ist richtig. Gleiches Recht für alle.“ Für UaB und Hotels sei auch eine Ausbildung nötig. Der Verband startet mit drei Kursen, die Kohl & Partner abhalten.<BR /><BR />Gestern ging Landesrat Walcher mit einem Schreiben in die Offensive. Es gehe nicht darum, die Erfahrung und Leistung langjähriger Gastgeber abzuwerten. „Im Gegenteil: Ziel ist es, die Privatzimmervermietung zu stärken, Qualität abzusichern, zweifelhafte Angebote zu unterbinden“, so Walcher. Die Kurzzeitvermietung, die mit klassischer Privatzimmervermietung wenig gemeinsam habe, nahm Überhand, weshalb es nun vergleichbare Ausbildungsvorgaben für UaB, Gastgewerbe und Privatvermietung gebe. „In einer Zeit, in der Tourismus in Teilen der Bevölkerung an Akzeptanz verliert, war dies unausweichlich“, so Walcher.