Donnerstag, 02. April 2015

Pusterer stirbt bei Lawinenunglück: Bergführer festgenommen

Nach dem Lawinenunglück in den französischen Alpen mit drei Toten sind am Donnerstag zwei Österreicher festgenommen worden. Bei dem Südtiroler Todesopfer handelt es sich um den Pusterer Martin Pallua (24).

Lawinenunglück in Frankreich: Ein Experten-Team des Österreichischen Alpenvereins koordiniert die Arbeit vor Ort. Foto: LaPresse
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Lawinenunglück in Frankreich: Ein Experten-Team des Österreichischen Alpenvereins koordiniert die Arbeit vor Ort. Foto: LaPresse

Wie berichtet, waren bei dem Lawinenabgang ein Wiener, ein Salzburger und ein Südtiroler ums Leben gekommen. 

Beteiligte werden einvernommen

Laut der zuständigen Staatsanwaltschaft in Gap sind zwei Österreicher festgenommen worden. Sie hatten sich als Bergführer bezeichnet. Es soll nun überprüft werden, ob sie nach der Gesetzeslage als solche tätig sein durften. Ermittelt wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

 

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Eine Satellitenaufnahme des Ecrins-Massives in den französischen Alpen. Foto: APA/ÖAV/ALPSTEIN TOURISMUS GMBH & CO.KG 

"Die Ermittlungen der französischen Polizei nach einem so tragischen Unglück sind Teil einer Standardüberprüfung, wie sie auch in Österreich bei Unfällen mit Todesfolge ablaufen würde", hieß es am Donnerstag von Seiten des Österreichischen Alpenvereins.

„Die beiden Bergführer waren im Auftrag des ÖAV unterwegs und sind geprüfte Bergführer nach dem Bergführergesetz. Dies berechtigt sie auch, in allen Mitgliedsländern des internationalen Bergführerverbandes, darunter auch Frankreich, uneingeschränkt als Bergführer tätig zu sein. Diesbezügliche Bestätigungen des nationalen und internationalen Verbandes liegen vor“, hält ÖAV-Präsident und Rechtsanwalt Dr. Andreas Ermacora fest. Auch die jungen Alpinisten werden als Beteiligte zum Unfallhergang einvernommen.

Nordtiroler nach wie vor im Koma

Ein Alpinist aus Nordtirol wurde bei dem Lawinenabgang schwer verletzt. Der Mann befand sich laut dem französischen Staatsanwalt Raphael Balland am Donnerstag weiter im Koma. Die Ärzte schätzten seinen Zustand weiterhin als kritisch ein. Das ÖAV-Notfall-Team, das noch in der Nacht auf Donnerstag nach Frankreich entsandt wurde, kümmert sich vor Ort um die notwendigen Schritte.  

Genauer Unfallhergang wird geklärt

Die Ermittler wollen nun prüfen, wie die Tour in hochalpinen Lagen organisiert worden war.

Die plausibelste Hypothese ist nach bisherigen Erkenntnissen, dass starker Wind ein Schneebett losgelöst hat, das die Skifahrer unter sich begrub. Der Staatsanwaltschaft zufolge war am Mittwoch in den gesamten französischen Hochalpen wegen starker Windböen vor Lawinen gewarnt worden. Das Risiko wurde demnach auf einer fünf Stufen umfassenden Skala mit drei eingestuft.

 

Auch Hubschrauber sind zur Klärung des Vorfalls im Einsatz. Foto: LaPresse

Das ÖAV-Team in Frankreich, das neben einem Notfallpsychologen auch Sachverständige umfasst, ist auch dabei, Erkenntnisse zum Unfallhergang zu sammeln, und damit zu einer rasche Klärung der offenen Fragen beizutragen.

Überlebende wohlauf

Die sieben weiteren Überlebenden des Unglücks wurden per Helikopter ins Tal nach Briancon ausgeflogen, wo sie sofort von der Öffentlichkeit abgeschirmt wurden. Sie sind unverletzt und es geht ihnen den Umständen entsprechend gut. In Begleitung des ÖAV-Teams sind mittlerweile auch Angehörige der Verunglückten vor Ort angekommen.

Auch die Eltern des Südtirolers sollen vor Ort sein. 

Überführung der Verstorbenen

"Es wird alles Nötige unternommen, um den Überlebenden eine baldige Heimreise zu ermöglichen", heißt es vom Österreichischen Alpenverein. In Absprache mit der Tyrolean Air Ambulance, die auf Abruf bereit stehe, sei der Alpenverein auch bemüht, die Überführung der Verstorbenen zu organisieren.

apa/stol

stol