Mittwoch, 02. September 2020

Prozess um Toten in Innsbrucker Wohnung

Nach einem besonders grausamen Verbrechen in einer Innsbrucker Wohnung mit einem Toten im April des vergangenen Jahres hat am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck der Prozess gegen das tatverdächtige Paar im Alter von 22 und 24 Jahren begonnen. Die Staatsanwaltschaft warf den beiden nicht nur Mord, sondern auch Störung der Totenruhe vor. Der 24-Jährige war auch wegen Vergewaltigung angeklagt.

Bei der Tat handelt es sich um einen "außergewöhnlichen Kriminalfall".
Bei der Tat handelt es sich um einen "außergewöhnlichen Kriminalfall". - Foto: © BRIGITTE FORSTER
Der Staatsanwalt sprach in seinem Eröffnungsplädoyer von einem „wahrlich außergewöhnlichen Kriminalfall“. Der 24-jährige Inder soll in der Nacht auf den 10. April 2019 zunächst eine Frau vergewaltigt und dann einen 29-jährigen Pakistani getötet haben, indem er ihn zunächst mit einem Gürtel strangulierte, dann mit einem Küchenmesser die rechte Hand abschnitt und schließlich mit demselben Messer die Kehle durchschnitt. Die beiden Beschuldigten sollen nach der Tat auch noch den Leichnam geschändet haben.

Die Zweitangeklagte soll zur Tat beigetragen haben, einerseits weil sie das Messer brachte und andererseits aber auch, weil sie dem Erstangeklagten von einem vermeintlichen sexuellen Übergriff des späteren Opfers erzählte. Dadurch habe sie „Wut beim Erstangeklagten entfacht“, so der Staatsanwalt. Zudem filmte die 22-Jährige die gesamte Tat mit dem Handy. Dieses Video soll während der Verhandlung gezeigt werden. „Ich bitte Sie, auch wenn es schwer erträglich sein wird, schauen Sie sich das Video gut an“, sagte der öffentliche Ankläger zu den Geschworenen.

Der Verteidiger des erstangeklagten Inders meinte, dass sein Mandant sowohl schuldig bei der Vergewaltigung, als auch bei der Tötung sei. Er sei jedoch in „Wut, Rage und Zorn“ gewesen, weshalb es sich nicht um Mord, sondern um Totschlag handle, so der Verteidiger. Der Rechtsanwalt der Zweitangeklagten meinte hingegen, dass seine Mandantin frei zu sprechen sein werde, da der Film beweise, dass die 22-Jährige bei der Tötung keine Rolle spielte.

Erstangeklagter bekannte sich schuldig

Der Richter entschied indes, dass der Anklagepunkt des Verbrechens der Vergewaltigung aus dem Verfahren ausgeschieden und gesondert verhandelt werden soll. Das Opfer lebe nämlich in Großbritannien und könne aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht anreisen, um auszusagen.

Der 24-jährige Erstangeklagte bekannte sich am Mittwoch vor dem Geschworenengericht schuldig. Er sei wütend aufgrund des sexuellen Übergriffs an seiner Freundin, der 22-jährigen Zweitangeklagten, gewesen. Zu Beginn habe er das Opfer aber nicht töten wollen, später dann jedoch schon, meinte der Erstangeklagte vor Gericht.

Er habe aber geglaubt, dass der 29-Jährige bereits nach der Strangulation durch den Gürtel tot gewesen sei. Erst später habe er bemerkt, dass das Opfer zwar bewusstlos war, aber noch lebte. Er habe dann auch die Zweitangeklagte dazu aufgefordert, das Messer zu holen und die Tat mit dem Handy zu filmen. „Ich wollte, dass sie etwas tut, damit sie sich besser fühlt, damit sie sich rächen kann“, sagte der Inder.

Die 22-Jährige bekannte sich indes nicht schuldig. Sie hätte nicht gedacht, dass ihr Freund den 29-Jährigen töten würde, wenn sie ihm von dem sexuellen Übergriff erzählte. „Sonst hätte ich nichts gesagt“, meinte sie. Sie habe den 24-Jährigen aber immer wieder gebeten, aufzuhören. Während der Tat habe sie einfach alles gemacht, was ihr der Erstangeklagte „befohlen“ habe, weil sie Angst vor ihm hatte, beteuerte sie.

„Er wusste, was er tat“

Laut Psychiaterin Adelheid Kastner waren jedenfalls beide Beschuldigte zurechnungsfähig. Der Erstangeklagte hatte allerdings eine psychiatrische Untersuchung verweigert, weshalb sich ihr Gutachten lediglich auf seine Handlungen im Video und die Angaben im Akt stütze. Es gebe dabei aber keinerlei Hinweise auf eine höhergradige Störung oder eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung. „Er wusste, was er tat und war in der Lage sein Verhalten zu steuern“, so Kastner.

Die Psychiaterin diagnostizierte beim 24-Jährigen jedoch eine Psychopathie. Er würde immer den eigenen Vorteil priorisieren und seinen eigenen Machtbereich grenzenlos verteidigen, wie es auch im Fall des Übergriffs auf seine Freundin geschehen sei. Damit werde der Erstangeklagte aber auch mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder gefährliche Taten setzen, weshalb eine Einweisung alternativlos sei, meinte die Psychiaterin.

Anders stellte sich die Situation bei der Zweitangeklagten dar. Von ihr seien in Zukunft keine Handlungen mit schwerwiegenden Folgen zu erwarten. „Sie hat mittlerweile eine maximale Distanz zu den Handlungen des Erstangeklagten eingenommen“, erklärte Kastner. Sie sei nicht krank, nicht gestört und auch nicht gefährlich. Die Leichenschändung gestanden beide Angeklagte.

Das Opfer habe nach der Strangulation, und noch bevor ihm die Hand abgetrennt und die Kehle durchgeschnitten worden war, noch gelebt, sagte Gerichtsmediziner Walter Rabl. Todesursache sei jedenfalls hochgradiger Blutverlust und Bluteinatmung gewesen.

apa