Donnerstag, 17. März 2022

Raus aus dem Jogginganzug: So gewöhnen wir uns wieder ans Büro

Am 31. März endet der pandemiebedingte Notstand in Italien. Viele Beschäftigte werden dann wohl wieder regelmäßiger im Büro sein. Aber wie ging das gleich, arbeiten unter vielen Menschen?

Viele Beschäftigte haben sich an das Home Office gewöhnt. - Foto: © unsplash

Nach über 2 Jahren Pandemie haben sich viele an das Home Office gewöhnt. Durch das Ende des staatlichen Notstandes in Italien Ende März werden aber viele Arbeitnehmer wieder an ihren Arbeitsplatz zurückbeordert werden.

Hier einige Tipps, wie die Rückkehr ins Büro leichter Fallen dürfte.

Müssen wir uns erst wieder ans Büro gewöhnen?

„Für viele wird das eine Umstellung“, sagt Utz Niklas Walter vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) in Konstanz.
Auch Jutta Rump, Direktorin am Institut für Beschäftigung und Employability (Ibe) in Ludwigshafen, geht davon aus, dass sich Beschäftigte, die lange Zeit nicht vor Ort waren, bei der Rückkehr zunächst mehr denn je wieder den innerbetrieblichen Strukturen anpassen müssen. „Im Home Office habe ich natürlich viel mehr Freiheiten“, so Rump, die auch Botschafterin der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) ist.

Walter zufolge ist die Führungskultur im Home Office eine andere als im Büro. Im Büro kann sich die wieder zu mehr Beobachtung und Kontrolle entwickeln. Vor Ort würden viele Führungskräfte das Geschehen einfach anders bewerten als aus der Distanz.

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Welche Herausforderungen bringt die Rückkehr ins Büro?


Zum einen werden Pendeln und Wegzeiten nun wieder verstärkt Thema. Bei den Fahrten mit Bus, Bahn oder Auto werde Beschäftigten oft erst wieder bewusst, wie viel Zeit dabei verloren geht, die sich nicht immer produktiv oder für sich selbst nutzen lässt. „Dieser Zeitverlust wird für viele spürbar sein“, sagt Walter.

Das Pendeln sorgt bei vielen auch für frühere Aufstehzeiten und stellt damit vor allem für die sogenannten Spättypen eine echte Herausforderung dar. „Im Home Office war es möglich, dass die Eulen eher Eulen sein durften und die Lerchen eher Lerchen.“

Walter verweist auch auf zwischenmenschliche Herausforderungen. Wer lange Zeit gar nicht im Büro war, hat womöglich erst einmal mit einer gewissen „Kontaktfremde“ zu kämpfen. „Das fängt ja schon damit an, dass die Leute gar nicht mehr wissen, ob sie sich jetzt eine Faust geben, die Hand oder was auch immer.“

Jutta Rump spricht das Thema Konflikte an. Wer im Home Office Ärger mit Kolleginnen oder Kollegen hat, kann sich eher erstmal wieder abreagieren. Am nächsten Tag hat sich die Situation meist entspannt. Im Büro hingegen, wo man sich den ganzen Tag sieht, kann sich ein Konflikt eher mal hochschaukeln. „Das ist wie eine Art sich selbst verstärkende Schleife.“

Welche Chancen bringt die Rückkehr ins Büro mit sich?

Natürlich bringt die (zeitweise) Rückkehr ins Büro auch Positives, auf das wir in langen Home-Office-Phasen verzichten mussten. „Ich habe den Eindruck, alle freuen sich, nun wieder zusammenzukommen“, sagt Jutta Rump.

Utz Niklas Walter nennt auch die Arbeitsplatzergonomie. „Man hat häufig bessere Bedingungen, was etwa Bildschirmgröße, Schreibtisch oder auch die Geräuschkulisse angeht“, sagt Walter.

Ibe-Direktorin Jutta Rump sieht die größte Chance darin, beim Arbeiten wieder im gleichen Raum zu sein. Das bestärkt den Teamspirit. Vor Ort lässt sich zudem flexibler zusammenarbeiten: „Ich rufe einmal durch den ganzen Raum: Können wir mal ganz kurz zusammenkommen? Und zack, sind wir da und stecken die Köpfe zusammen, ohne erst groß ein Meeting organisieren zu müssen.“

Gerade beim Onboarding neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei der Arbeit mit Azubis oder im Zusammenspiel mit Kundinnen oder Kunden seien das Vorteile.

Wie finden Teams gute Regelungen?

Nicht in jedem Unternehmen werde sich auf Anhieb ein perfektes Modell finden, viele müssten sich erst einmal an neue Regelungen rantasten, so Walter. Er empfiehlt, dass sich Arbeitgeber und Mitarbeitervertretung gemeinsam auf Home-Office-Regeln verständigen, die den Wünschen beider Seiten Rechnung tragen.

Es liege aber auch in der Verantwortung der Führungskräfte, proaktiv auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuzugehen und zu fragen: Wie geht es euch mit der Rückkehr an den Arbeitsplatz? Wie fühlt ihr euch mit den Regelungen?

Auch Jutta Rump hält Umfragen im Unternehmen oder den direkten Austausch in kleineren Betrieben für den richtigen Weg. Allerdings gehe es nicht darum, einfach alle Wünsche einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erfüllen. Entscheidend sei, ein Arbeitsmodell zu finden, das in den betrieblichen Rahmen passt und für das ganze Team realistisch ist.

Daher sollten umgekehrt auch Beschäftigte im Austausch mit der Führungsebene zunächst fragen: Was ist möglich? „Und dann kann man mit der verantwortlichen Führungskraft ernsthaft in einen Aushandlungsprozess gehen“, so Rump. Davor müsse man sich allerdings selbst darüber klar sein, was man eigentlich will. „Ich sollte eine klare Vorstellung davon haben, was ich gerne möchte und was ich auch unter Berücksichtigung der Kollegen und Kolleginnen, meiner Aufgaben und des Betriebs für realistisch halte.“



dpa/stol

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Martin Senoner
17. März 2022 12:50
MIr fehlt der Mix, ich macher gerne weiter zwei Tage zu Hause und drei im Büro