<BR />„Was Lehrkräfte Schülern mitgeben, auch die zusätzlichen Angebote, ist aus pädagogisch-didaktischer Sicht enorm wichtig“, sagt die Expertin. Doch eben deswegen hätten sie schon längst in einem verbindlichen Programm verpackt werden müssen. „Doch dafür müssten wir über eine ganz andere Schule sprechen, mit mehr Ressourcen und einer anderen Organisation“, erklärt sie. <h3> Zusatzangebote: Glück oder Pech</h3>Hier zu handeln, und zwar strukturiert und durchdacht, habe die Politik verabsäumt: Immer mehr Themen, die für eine gesunde Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen wichtig sind, sind in den vergangenen Jahren selbstredend an die Schule delegiert worden. <BR /><BR />Doch ohne den Weg zu Ende zu gehen, indem man nicht die entsprechenden Ressourcen (Personal und Stunden) bereitstellt und selbst wirklich Wichtiges weiterhin als Kann-Inhalt mitlaufen ließ. „Schon bisher hatten die einen Schüler Glück, weil ihre Lehrkraft externe Experten eingeladen und Projekte organisiert hat. Und andere hatten Pech. So gibt es Zusatzangebote, die jetzt wie Geschenke ausschauen. Das darf aber gerade bei zentralen Themen nicht der Fall sein“, stellt Zanin klar. <h3> Verpflichtendes Curriculum</h3>Man hätte also zumindest aus all den zusätzlichen Möglichkeiten und Angeboten diejenigen herausfiltern und zu einem Teil des verpflichtenden Curriculums machen sollen, die jeder Schüler unbedingt mitbekommen sollte. „Auf Themen wie Drogen, Alkoholkonsum und Gewalt kann man in der Schule nicht verzichten, sie gehören fest verankert und wissenschaftlich evaluiert“, fordert Prof. Zanin. <BR /><BR />Mehr Aufgaben also für die Lehrer, hinzu kommen Herausforderungen durch immer komplexere Klassen. Alles zusammen unter den aktuellen Rahmenbedingungen einfach zu viel, denn „um das alles stemmen zu können, brauchen Lehrer mehr Zeit mit den Schülern und weniger bürokratischen Aufwand. Und es braucht mehr Lehrer. <BR /><BR />„Es ist schade, dass der Protest der Lehrer auf das Finanzielle reduziert wird“, findet sie. Denn zumindest ebenso wichtig sei deren Forderung nach mehr Qualität in der Bildung, indem das ganze System Schule neu gedacht werden müsste. „Der Lehrer-Protest ist ja gerade ein Ausdruck dieser bisherigen Versäumnisse. Die Lehrer legen hier den Finger in die Wunde.“ <h3> „Interdisziplinärer Arbeitstisch“</h3>Dass eben dieser Expertenunterricht auf solide und weniger zufällige Füße gestellt gehört, befand jüngst auch der Südtiroler Landtag: Auf Antrag von Alex Ploner (Team K) hat er im heurigen Mai die Landesregierung verpflichtet, „die Rahmenbedingungen für den Expertinnen- und Expertenunterricht an Südtirols Schulen zu analysieren und zu optimieren“.<BR /><BR /> Es soll ein „interdisziplinärer Arbeitstisch“ eingerichtet werden, um Ansätze und Handlungsempfehlungen für eine Reform der Landesregelungen zum Expertinnen- und Expertenunterricht an Schulen der Primar- und Sekundarstufe auszuarbeiten. Der Beschlussantrag war mit 26 Ja-Stimmen und 4 Enthaltungen genehmigt worden.