Der Ordner mit der Aufschrift „Ministero dell'Interno – Direzione centrale della pubblica sicurezza – U.C.I.G.O.S. – Scomparsa Emanuela Orlandi“ enthält lediglich eine Inhaltsbeschreibung, jedoch nicht die dazugehörigen Ermittlungsergebnisse. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. <BR /><BR /><BR />Insgesamt umfasst der Fund 4 Seiten: das Deckblatt sowie 3 weitere Blätter, die offenbar eine Fotokopie eines dreibändigen Dossiers darstellen. Während ein Band lediglich auf „Presseausschnitte“ verweist, enthalten die ersten beiden möglicherweise brisante Hinweise – unter anderem auf Ali Ağca, den „Fronte Turkesh“ und eine mysteriöse Bezeichnung: „Phoenix“. <h3>Geheimhaltung oder Behördenpanne?</h3>Der fragliche Ordner wurde bereits 2017 in das Zentralarchiv überführt, im Zuge der „Renzi-Direktive“ von 2014, die eine systematische Archivierung sicherheitsrelevanter Dokumente zu italienischen Terroranschlägen und historischen Kriminalfällen vorschrieb. Doch laut Simona Greco, der Verantwortlichen für die „Spezialsammlungen“, folgten einige Behörden der Anordnung nur in eingeschränkter Form. Anstatt komplette Dossiers zu übergeben, übermittelten sie lediglich Verzeichnisse – während andere Institutionen die gesamte Serie archivierten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1123185_image" /></div> <h3> Zusammenhang mit anderen Ermittlungen?</h3>Besonders heikel ist, dass das Orlandi-Dossier nicht als reguläre Akte (die nach 30 Jahren archiviert wird), sondern als Teil einer anderen Untersuchung aufgenommen wurde – einer Expertise aus dem Jahr 1996 zu den Attentaten auf der Piazza della Loggia. Warum genau diese Verbindung besteht, bleibt laut Ansa unklar. Es wird vermutet, dass Teile der Originalakten möglicherweise von der Justiz beschlagnahmt wurden, sodass sie nicht im Archiv gelandet sind. <h3>Spurensuche beginnt erneut</h3>Entdeckt wurde der Fund von Gian Paolo Pelizzaro, einem Journalisten und Berater der parlamentarischen Untersuchungskommission zu den Vermisstenfällen von Mirella Gregori und Emanuela Orlandi. Er informierte sofort den Kommissionspräsidenten Andrea De Priamo, der daraufhin eine formelle Anfrage zur Einsichtnahme stellte. <BR /><BR />Nun muss geklärt werden, wo sich die fehlenden Dokumente befinden und was genau sie enthalten. Besonders rätselhaft ist eine Akte über Patrizia De Lellis, die Tochter eines Ehepaars, das an der Musikschule arbeitete, die Emanuela Orlandi besuchte. Und was steckt hinter dem ominösen Kapitel „Phoenix“, das im September 1983 auftaucht? <BR /><BR />Die parlamentarische Kommission setzt ihre Nachforschungen fort – in der Hoffnung, endlich Licht in eines der größten Mysterien Italiens zu bringen. <h3>Eines der größten Rätsel der jüngeren italienischen Kriminalgeschichte</h3>Die 15-jährige Vatikan-Bürgerin Emanuela Orlandi war am 22. Juni 1983 nicht vom Musikunterricht heimgekehrt. Der Fall gilt als eines der größten Rätsel in der jüngeren italienischen Kriminalgeschichte. Um Orlandis Verschwinden rankten sich immer neue Spekulationen und Verschwörungstheorien, in denen teilweise auch der Vatikan eine Rolle spielt. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/fall-emanuela-orlandi-das-schweigen-ist-oft-das-schlimmste-verbrechen" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Die aufwendigen Ermittlungen zu Orlandis Fall wurden in einer Doku-Serie anhand neuer zum Teil brisanter Zeugenaussagen rekonstruiert. </a>