<b><BR />STOL: Herr Dr. Conca, was lange befürchtet wurde, ist nun eingetreten: Die USA und Israel haben den Iran angegriffen. Blicken Sie besorgt auf die aktuelle Weltlage?</b><BR />Dr. Andreas Conca: Auf jeden Fall bereiten mir die Entwicklungen in der Welt Sorge, nicht zuletzt der Angriff auf den Iran. Es ist doch ein Widerspruch: Die einen feiern die Befreiung von einem brutalen Herrscher, doch gleichzeitig verursachen deren „Retter“ auch großes Leid in anderen Gebieten.<BR /><BR /><b>STOL: Es handelt sich um das aktuellste Beispiel. Doch in letzter Zeit scheint es überall ein bisschen zu kriseln ...</b><BR />Dr. Conca: In der Tat. Egal, wohin man blickt, es gibt Baustellen. Sei es im Bereich der Wirtschaft, der Bildung oder sonstwo. Über lange Zeit hinweg habe ich mir vor allem auf einer persönlichen Ebene sehr viele Gedanken und Sorgen gemacht. Irgendwann wurde mir klar, dass es sich nicht nur um mich selbst handelt, sondern die gesamte Gesellschaft in einer Krise steckt. Was es noch besser trifft: Der Mensch befindet sich in einer Identitätskrise. Die Frage „Was ist der Mensch?“, wie sie schon Immanuel Kant gestellt hat, ist in der Philosophie von heute wieder topaktuell. Aber so bedrückend Krisen auch wirken, bieten sie stets eine Chance.<BR /><b><BR />STOL: Was meinen Sie damit?</b><BR />Dr. Conca: Krisen sind ein Scheidepunkt. Auf europäischer Ebene kann das bedeuten, dass sich die EU politisch neu orientiert. Vielleicht unabhängiger von den US-Amerikanern wird. Für den Einzelnen heißt es zunächst, anzuerkennen, dass manche Umstände nicht zu verändern sind. Entscheidend ist die Frage: Was kann ich selbst bewirken? Es geht nicht darum, die Welt zu retten, sondern darum, Verantwortung im eigenen Rahmen zu übernehmen. Also aktiv zu werden und die Bereiche zu gestalten, die man beeinflussen kann. Ganz nach dem Motto: Weniger Macht, mehr machen.<BR /><BR /><b>STOL: Um sich so für die Zukunft zu wappnen?</b><BR />Dr. Conca: Wer aktiv in die Bereiche Bewegung, Beziehung und Weiterbildung investiert, ist gut für Gegenwart und Zukunft gerüstet – auch wenn diese von Unsicherheiten geprägt sind. Diese drei Bereiche wirken sich positiv auf das Selbstwertgefühl eines Menschen aus. Sie fördern die Resilienz und die Krisenfestigkeit. Die Probleme in der Welt werden nicht weniger, aber wer gut auf sich selbst schaut, ist besser auf sie vorbereitet. Probleme einfach zu ignorieren, ist keine Lösung. Es gilt, den richtigen Mix zu finden. Wer den ganzen Tag Nachrichten zum Krieg liest, belastet sich damit unnötig. Sich gar nicht zu informieren, ist genauso wenig zielführend.