„Wir können nicht in diesem Zustand leben. Wir befürchten wegen der hohen Sommertemperaturen Epidemien. Wir sind für unsere Kinder besorgt“, betonten einige Demonstranten.In der Nacht auf Freitag mussten Feuerwehrmannschaften wiederholt ausrücken, nachdem Bürger die riesigen Müllberge in Brand gesetzt hatten. 2.500 Tonnen Unrat türmten sich wieder seit einigen Tagen auf den Straßen der Vesuvstadt.Wachleute für die MüllwagenBewaffnete Wachleute sollten in Neapel die Müllwagen eskortieren. Dies sei nötig, weil organisierte Banden die Krise weiter anheizen würden, sagte Bürgermeister Luigi De Magistris besorgt. „Wir werden die Polizei bitten, bewaffnete Wachen für die Lastwagen zu stellen“, sagte er bei der Unterzeichnung einer entsprechenden, ein Monat gültigen Verordnung. „Die sanitäre Lage und Umweltsituation sind ernst. Es gibt ein echtes Risiko für die Gesundheit der Bürger.“ Der Mafiaorganisation Camorra warf de Magistris vor, gegen ihn zu sein, weil er eine „Umweltrevolution“ anstrebe, die die Gesetze zur Entsorgung und zum Recycling von Abfällen verschärfen und der Mafia damit eine Geschäftsgrundlage entziehen werde. Das Geschäft mit der Müllentsorgung ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Camorra."Berlusconi schert sich einen Dreck"Der neugewählte, linksgerichtete Bürgermeister de Magistris warf zudem Regierungschef Silvio Berlusconi vor, bei der Müllkrise versagt zu haben. „Berlusconi hat mit seinem Handeln bewiesen, dass er sich einen Dreck um Neapel schert.“ De Magistris hatte Ende Mai die Bürgermeisterwahl in Neapel für sich entschieden und dabei den Kandidaten von Berlusconis Partei PdL ausgestochen.Neapel bekommt seine Müllentsorgung seit Jahren nicht in den Griff, Deponien und Wiederaufbereitungsanlagen sind überlastet. Zudem wehren sich zahlreiche Anrainer gegen die weitere Nutzung oder Vergrößerung der überfüllten Deponien. In den vergangenen Monaten hatten sich wieder hohe Müllberge aufgetürmt. Bereits mehrmals rückte gar die Armee aus, um der Situation Herr zu werden.apa/afp