Mittwoch, 08. September 2021

Prozess gegen Berlusconi erneut vertagt

Der Gerichtsprozess gegen Italiens früheren Regierungschef Silvio Berlusconi ist am Mittwoch in Mailand erneut vertagt worden.

Silvio Berlusconi.
Silvio Berlusconi. - Foto: © ANSA / Andrea Fasani / Z16
Das Gericht beauftragte einen Mediziner, ein gerichtsärztliches Gutachten über den Gesundheitszustand des viermaligen italienischen Premiers zu erstellen. Der Prozess wurde auf den 15. September vertagt.

Die Anwälte Berlusconis hatten den schlechten Gesundheitszustand des 84-Jährigen beklagt und eine Verschiebung des Verhandlungstermins gefordert. In den letzten Tagen habe sich der Gesundheitszustand des Medienzaren verschlechtert, die Ärzte seien besorgt, berichtete Berlusconis Anwalt, Federico Cecconi. Berlusconi sei nicht in der Lage, vor Gericht zu erscheinen und auf Fragen der Richter zu antworten.

Berlusconi war in den letzten zehn Tagen drei Mal zu medizinischen Checks in die Mailänder Klinik San Raffaele eingeliefert worden. Er hatte sich vor rund einem Jahr mit dem Coronavirus infiziert und kämpft seitdem gegen die Langzeitfolgen von Covid-19. Die Staatsanwaltschaft kritisierte, dass Berlusconis Gesundheitszustand kein Grund sei, die anderen dazu zu zwingen den Prozess zu vertagen. Der Zustand des Politikers sei nicht kritisch, wie die Fotos seines Sommerurlaubs in seiner Luxusvilla auf Sardinien bezeugen würden.

Verfahren gegen 29 Personen

Das Verfahren gegen insgesamt 29 Personen bezieht sich auf einen früheren Prozess um seine „Bunga-Bunga-Partys“ mit jungen Frauen. Der Ex-Premier wird wegen ähnlicher Fälle auch in der toskanischen Stadt Siena strafrechtlich verfolgt. Berlusconi wird vorgeworfen, mehrere Zeugen mit Geld, Schmuck und sogar Gütern im Millionenwert dazu gebracht zu haben, vor Gericht über die Partys zu schweigen.

Strittig war bei der juristischen Aufarbeitung der Partys vor allem, ob Berlusconi wusste, dass die marokkanische Tänzerin Karima al-Mahrough alias Ruby damals noch nicht volljährig war. Berlusconi war vorgeworfen worden, er habe Ruby für Sex bezahlt.

Laut der Mailänder Staatsanwaltschaft gab Berlusconi für das Schweigen der Zeugen zwischen 2011 und 2015 zehn Millionen Euro aus, davon gingen allein sieben Millionen an Ruby. Berlusconis Partei Forza Italia ist seit Mitte Februar Teil des Regierungsbündnisses von Regierungschef Mario Draghi.

apa/dpa/stol

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