Donnerstag, 02. April 2015

Prostitution und Diebstahl: Zuhälterring ausgehoben

Mit einem personellen Großaufgebot von rund 200 Mann haben die Carabinieri am Mittwoch einen rumänischen Zuhälterring gesprengt. Am Donnerstag gaben die Ordnungshüter auf einer Pressekonferenz Details bekannt.

Foto: Carabinieri/DLife
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Foto: Carabinieri/DLife

Rund 200 Einsatzkräfte auf 70 Fahrzeugen, unterstützt von der Hundestaffel und der Hubschrauber-Einheit durchzogen seit den frühen Morgenstunden am Mittwoch die Stadt. In der Tasche: 26 Haftbefehle.

Der rumänischen kriminellen Organisation wird vorgeworfen, junge Frauen als Prostituierte für den norditalienischen Markt „angeworben“ und „betreut“ zu haben.

Einmal in Südtirol Fuß gefasst sollen sie ihre kriminellen Machenschaften auf Fahrrad- und Kupferdiebstahl sowie auf Überfälle ausgeweitet haben.

Insgesamt soll die Gruppe im Zuge ihrer Machenschaften mehrere hunderttausend Euro eingenommen haben.

19 Festnahmen, sieben noch auf freiem Fuß

Von den 26 ausgestellten Haftbefehlen wurden 19 bereits ausgeführt. Die verbleibenden sieben Personen befinden sich vermutlich im Ausland und werden nun international gesucht. 

Bei den Verhafteten handelt es sich ausnahmslos um Rumänen, die sich in Italien ohne festen Wohnsitz aufhielten. Entsprechend schwierig war es für die Ermittler, die Männer ausfindig zu machen.

 

Die Carabinieri, im Bild mit Staatsanwalt Guido Rispoli (2. sitzend von links) berichteten am Donnerstag von der Festnahme. Das Foto zeigt die Rumänen auf den Treppen des Bozner Bahnhofs. Foto: Carabinieri/DLife

 

Rund 45 Prostituierte in drei Zonen in Bozen eingesetzt

Der Zuhälterring, dessen Oberhaupt in Turin sitzen soll, konzentrierte seine Geschäfte in Bozen auf drei Zonen: Am Bahnhof, in der Rittnerstraße und am Bozner Boden.

Pro Zone wurden rund 15 Frauen zum Anschaffen geschickt. Die Prostituierten standen stets unter Beobachtung ihrer Zuhälter und mussten das erarbeitete Geld abgeben, sobald der Freier weg war.

Brachte eine der Frauen nicht die gewünschten Ergebnisse, wurde sie durch eine "Neue" ersetzt.

Die Ermittler betonten auf der Pressekonferenz am Donnerstag, es sei auffällig gewesen, wie die Rumäninnen ihre Konkurrenz aus anderen Ländern in besagten Zonen verdrängten: Prostituierte mit dunkler Hautfarbe seien immer seltener gesichtet worden.

Zonen stark unter Beobachtung - Ermittler schritten schnell zur Tat

Die drei Zonen in Bozen standen seit Beginn der Ermittlungen im Sommer 2014 stark unter Beobachtung: Manchmal waren es bis zu 20 Mann, die sich in Zivil auf die Lauer legten.

Dabei erhielten sie starke Unterstützung von den Anrainern: So wurde den Carabinieri sowohl zu Privatwohnungen als auch zu öffentlichen Einrichtungen Zutritt gewährt, um die Beobachtungen durchzuführen. 

Die Beamten waren auf den Zuhälterring durch Fahrrad- und Kupferdiebstähle aufmerksam geworden, die eine vierte Gruppe der organisierten Bande durchführte. Die Diebstähle waren sozusagen ein Nebenzweig des Geschäfts mit der Prostitution.

Die Diebe führten die Ermittler zu den Prostituierten, die teilweise persönliche Beziehungen mit den Männern pflegten.

Wie die Carabinieri auf der Pressekonferenz berichten, habe der Zuhälterring "wie eine Firma" funktioniert: Das Oberhaupt sei immer wieder von Turin nach Südtirol gereist, um "nach den Geschäften zu sehen". 

Vor einer Woche stellte Voruntersuchungsrichter Walter Pelino auf Antrag von Staatsanwalt Andrea Sacchetti die Haftbefehle aus.

Hauptquartier auf den Treppen des Bozner Bahnhofs

Das "Hauptquartier" des Zuhälterrings habe sich, so die Carabinieri, auf den Treppen des Bozner Bahnhofs befunden. Dort hätten sich die Männer mehrfach getroffen.

Da es sich ausschließlich um Rumänen handelte, zogen die Ermittler einen rumänischen Kollegen hinzu: Dieser half, die Dialekte, in denen sich sowohl die Männer als auch die Frauen unterhielten, um nicht verstanden zu werden, zu übersetzen.

liz/ih

stol