Donnerstag, 25. Juni 2020

Proteste in Italien: Kein Datum für Schulöffnungen

In 60 italienischen Städten ist es am Donnerstag wegen der Corona-Maßnahmen zu Protesten gegen die Regierung in Rom gekommen. Diese habe immer noch kein Datum für die Wiedereröffnung der Schulen bekanntgegeben, die seit 5. März geschlossen sind, so die Kritik.

Auch Matteo Salvini beteiligte sich am Donnerstag an einer Protestkundgebung vor dem Bildungsministeriums in Rom.
Auch Matteo Salvini beteiligte sich am Donnerstag an einer Protestkundgebung vor dem Bildungsministeriums in Rom. - Foto: © ANSA / ANSA/MASSIMO PERCOSSI
Ausgerufen wurden die Kundgebungen von einem Komitee aus Eltern und Lehrern, das mit dem Slogan „Die Schule hat Priorität“ protestierte.
Das Komitee beschuldigt die Regierung, das Schulsystem zu vernachlässigen. Die Schulen werden in Italien nicht vor September aufgesperrt. Unklarheit besteht noch über die Vorsichtsmaßnahmen, die nach der Wiedereröffnung gelten sollen. Darüber verhandelt Schulministerin Lucia Azzolina mit den Lehrergewerkschaften. Eltern fordern, dass Kinder wieder in die Klassenzimmer zurückkehren sollen und der Fernunterricht reduziert wird.

Unterricht in Schichten und samstags

Um die Corona-Maßnahmen einzuhalten, soll der Unterricht laut der Ministerin in Schichten gestaffelt werden und auch samstags stattfinden. Auf umstrittene Pläne, wie Plexiglas-Wände um die Schulbänke aufzustellen, hat die Regierung inzwischen verzichtet. So werden Kinder auch keinen Mundschutz tragen müssen. Schulkantinen sollen wieder öffnen.

Der Fernunterricht soll weiterhin aufrechterhalten bleiben, aber nur dort, wo es „die technologischen Möglichkeiten, das Alter und die Kompetenz der Schulen erlauben“, verlautete aus dem Bildungsministerium. Eine Erhöhung der Zahl der eingesetzten Lehrer im nächsten Schuljahr wird ausgeschlossen.

Salvini fordert den Rücktritt der Bildungsministerin

Der Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, beteiligte sich am Donnerstag an einer Protestkundgebung vor dem Bildungsministeriums in Rom. „In ganz Europa gehen Kinder in die Schule, nur in Italien nicht. Das ist verrückt“, protestierte Salvini, der den Rücktritt der Bildungsministerin forderte.

Viele berufstätige Eltern haben aus Zeitgründen Schwierigkeiten mit der Betreuung ihrer Kinder. Zudem greifen zahlreiche Familien aus Sorge vor Ansteckungen nicht auf die sonst wichtige Unterstützung der Großeltern zurück und fühlen sich im Stich gelassen. Unzählige Frauen mussten auf ihren Job verzichten, weil sie die Kinder betreuen müssen. Unter dem Druck von Eltern, Kinderärzten und Lehrern hat die Regierung in Rom die Genehmigung erteilt, Sommercamps für Kinder zuzulassen. Dabei sollen besondere Maßnahmen zum Schutz der Kinder vor Ansteckung ergriffen werden.

In Südtirol sei derzeit denkbar, dass man im September zu einem vorsichtigen Normalbetrieb zurückkehre, so Bildungslandesrat Philipp Achammer.

apa/stol