Nach mehrmaligen Vertagungen – die Staatsanwaltschaft hatte stets neue Vorhaltungen ins Feld geführt – wurde am Freitag am Bozner Rechnungshof die Verhandlung im Sonderfonds-Verfahren gegen Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder fortgesetzt.1.650.000 Euro Schadenersatz gefordertStaatsanwältin Alessia De Gregorio wirft Durnwalder vor, von 1994 bis 2012 den Großteil des ihm zur Verfügung stehenden Sonderfonds unrechtmäßig verwaltet zu haben. Sie fordert von Durnwalder einen Schadenersatz von 1.650.000 Euro.Am Freitag begann Durnwalders Verteidiger Gerhard Brandstätter sein Plädoyer mit den Worten: "Es gibt Fälle, welche die Emotionen hochkochen lassen - und dieser ist ganz gewiss einer davon." Er empfinde den Prozess aus tiefster Überzeugung als ungerecht, weil man damit dem Ansehen einer Persönlichkeit schaden wolle, die sich jahrzehntelang für das Land Südtirol eingesetzt habe.Außerdem sei die Anklage juridisch unbegründet und unhaltbar. Denn bereits seit den Zeiten von Silvius Magnago werde mit dem Sonderfonds auf gleiche Weise vorgegangen, betonte Brandstätter. Der Rechnungshof habe zudem diese Vorgangsweise stets geprüft und für gut befunden.1994 habe der Rechnungshof zwar eine Neuregelung angeregt, aber auch das daraufhin beschlossene Gesetz sehe nicht vor, dass alle Ausgaben aus dem Sonderfonds belegt werden müssen, unterstrich Durnwalders Verteidiger."Es fehlen alle objektiven Elemente für eine Anklage.""Luis Durnwalder soll nun sogar dafür bestraft werden, weil er die Ausgaben dokumentiert hat." Im italienischen Vergleich gelte Durnwalder hierbei als "primo della classe", wie Rechtsanwalt Brandstätter hervorhob, der auch erklärte: "Es fehlen alle objektiven Elemente für eine Anklage."Das von der Anklage oft zitierte Präzedenzurteil aus Palermo könne laut Brandstätter bei genauem Durchlesen für Durnwalder nur den automatischen Freispruch bedeuten. Denn in Sizilien hatte sich ein führender Regionalpolitiker aus dem Sonderfonds 100 Millionen Lire auf sein Konto überweisen lassen, während Altlandeshauptmann Durnwalder nie etwas in den eigenen Sack gesteckt habe. Schreiduell mit Staatsanwalt SchülmersVor dem Rechnungshof kam es am Freitag auch zu einem Schreiduell. Prof. Leonardo Di Brina, ein weiterer Verteidiger von Luis Durnwalder, hat die Anklage als vollkommen unverständlich bezeichnet, weil die Staatsanwaltschaft des Rechnungshofes und dessen Kontrollsektion sich widersprächen - wegen dessen "procuratore ineffabile" ("unsagbarer Staatsanwalt"). Diese Aussage hatte eine heftige Reaktion von Staatsanwalt Robert Schülmers zur Folge, der die Aussagen für sich und sein Amt als beleidigend empfand. Urteil in den nächsten WochenDas Richterkollegium rund um Präsident Paolo Neri muss nun die Entscheidung fällen. Das Urteil wird für die nächsten Wochen erwartet.cu