Montag, 13. September 2021

Regierung in Rom prüft Fall Eitan – Ermittlungen gegen Großvater

Die Regierung in Rom prüft ein Eingreifen in den mutmaßlichen Entführungsfall um den kleinen Eitan, den einzigen Überlebenden des Seilbahn-Unglücks vom Lago Maggiore. „Wir bewerten aktuell den Vorfall, um uns dann einschalten zu können“, sagte Außenminister Luigi di Maio am Montag vor Journalisten. Der sechsjährige Eitan war am Samstag vom Großvater mütterlicherseits ohne Wissen des Vormunds – der Tante väterlicherseits – und entgegen einer richterlichen Anordnung mit einem Flugzeug von Italien nach Isreal gebracht worden.

Eitans Großvater aus Israel mit der verstorbenen Mutter des kleinen Buben – ein Foto aus glücklichen Tagen.
Eitans Großvater aus Israel mit der verstorbenen Mutter des kleinen Buben – ein Foto aus glücklichen Tagen. - Foto: © ANSA / FACEBOOK TAL PELEG
Gegen den Großvater ermittelt nun die Staatsanwaltschaft in Pavia wegen Freiheitsberaubung, wie die Nachrichtenagentur Ansa schrieb. Die Anwälte des Mannes erklärten, er habe im Affekt gehandelt. Der Israeli hatte den Jungen wie verabredet für einen Besuch getroffen, am Abend aber nicht mehr zur Tante zurückgebracht. Stattdessen fuhr er Medienberichten zufolge mit einem Leihwagen in die Schweiz und flog von Lugano mit einem Privatflieger nach Israel.



Dort werde Eitan in einem Krankenhaus untersucht, sagte dessen Großmutter Etti Peleg dem Radiosender 103FM. Der Junge hatte die Seilbahn-Katastrophe am Pfingstsonntag schwer verletzt überlebt, die Eltern, der Bruder und 2 Urgroßeltern starben. Eitan habe 4 Monate lang keinen Arzt außer der Tante väterlicherseits gesehen, behauptete die Großmutter. Or Nirko, der Ehemann der Tante in Pavia, sprach von „lügnerischen Erklärungen“ der Familie in Israel.

Die Tante, die nach dem Unglück von einem Gericht als Vormund ernannt worden war, setzt für die Rückkehr Eitans auf eine internationale Vereinbarung, nämlich das Haager Kindesentführungsübereinkommen, dem sich sowohl Israel als auch Italien angeschlossen haben. Dieses soll Kinder vor Entführungen oder Verschleppungen in andere Länder schützen. Zudem sieht es vor, Kinder so schnell wie möglich in den Staat des bisherigen, gewohnten Aufenthalts zurückzubringen.

Cristina Pagni, die Anwältin der Tante, war diesbezüglich am Montag bereits vor Gericht in Pavia. „Im Moment kann ich noch nichts Konkretes sagen“, sagte sie nach dem Termin laut Ansa.

dpa/stol