Fugatti hat Fratelli d’Italia-Frontfrau Francesca Gerosa demontiert, die Fratelli sitzen derzeit zudem nicht in der Regionalregierung. Jetzt stellen sie Fugatti die Rute ins Fenster, denn ohne ihre vier Stimmen platzt die regionale Mehrheit.<BR /><BR />Auf Halbzeit der Legislatur wechselt im Landtag die Spitze (von Arnold Schuler an Angelo Gennaccaro) und im Regionalrat (von Roberto Paccher an Sepp Noggler). Beide Wechsel sind vom Autonomiestatut vorgesehen und Pflicht. Keine gesetzliche Vorschrift ist hingegen die Stabübergabe in der Regionalregierung. „Dass die Landeshauptleute sich auf Halbzeit abwechseln, ist vielmehr eine vor Jahren eingeführte Praxis, mehr nicht“, stellt der regionale Koordinator der Fratelli d’Italia, Alessandro Urzì, klar. <h3> 2028 Keine Kandidatur für Fugatti</h3>Zwischen Fugatti und dem Partner Fratelli liegen die Dinge seit Beginn der Amtsperiode im Argen. Fugatti (Lega) darf 2028 nicht mehr kandidieren. Seine Gegenspielerin heißt Francesca Gerosa (FdI). Fugatti musste sie 2024 gegen seinen Willen zu seiner Stellvertreterin ernennen, was einige Abgänge von den Fratelli zur Folge hatte. <BR /><BR />Weitere Abgänge folgten, als Fugatti der FdI-Frontfrau vor einem Jahr mehrere Zuständigkeiten und die Funktion als Landeshauptmannstellvertreterin entzog, weil die Regierung in Rom das Trentiner Landesgesetz für seine dritte Amtsperiode vor dem Verfassungsgericht angefochten hat – und es erwartungsgemäß annulliert wurde.<h3> Keine Frage des Wollens, sondern des Müssens</h3>Jetzt soll Fugatti anstelle von Arno Kompatscher die Führung der Regionalregierung übernehmen, doch die Fratelli haben nicht vor, dies einfach durchzuwinken. „Fugatti hat Gerosa die Zuständigkeit als Landeshauptmannstellvertreterin entzogen. Zudem sind wir derzeit in der Regionalregierung nicht vertreten“, sagt Urzì. <BR /><BR />Ursprünglich in den Reihen der Fratelli in den Landtag und zum Regionalassessor für Fürsorge gewählt, hat Carlo Daldoss den Fratelli nämlich im Zuge der Polemiken um Fugattis dritte Amtszeit den Rücken gekehrt. „Wir haben keinen Assessor, sollten aber zur Mehrheit halten, obwohl wir nicht eingebunden sind“, sagt Urzì. Dabei liegt die Betonung auf „sollten“, denn ob die Fratelli weiter zur Stange halten, sei jetzt zu prüfen. „Fugatti muss sagen, ob er mit uns noch zusammenarbeiten will“, so Urzì.<BR /><BR />Dies ist keine Frage des Wollens, sondern des Müssens. FdI verfügt im Regionalrat über vier Stimmen. Ohne sie platzt die Mehrheit, weshalb jetzt mehrere Optionen im Raum stehen: Daldoss mit Daniele Biada von den Fratelli zu ersetzen, wird schwierig, denn dazu müsste Daldoss erst einmal zurücktreten. <BR /><BR />Gerosa wieder zur Landeshauptmannstellvertreterin aufpeppen, würde Fugatti das Gesicht kosten. Bleibt Variante drei: Gerosa anstelle von Fugatti zur Präsidentin der Regionalregierung küren.<h3> Keine gesetzliche Pflicht zum Stabwechsel</h3>Allemal stehen in der Trentiner Mehrheit harte Verhandlungen mit ungewissem Ausgang ins Haus. Medienberichten aus dem Trentino zufolge soll Arno Kompatscher schon einmal zugesagt haben, länger als bis Mitte Mai die Regionalregierung zu leiten. <BR /><BR />Theoretisch könnte er dies auch bis zum Ende der Amtsperiode tun, wenn sich die Trentiner im Zuge ihrer Nachfolgekämpfe auf keinen Namen einigen. Der Stabwechsel zur Halbzeit in der Regionalregierung hat zwar Tradition, gesetzliche Pflicht ist er aber nicht.