Samstag, 08. August 2020

Seniorin 4 Jahre lang von Bozner Anwalt hintergangen

In der Folge von Ermittlungen der Bozner Finanzpolizei wurden ein bekannter Bozner Anwalt und sein Komplize angeklagt, weil sie eine über 80-jährige Frau mit psychischen Problemen über mehrere Jahre ausgenutzt haben sollen.

Die Finanzpolizei hatte einiges zu ermitteln.
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Die Finanzpolizei hatte einiges zu ermitteln. - Foto: © Finanzpolizei Bozen
Vor einigen Jahren hatte der gestorbene Mann der nun über 80-jährigen Frau in seinem Testament verfügt, dass seine 3 Kinder eine Wohnung von rund 90 Quadratmetern in einem Bozner Wohnviertel bekommen. Für seine Frau war jedoch bestimmt, dass sie dort weiter wohnen und somit von einem Wohnungsrecht Gebrauch machen könne. Den Kindern blieb somit das sogenannte „nackte Eigentum“ der Wohnung.

Dieses Appartement befindet sich im selben Gebäude wie auch die Räumlichkeiten des Anwaltes. Dieser hatte sich im Jahr 2010 das „nackte Eigentum“ der Söhne gesichert. Die Wohnung wurde zu jenem Zeitpunkt aber noch von der Frau besetzt.

Anwalt machte einen Gewinn von 700 Euro monatlich

Im Jahr 2015, als sich der Gesundheitszustand der älteren Frau verschlechterte, wurde sie in ein Altersheim gebracht und die von ihr besetzte Wohnung bleibt infolgedessen unbewohnt. Der Anwalt schaffte es einige Monate später durch einen vermeintlichen „Freund“ der Frau, die Wohnung für eine symbolische Summe von 200 Euro pro Monat anzumieten. Der listige Anwalt aber gab die Wohnung zur Untermiete frei, wofür er 900 Euro monatlich kassierte. Somit machte er am Monatsende immer einen Gewinn von 700 Euro auf Kosten der alten Dame.

Nach einem Hinweis des Sachwalters, der in der Zwischenzeit für die Dame ernannt worden war, wurden Ermittlungen gegen den Anwalt und seinen Komplizen in die Wege geleitet. Im Rahmen der Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Anwalt insgesamt rund 40.000 Euro unrechtmäßigen Profit auf Kosten der älteren Dame gemacht hat. Zudem hat sich herausgestellt, dass der Bekannte der Dame, der diese zur Vermietung der Wohnung für 200 Euro an den Anwalt überredet hatte, 10.000 Euro von letzterem erhalten hat.

Bis zu 6 Jahre Haft


Aufgrund dieser Geschehnisse wurden der Anwalt und der „Freund“ der Frau wegen der Straftat der Täuschung einer Unzurechnungsfähigen angezeigt. Ihnen droht eine Haftstrafe zwischen 2 und 6 Jahren sowie eine Geldstrafe von 206 bis 2065 Euro.

Schließlich stellte sich noch heraus, dass der Bekannte der Frau und somit der Komplize des Anwaltes, im Jahr 2017 mehrmals höhere Summen, insgesamt etwa 100.000 Euro, vom Konto der Frau abgehoben hat.

stol

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