Im Interview schneidet der 43-jährige Obst-, Vieh- und Weinbauer mehrere Themen und Probleme an. Außerdem fordert er die Landespolitik klar dazu auf, „rasch damit zu beginnen, für das Land zu arbeiten“.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Dosser, sind die Bauern nun zufrieden, dass Luis Walcher ihr Landesrat wird?</b><BR />Hannes Dosser: Mit der Entscheidung, dass Luis Walcher Agrarlandesrat wird, wurde dem Wählerwillen Rechnung getragen – er hat gesiegt. Nicht sinnvoll finde ich, dass Walcher auch für den Tourismus zuständig sein wird. Denselben Landesrat mit den Bereichen Landwirtschaft und Tourismus zu betrauen, hat schon in den vergangenen 5 Jahren nicht funktioniert. Wenn diese Bereiche in einer Person vereint sind, kommen leider keine Kompromisse heraus, wenn es Probleme und Knackpunkte gibt. Denn um ein Ergebnis zu erzielen, das allen Seiten in Ordnung geht, muss diskutiert und oft auch gestritten werden, und dafür braucht es 2 Personen. Über 3 Monate nach der Landtagswahl ist es wichtig, dass die Politiker rasch damit beginnen, für das Land zu arbeiten. Außerdem sollten sie die allseits bekannten Probleme angehen. <BR /><BR /><b>Vor welchen Herausforderungen steht die Landwirtschaft?</b><BR />Dosser: Es braucht ein Auskommen mit dem Einkommen. In der Berglandwirtschaft ist es ja schon eine Selbstverständlichkeit, dass es ein zweites Standbein braucht, um über die Runden zu kommen. Mittlerweile müssen aber auch Bauern im Obst- und Weinbau einem Nebenerwerb nachgehen. Und oft reicht ein zweites Standbein gar nicht aus. Wir haben viele Bergbauern im Land, die Steilhänge bearbeiten müssen und es schwer haben. Es gibt aber auch jene Bergbauern, die ebene Flächen besitzen, deren Bewirtschaftung weniger Schwierigkeiten mit sich bringt. Dasselbe gilt auch für den Obst- und Weinbau. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63083410_quote" /><BR /><BR /><b>Was brennt den Landwirten noch unter den Nägeln?</b><BR />Dosser: Mir fehlt vielfach der Respekt vor unseren Produkten und unserem Besitz, der vielfach auch touristisch genutzt oder für Bauvorhaben gebraucht wird. Das Entgegenkommen seitens der Landwirtschaft ist für viele eine Selbstverständlichkeit. Das stört mich gewaltig. Und wenn im öffentlichen Interesse bäuerliche Flächen benötigt werden, dann muss das Ganze auch einen Wert haben und entsprechend vergütet werden. Interessant ist, dass die öffentliche Hand den Privaten bei Bedarf Grundflächen wegnimmt, sie selbst aber nicht bereit ist, Grundstücke bereitzustellen.<BR /><BR /><b>Spielen Sie damit auf den geplanten Ausbau der Bahnlinie Bozen-Meran an?</b><BR />Dosser: Dieses Vorhaben ist ein gutes Beispiel dafür, wie viel Respekt die Politik vor privatem Eigentum hat. Auf der einen Seite reden wir von Nachhaltigkeit und vom Einschränken des Grundflächenverbrauchs. Und auf der anderen Seite will die Politik ohne Wenn und Aber eine neue Bahntrasse errichten. Man muss bedenken, dass es nicht um den Ausbau der bestehenden, sondern um eine neue Trasse geht. Das ist eine Katastrophe. Wir werden uns dagegen wehren. Zudem sollte, bevor ein solches Projekt in die Wege geleitet wird, mit den Grundbesitzern geredet werden. <BR /><BR /><b>Bär und Wolf sind auch ein heißes Eisen – vor allem am Berg?</b><BR />Dosser: Es ist an der Zeit, dass das Großraubwild reguliert wird. Der heutige Schutzstatus für Bär und Wolf ist nicht gerechtfertigt, weil sie nicht gefährdet sind. Im Wald gibt es aber ein weiteres Problem.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="986836_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welches?</b><BR />Dosser: Den Borkenkäfer. Unsere Forstbehörde war immer zurückhaltend, wenn es um die Erlaubnis ging, Holz zu schlägern, weshalb wir jetzt einen veralteten Waldbestand haben. Alte Bäume sind schwächer und anfälliger: Deshalb werden sie in erster Linie vom Borkenkäfer befallen. Unsere Forstbehörde hat es leider unterschätzt, welche Folgen die Veralterung mit sich bringt.<BR /><BR /><b>Das geplante Alperia-Pumpspeicherwerk in Ulten ist in aller Munde und sorgt für Kritik: Was sagt die Landwirtschaft dazu?</b><BR />Dosser: Ich vertrete die Meinung, dass die Bevölkerung einen Nutzen daraus ziehen sollte. Das gilt prinzipiell für alle Großprojekte, denn dann wäre auch die Akzeptanz größer. Die Hinterpasseirer sind ein Beispiel dafür, dass von der Stromwirtschaft alle etwas haben können. Die Ultner haben relativ wenig von den Stauseen, den E-Werken und von den restlichen Infrastrukturen zur Stromerzeugung. Mir ist auch zu Ohren gekommen, dass es besser wäre, zuerst die bestehenden Infrastrukturen wieder auf Vordermann zu bringen und erst dann ein neues Projekt anzugehen. <BR /><BR /><b>Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Landwirtschaft?</b><BR />Dosser: Mehr Wertschätzung für den Bauernstand. Zudem sollte die Politik endlich ihr Versprechen einlösen, die Bürokratie zu verringern. Und wenn das nicht machbar ist, sollte sie zumindest nicht mehr zunehmen.<BR /><BR /><BR /><BR />