<b>In knapp 7 Wochen wird die Bahnlinie zwischen Bruneck und Franzensfeste gesperrt. Sind die Vorbereitungen abgeschlossen?</b><BR />Mirko Waldner: Das Grundgerüst für den Schienenersatzdienst steht. Jetzt geht es noch um kleinere Verbesserungen. Dass Ziel ist, dass die Menschen, die zwischen Bruneck und Franzensfeste ab 15. Dezember keinen Zug mehr haben, trotzdem mobil bleiben und ihre Ziele wie gewohnt erreichen. <BR /><BR /><b>Wie soll das gelingen?</b><BR />Waldner: Wir gehen beim Schienenersatzdienst – so wie bei der Bahnsperre zwischen Meran und Bozen – davon ab, dass der Bus der Zugstrecke folgt und alle Stationen anfährt, die der Zug hat. Wir versuchen, die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Die meisten Fahrgäste im Pustertal haben die Städte Bruneck und Brixen als Hauptdestination. Eine zweite Gruppe fährt weiter nach Bozen und eine kleine Gruppe Richtung Wipptal. Das Ziel muss sein, die Zuganschlüsse zu erreichen. Das gelingt, indem die Busse – wie später der Zug über die Riggertalschleife – direkt Brixen anfahren und auf der Hauptlinie nur an 8 Stellen halten. Das erlaubt eine Fahrzeit von 52 bis 54 Minuten, die wir jetzt mit dem Zug von Bruneck nach Brixen – mit dem Umstieg in Franzensfeste – auch brauchen. Damit erreichen wir die Zugverbindungen von Bruneck nach Innichen und von Brixen nach Bozen. Dafür war aber noch eine Änderung notwendig.<BR /><BR /><b>Welche?</b><BR />Mirko Waldner: Man hat den gesamten Personennahverkehr östlich von Bruneck um eine Viertelstunde gedreht. Das heißt, bei jedem Bus und jedem Zug ändert sich mit dem Fahrplanwechsel die Abfahrtzeit um eine Viertelstunde. Das war nötig, weil wir einen 15-Minuten-Puffer beim Schienenersatz einplanen mussten – zum einen für den Umstieg von Bus auf Zug und umgekehrt und als Puffer auf der Straße. Entsprechend haben sich auch die Schulen an die neuen Fahrpläne angepasst. Diese Umstellung bleibt bei einem Halbstundentakt auch mit der Riggertalschleife, wenn sich die Fahrt um 15 Minuten verkürzt und gleichzeitig der 15-Minuten-Puffer wegfällt. Und sie ist dann, voraussichtlich ab 2026, auch mit Österreich und den Zügen in Richtung Kärnten abgestimmt. <BR /><BR /><b>Wie viele Busse werden mehr auf der Straße sein?</b><BR />Waldner: Wir setzen insgesamt 17 Fahrzeuge von Auto Rainer und Pizzinini ein. Generell rechnen wir mit 2 Bussen, die einen Zug ersetzen. Die Anzahl der Busse kann bei Bedarf erhöht werden. In der Früh an Schultagen können es 5 Busse pro Zug sein, am Abend, wenn der Fahrplan auf den Stundentakt wechselt, auch nur mehr ein Bus. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67175677_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Wie viel Leute mehr werden auf der Straße sein, also im Bus sitzen?</b><BR />Waldner: Im unteren Pustertal wird der Zug – so wie auch im oberen Vinschgau – nicht so stark genutzt wie anderswo. Wir sind sicher, dass das auch mit dem störungsanfälligen Umstieg in Franzensfeste zusammenhängt. Denn im Gegenzug haben wir dort mehr Verkehr auf der Straße. Laut einer Studie haben wir im unteren Pustertal ungefähr eine Million Reisende im Jahr. Die Besetzung pro Zug ändert sich im Tages- und Jahresverlauf ständig und schwankt entsprechend. Unsere Planungen sind darauf ausgerichtet, alle Fahrgäste mit dem Bus transportieren zu können. Wir werden in den ersten Wochen alles genau beobachten, jeden Tag die Lage besprechen und nötigenfalls intervenieren. Das Beste wäre, wenn alle ihre Gewohnheiten beibehalten und nicht früher oder später oder mit dem Auto fahren, weil wir mit den derzeitigen Daten der Bahn und der Straße planen. <BR /><BR /><b>Apropos Straße: 2 Wochen nach der Bahnsperre sind Weihnachtsferien, der nächste Sommer kommt bestimmt. Dann stehen auch die Busse im Stau...</b><BR />Waldner: Dass man die Pustertaler Straße nirgends umfahren kann, ist eines unserer größten Probleme beim Schienenersatzverkehr. Das ist zwischen Meran und Bozen mit der MeBo anders. Wenn auf der Pustertaler Straße Stau ist, dann steht auch der Bus. Das wird bei den Pendlern voraussichtlich weniger ein Problem, aber in der Freizeitnutzung, also am Wochenende und in den Hochsaisonen, schon. Da werden wir trotz aller Gegenmaßnahmen – wie der direkten Routenführung, des Drehens des Fahrplans in Bruneck und des direkten Anfahrens von Brixen – mit dem Bus die Anschlusszüge nicht immer schaffen. <BR /><BR /><b>Es wird ein herausforderndes Jahr...</b><BR />Waldner: Ja. Aber jetzt sind die Bedingungen ideal, das Geld ist da und durch Olympia ist die RFI auch motiviert, das durchzuziehen. Wenn wir jetzt zögern würden, riskieren wir, für Jahre oder Jahrzehnte weiterhin den nicht optimal funktionierenden Umstiegspunkt in Franzensfeste zu haben, der für die Hauptrichtung nach Bozen unattraktiv und zeitverzögernd ist.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-67175791_quote" /><BR /><BR /><b>Sie sprechen die Hauptrichtung an. Es reisen aber auch viele Studenten von Franzensfeste nach Norden. Diese beklagen, dass man sie beim Schienenersatz vergessen hat...</b><BR />Waldner: Für die Anbindung an das Wipptal haben wir in der Tat keine ideale Lösung. Hier muss man mit einem Zeitverlust von 30 Minuten pro Fahrt rechnen. Das ist nicht optimal, aber wir können hier leider wenig tun, ohne zu riskieren, die Hauptverkehrsrichtung für die Fahrgäste komplizierter zu machen. Den Pendlern, die jeden Tag pünktlich zur Arbeit kommen müssen, musste hier gegenüber den vor allem Studenten, die vielleicht nur 2-mal pro Woche fahren, der Vorrang gegeben werden. Es gab zwar, wie im Landtag angeregt, die Initiative, den Direktbus, der zwischen Innsbruck und Lienz verkehrt, zu einer Haltestelle im Pustertal zu bewegen, aber das wurde aus verschiedenen Gründen bereits im Vorjahr vom Land Tirol abgelehnt. <BR /><BR /><b>Ist die Riggertalschleife nach einem Jahr Bahnsperre offen?</b><BR />Waldner: Wir rechnen damit, dass wir nach einem Jahr die Bestandsstrecke öffnen, aber noch eine Zeitlang über Franzensfeste fahren werden. Die RFI hat zwar großen Druck im Hinblick auf die Olympischen Spiele, und die Kristallkugel haben auch wir nicht, aber wir rechnen damit, dass wir vielleicht bis März, April noch auf der Bestandsstrecke über Franzensfeste fahren werden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67175793_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Was kostet das eigentlich dem Land?</b><BR />Waldner: Wir rechnen mit 1,5 Mio. Kilometern mit Bussen, die ungefähr 5 Mio. Euro kosten werden. Auch fallen nicht sämtliche Kosten des Eisenbahnverkehrs weg, denn die Züge müssen natürlich weiterhin gewartet werden. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass es zunächst ausgeschlossen war und nur durch Investitionen in die Remise in Innichen und eine Reihe von begleitenden Maßnahmen möglich wird, die Bahnstrecke zwischen Bruneck und Innichen offen zu halten. Diese Teilstrecke ist vom Rest des Schienennetzes abgeschnitten. Die Züge im oberen Pustertal bleiben das Jahr über dort und müssen folglich auch vor Ort gewartet werden. All das kostet auch Geld. Aber wir können dadurch den im oberen Pustertal stark genutzten Zug offenhalten – bis auf 50 Tage im April und Mai, wenn auch auf dieser Strecke wichtige Arbeiten durchgeführt werden. Das ist eine sehr gute Lösung fürs obere Pustertal.