Montag, 25. Januar 2016

Proporz, Männerdomäne, Teilzeit: Öffentliche Bedienstete im Blick

Die neuste Studie des Landesinstituts für Statistik Astat hat die öffentlich Bediensteten im Jahr 2014 untersucht. Dabei stellt sich heraus: Nicht immer wird der Proporz eingehalten. Und: Gewisse berufliche Klischees sind auch im 21. Jahrhundert noch topaktuell.

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49.300 öffentliche Bedienstete hat das Landesinstitut für Statistik Astat Ende des Jahres 2014 gezählt. Gemessen an der Zahl der unselbstständig Erwerbstätigen stellt sich heraus: Jede vierte unselbstständig erwerbstätige Person arbeitet im öffentlichen Dienst.

Der Großteil der öffentlichen Bediensteten, nämlich 40.440 Personen, sind in Lokalverwaltungen angestellt. Nur 7311 Personen arbeiten in staatlichen Verwaltungen und Sozialversicherungsanstalten, 1549 sind bei privatisierten Betrieben mit staatlicher Beteiligung – also Post und Staatsbahn – tätig.

Zu den Lokalverwaltungen zählen unter anderem die Gemeinden, der Sanitätsbetrieb, Staatsschulen, Straßendienst, Berufsfeuerwehr und andere.

Teilzeitanstellungen haben zugenommen

Seit 2009 ist die Anzahl der Bediensteten bei den Lokalverwaltungen stetig angestiegen. Als Grund dafür sehen die Experten des Astat unter anderem den kontinuierlichen Anstieg bei den Teilzeitbediensteten. Von 40.440 Angestellten in der Lokalverwaltung seien 34.680 Personen Vollzeit angestellt, was den Schluss zulässt, dass 5720 Personen in Teilzeit arbeiten.

Proporz in den Lokalverwaltungen

Durchaus erfreulich ist die Tatsache, dass die Sprachgruppenverteilung bei den Bediensteten der Lokalverwaltungen dem im Autonomiestatut festgeschriebenen Proporz entspricht: „Ende 2014 sind unter den dort Bediensteten 70,5 Prozent Deutsche, 26,0 Prozent Italiener und 3,5 Prozent Ladiner. Die Volkszählung ergibt 69,4 Prozent Deutsche, 26,1 Prozent Italiener und 4,5 Prozent Ladiner“, erklären die Experten des Astat.

Auch sei ersichtlich, dass insgesamt fast drei von vier Bediensteten weiblichen Geschlechts seien. Die Lehrpersonen hätten den größten Frauenanteil, gefolgt vom Sanitätsbetrieb und der Landesverwaltung.

Weniger Staatsangestellte in Südtirol – Proporz weicht stark ab

Anders als im Bereich der Lokalverwaltungen ist laut der Experten von Astat waren Ende 2014 weniger Personen im Bereich der staatlichen Verwaltungen, der Sozialversicherungsanstalten sowie der Bahn und Post angestellt als noch 2009.

Während die Frauen in den Ministerien und bei den Sozialversicherungsanstalten NISF, INAIL und Pensionskasse klar die Oberhand haben, sind Polizei und Militär ganz klar eine Männerdomäne: Hier stehen den 5711 Männern nur 437 Frauen gegenüber. Selbiges gilt für die Staatsbahn und die Post.

Anders als bei den Lokalverwaltungen weicht die Sprachgruppenverteilung der Bediensteten der Staatsverwaltungen ziemlich stark vom Proporz laut Volkszählung 2011 ab. „Sieht man einmal von Polizei und Militär ab, von denen keine Informationen zur Sprachgruppenzusammensetzung bekannt sind, so gehört bei den restlichen Bediensteten doch fast jeder zweite zur italienischen Sprachgruppe“, berichten die Experten. Dem Proporz etwas näher kämen lediglich die Postbediensteten und die Bahnbediensteten.

Männer und Frauen auch weiterhin in ihren traditionellen Berufsbildern

Innerhalb der Landesverwaltung sind 10.001 Personen von insgesamt 12.199 unbefristet angestellt. Der Großteil der Landesbediensteten – Ende 2014 waren es 68,4 Prozent –  ist weiblich.

Auch bei den Gemeindeverwaltungen ist der Großteil der Bediensteten unbefristet angestellt (4165 von 4531 Personen). Wie auch in der Landesverwaltung sind auch bei den Gemeinden mehrheitlich Frauen angestellt, die Schere ist jedoch bei Weitem nicht so gespreizt: Hier sind 58,8 Prozent weiblich, 41,2 Prozent männlich.

Wie die Experten des Landesinstituts mehrmals betonen, bekleiden Männer und Frauen auch 2014 vorwiegend traditionell ihrem Geschlecht zugeordnete Berufe - sowohl in der Landesverwaltung als auch bei den Gemeinden.

So sind beispielsweise die Frauen in der Landesverwaltung vorwiegend Schulwartinnen und Kindergärtnerinnen, die Männer Landeslehrer an den Berufsschulen und Straßenwärter.

Traditionelle Berufsbilder in der Sanität: Arzt und Krankenschwester

Auch im Sanitätsbetrieb sind Teilzeit und traditionelle Berufsbilder weit verbreitet. Von 8889 Angestellten arbeiten 60,2 Prozent Vollzeit, der Rest in Teilzeit. Auch hier überwiegt klar der Frauenanteil.

Auch heute werden die traditionellen Berufsbilder in diesem Sektor von den klassischen Geschlechtern ausgeübt: So sind die meisten Männer sanitäre Leiter und Ärzte, während der Großteil der angestellten Frauen Krankenpflegerinnen, Helferinnen oder Verwaltungssachbearbeiterinnen sind.

Staatliche Schulen: Mehr befristetes und älteres Lehrpersonal an den Oberschulen

Während auch in den staatlichen Schulen der Anteil der Frauen jenen der Männer bei Weitem übersteigt, finden sich hier verhältnismäßig mehr befristet beschäftigte Angestellte als in den anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung.

„Der Prozentanteil der befristet beschäftigten Lehrpersonen ist in der Oberschule (27,6 Prozent) und in der Mittelschule (26,6 Prozent) wesentlich höher als in der Grundschule (16,3 Prozent)“, zeigt die Studie des Astat.

Auch in der Altersstruktur weichen die Zahlen je nach Art der Schule ab. So liegt der Anteil der Lehrpersonen im Alter von über 50 Jahren an den Mittel- und Oberschulen deutlich höher als in den Grundschulen (36,7 bzw. 38,2 Prozent gegenüber 26,2 Prozent).

Ebenfalls ersichtlich sei, dass die Männer generell älter seien als ihre weiblichen Kollegen.

stol/liz

stol