Sonntag, 14. Oktober 2018

Regierung ordnet Umzug von Flüchtlingen aus Riace an

Nach der Festnahme des Bürgermeisters von Riace hat das italienische Innenministerium angeordnet, die Migranten aus dem süditalienischen Dorf in Flüchtlingsunterkünften unterzubringen. Wie das Ministerium am Samstag mitteilte, sollen die Umzüge in der kommenden Woche beginnen.

Innenminister Salvini begrüßt die Festnahme von Domenico Lucano.
Innenminister Salvini begrüßt die Festnahme von Domenico Lucano. - Foto: © APA/AFP

Riaces Bürgermeister Domenico Lucano, der durch die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen europaweit bekannt geworden war, war vor zehn Tagen festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Lucano wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung.

Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Scheinehen zwischen Bewohnern seines Dorfes und Migrantinnen arrangiert zu haben. Außerdem soll er die Müllentsorgung in Riace ohne Ausschreibung an Kooperativen von Migranten vergeben haben.

Salvini kritisiert die „Gutmenschen“ in Italien

Lucano hatte das 1.800-Einwohner-Dorf in Kalabrien in den vergangenen Jahren zu einem Musterbeispiel für die Integration von Flüchtlingen gemacht. Er nahm dutzende Menschen etwa aus Afghanistan, Eritrea und dem Irak auf und quartierte sie in leerstehenden Häusern in dem von Abwanderung betroffenen Dorf ein. Die Dorfschule wurde wieder geöffnet, von Flüchtlingen und Dorfbewohnern neu eröffnete Geschäfte und Ateliers zogen Touristen an.

Lucano wurde 2016 wurde er von der Zeitschrift „Fortune“ in die Liste der 50 einflussreichsten Persönlichkeiten aufgenommen, der deutsche Regisseur Wim Wenders drehte einen Film über ihn.
Salvini hatte Lucanos Festnahme begrüßt und die „Gutmenschen“ kritisiert, „die Italien mit Einwanderern vollstopfen wollen“.

stol