„Es fühlt sich richtig gut an, wieder hier zu sein“, sagt Andreas Agostini kurz nach seiner Landung in Italien. Hinter ihm und seinen vier Freunden liegen Tage, die sie so schnell nicht vergessen werden. Was als gewöhnlicher Rückflug von Kapstadt nach Doha begann, wurde am 28. Februar durch die militärische Eskalation am Golf jäh gestoppt.<BR /><BR />Zwei Stunden nach dem Start in Doha Richtung Heimat kam die Durchsage des Piloten: Der iranische Luftraum sei gesperrt, man müsse auf Anweisungen warten. Nach einigen Warteschleifen in der Luft die Gewissheit: Umkehr nach Doha. <BR /><BR />„Wir sind gelandet und haben erstmal im Flugzeug gewartet, ob es vielleicht über eine andere Route weitergehen würde. Nach einer halbe Stunde hieß es dann: Alles raus aus dem Flieger“, berichtet Agostini. <BR /><BR />Noch in der Luft hätte sich unter den Passagieren herumgesprochen, dass der israelisch-amerikanische Angriff auf den Iran, der Grund für den abgebrochenen Flug sei. Am Boden waren Informationen dann Mangelware. „Am Flughafen herrschte Chaos, wir fühlten uns allein gelassen. Niemand wusste wie es nun weiter geht.“<h3> „Haben schnell verstanden, hier ist Schluss mit lustig“</h3>Die Gruppe wurde schließlich in einem Luxushotel untergebracht. Doch die Annehmlichkeiten wie Sauna und Fitnessraum konnten die beklemmende Realität vor dem Fenster nicht ausblenden. <BR /><BR />„Als wir am Hotel ankamen, haben wir bereits in der Ferne gesehen, wie die ersten Raketen, die der Iran abgeschossen hatte, von der katarischen Luftabwehr vom Himmel geholt wurden“, schildert Agostini. „Im ersten Moment sah es beinahe aus wie ein Feuerwerk, wir haben aber schnell verstanden, hier ist Schluss mit lustig.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1286205_image" /></div> <BR /><BR />Was folgte waren unruhige Nächte: „Immer wieder könnten wir Explosionen und Raketeneinschläge hören. Einmal wurde ein amerikanischer Stützpunkt in etwa 50 Kilometern Entfernung getroffen.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1286208_image" /></div> <BR /><BR />Erst am Mittwoch habe sich die Lage wieder beruhigt, in die Stadt kehrte wieder eine Spur von Normalität zurück. „Besonders beeindruckt waren wir von der Gelassenheit der Einheimischen. Sie schienen sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Auch in unserem Hotel brach keine Hektik oder Panik aus.“<h3> Nächtliche Flucht in den Schutzraum</h3>Dramatisch wurde die Situation dann am vergangenen Donnerstag. „Schon beim Frühstück hörten wir die Bomben einschlagen. Die Hotelmanagerin zeigte uns einen Schutzraum im zweiten Untergeschoss der Garage, falls es brenzlig wird“, so Agostini. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1286211_image" /></div> <BR /><BR />In der darauffolgenden Nacht um 2.30 Uhr schrillte dann tatsächlich der Alarm. „Meine Freunde waren schon im Keller und riefen mich von dort aus an. Ich war noch im Zimmer, weil der Alarm auf meinem Mobiltelefon nicht angekommen war und eilte schnell zu ihnen. Wir saßen dann etwa 20 Minuten im Schutzraum fest. Zum Glück wurde das Hotel aber nicht getroffen.“<BR /><h3> Die Odyssee nach Hause</h3>Die Kommunikation mit den Behörden beschreibt Agostini als schwierig. Bereits am zweiten tag in Doha hatten sie sich auf der Seite des Außenministeriums angemeldet, erste Informationen des Außenministeriums erreichten sie aber erst am Samstag. Auch von Seiten der Airline hieß es abwarten. „Wir wurden immer wieder auf den nächsten tag vertröstet.“<BR /><BR />Da die fünf Freunde nicht länger warten wollte, organisierten sie gemeinsam mit anderen Reisenden auf eigene Faust einen Bus, der sie am Samstag durch die Wüste von Doha nach Riad in Saudi-Arabien bringen sollte. Von dort sollte ein Flug zurück nach Italien gehen. „Das war alles sehr aufwendig. Wir mussten unseren Flug umbuchen und mühsam ein Visa für Saudi Arabien beantragen“, so Agostini.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1286214_image" /></div> <BR /><BR />In letzter Minute änderten sich die Pläne allerdings erneut: „Um 2 Uhr weckte man uns: Wir sollten unsere Sachen packen und uns zum Flughafen in Doha begeben. Von dort geht es mit der Fluglinie Qatar Air dann endlich zurück nach Italien.“<BR /><BR />Die Gruppe folgte den Anweisungen prompt und saß kurz darauf im Flugzeug, das sie am Samstag nach einer Woche der Ungewissheit wieder sicher nach Rom zurück brachte. „Es ist ein gutes Gefühl, wieder hier zu sein“, sagt Agostini sichtlich erleichtert. „Das Erlebte hat sich eingebrannt. In so einer Situation hast du keine Chance, etwas vorauszusehen. Es hätte vieles schief gehen können. Wir hatten am Ende einfach großes Glück.“