Freitag, 10. Juli 2020

Problembärin „Jj4“ darf vorerst nicht getötet werden

Bärin „Jj4“, die für den Angriff auf 2 Männer am Monte Peller im Trentino verantwortlich ist, darf vorerst nicht entnommen werden. Dies hat das Verwaltungsgericht Trient am Freitag entschieden und setzt damit die Abschussverfügung des Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti vorerst aus. Ein Teilerfolg für die Umwelt- und Tierschützer, die einen Rekurs gegen die Verfügung eingereicht hatten.

Bärin „Jj4“ ist die Schwester von Problembär Bruno (im BIld)
Bärin „Jj4“ ist die Schwester von Problembär Bruno (im BIld)
Das Tier hatte am 22. Juni einen 59-Jährigen und seinen 28-jährigen Sohn im Tal Val di Sole angegriffen. Der Vater erlitt bei dem Vorfall Knochenbrüche in einem Bein und tiefe Wunden. Der Sohn kam mit oberflächlichen Verletzungen davon. Dank der Analyse des Speichels auf den Kleidern der angegriffenen Männer wurde das Tier als eine 14 Jahre alte Bärin identifiziert, die unter dem Code „Jj4“ bekannt ist.

Der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti verfügte kurz darauf den Abschuss der Bärin. „Der Umgang mit den Bären in unserer Region ist wegen der Zahl der Exemplare problematisch.“

Gegen die Tötung von „Jj4“ wehrten sich allerdings nicht nur verschiedenste Tierschützer und Umweltorganisationen, sondern auch Umweltminister Sergio Costa. Er rief die Trentiner Behörden auf, der Bärin dieses Schicksal zu ersparen.

Die Tierschutz- und Naturschutzverbände legten einen Rekurs gegen die Abschussverfügung ein und erzielten am Freitag vor dem Landesgericht Trient einen Teilerfolg: Bärin „Jj4“ darf vorerst nicht entnommen werden, die Provinz Trient müsse – so das Gericht – zunächst andere Maßnahmen ergreifen, wie etwa die Gefangennahme des Tiers oder die Anbringung eines Halsbandes mit Peilsender.


90 Bären in freier Wildbahn im Trentino



„Jj4“ ist die Tochter der Bärin Jurka, die 2010 im ersten Bärenpark des deutschen Bundeslandes Baden-Württembergs im Wolftal bei Bad Rippoldsau-Schapbach untergebracht wurde. Der Park ist als Asyl für ehemalige Wildtiere gedacht, die nicht mehr ausgewildert werden können. Die ursprünglich aus Slowenien stammende Bärin war im Trentino betreut und auf die Auswilderung vorbereitet worden. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, da sich die 14 Jahre alte Jurka zu sehr an Menschen gewöhnt hatte.

Ihr Sohn Bruno war am 26. Juni 2006 in Oberbayern erschossen worden. Unter Tierschützern hatte das heftige Proteste ausgelöst. Im Trentino leben circa 90 Bären in freier Wildbahn. Manchmal dringen sie in Wohngebiete ein und attackieren Nutztiere. Im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts war im Jahr 1999 ein Dutzend Bären aus Slowenien in die Region gebracht und ausgesetzt worden.

ansa/stol